Das "Mittagsmagazin" der ARD steht mal wieder vor einigen Veränderungen. Nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de will der aktuell zuständige MDR die Produktion der Sendung im kommenden Jahr aus finanziellen Gründen an eine andere ARD-Anstalt abgeben. Angestrebt wird ein Wechsel im Laufe des ersten Halbjahres 2027. Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am MDR-Standort in Leipzig sind am Donnerstag über die Pläne informiert worden.
Die Entscheidung kommt einigermaßen überraschend. 2016, also vor rund zehn Jahren, zog sich der Bayerische Rundfunk aus der "Mima"-Produktion zurück - ebenfalls aus finanziellen Gründen. Damals übernahm der RBB und schürte große Erwartungen. Im Zuge der Affäre rund um Ex-Intendantin Patricia Schlesinger wurden allerdings finanzielle Löcher bei der Anstalt öffentlich, die den Sender bis an den Rand des Abgrunds trieben. Der RBB trennte sich Anfang 2024 vom "Mima", seither kümmert sich der MDR um die ARD-Ausgaben der Sendung. ARD und ZDF wechseln sich wöchentlich mit der Produktion ab.
Der MDR hatte sich vor einiger Zeit sehr darum bemüht, die Sendung nach Leipzig zu holen. Und tatsächlich gelang es, die Kosten der Produktion um rund die Hälfte im Vergleich zum RBB zu drücken. Rund drei Millionen Euro pro Jahr hat das "Mittagsmagazin" den Sender zuletzt gekostet. Der RBB zahlte in etwa zwar auch so viel, konnte damit aber nur eine Sendestunde füllen. Inzwischen hat das "Mima" eine Sendezeit von zwei Stunden. Und doch reicht es nicht: Der MDR muss bekanntlich massiv sparen, 160 Millionen Euro in der aktuellen Beitragsperiode. Weitere 30 Millionen werden in jedem Fall fällig, auch wenn die von der KEF empfohlene Anhebung des Rundfunkbeitrags zum 1. Januar 2027 auf 18,64 Euro kommt. Gibt es gar keine Erhöhung, steigt diese Summe auf 60 Millionen (DWDL.de berichtete).
Gegenüber DWDL.de bestätigt ein MDR-Sprecher am Donnerstagnachmittag, dass man sich innerhalb der ARD aktuell in Gesprächen befindet, "um die Produktion des ARD-Mittagsmagazins im Jahr 2027 abzugeben". Die Sendung soll es aber auch in Zukunft geben. Nach DWDL.de-Informationen soll der NDR die Produktion ab dem kommenden Jahr übernehmen. Vom MDR heißt es dazu: "Der Norddeutsche Rundfunk hat Bereitschaft signalisiert, das MIMA ggf. zu übernehmen." Nach BR, RBB und MDR wäre der NDR schon die vierte ARD-Anstalt innerhalb von rund zehn Jahren, die das Format produziert, nachdem es der jeweils vorherigen zu teuer wurde.
Auch der NDR bestätigt gegenüber DWDL.de, dass man die Bereitschaft signalisiert habe, 2027 das "Mima" vom MDR zu übernehmen. Eine Sendersprecherin weiter: "Darüber sind die beiden Rundfunkanstalten mit der ARD im Gespräch. Derzeit entwickelt der NDR verschiedene Szenarien, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen er die Gesamtverantwortung vom MDR übernehmen kann."
NDR soll das "Mima" übernehmen
Für den NDR würde die "Mima"-Übernahme Sinn machen, weil man die Sendung eng an die bestehenden Strukturen von ARD-aktuell andocken könnte. Mit "tagesschau24" fällt ab dem kommenden Jahr zudem ein Sender weg, der allen voran vom NDR verantwortet wird. Beim "Mittagsmagazin" könnten künftig also einige Mitarbeitende aus dem bestehenden Team des Nachrichtensenders eine neue Heimat finden.
Ein MDR-Sprecher teilte darüber hinaus jetzt auch mit: "Die bislang durch die Bundesländer seit 1.1.2025 nicht erfolgte Umsetzung der Erhöhung des Rundfunkbeitrags bedeutet für den MDR eine umfangreiche Budget-Kürzung. Diese Situation zwingt den MDR zu strategischen Entscheidungen, die sich unvermeidbar auch auf den Umfang unserer Programmangebote auswirken werden. Gleichzeitig geht es darum, die Stärken des MDR zu bewahren. Wir bitten um Verständnis, dass wir darüber zunächst mit den Gremien des MDR (Rundfunkrat, Verwaltungsrat) und mit den eigenen Mitarbeitenden sprechen."
Ähnlich äußerte man sich auch bereits am Mittwoch, als bekannt wurde, dass sich der MDR künftig die Sendung "MDR um Zwei" sparen wird. Auch hier ist die Belegschaft bereits informiert, im Hinblick auf die noch ausstehende Befassung des Rundfunkrats mit dem Thema will das Unternehmen das Aus aktuell aber noch nicht bestätigen. Gleichzeitig verwies der MDR auch in diesem Zusammenhang auf die Sparzwänge.
Durch die Ansiedlung der ARD-Ausgaben des "Mima" beim MDR in Leipzig machte der Senderverbund Ostdeutschland im Ersten deutlich sichtbarer. Ob das in der Form bei einer Produktion durch den NDR aufrechtzuerhalten wäre, ist fraglich. Dass nun ausgerechnet die ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags mitverantwortlich für das "Mima"-Aus in Leipzig ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Es waren allen voran die ostdeutschen Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt, die sich gegen die Erhöhung gestemmt haben. Dort wird auch immer besonders laut gefordert, ostdeutsche Perspektiven stärker im Ersten zu berücksichtigen.
Hinweis: Wir haben das Statement des NDR um 16:48 Uhr ergänzt.
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