Der Rundfunkrat des Saarländischen Rundfunks kommt am Montag zusammen, um den nächsten Intendanten des SR zu wählen - bzw. den aktuellen Amtsinhaber in seinem Amt zu bestätigen. Martin Grasmück ist derzeit noch bis zum 30. April 2027 gewählt, es geht nun also um die Zeit vom 1. Mai 2027 bis zum 30. April 2033. Dass Grasmück sein Amt gerne behalten würde, hatte er schon früh deutlich gemacht. Nach einer öffentlichen Ausschreibung waren aber sechs Bewerbungen eingegangen, nach einer Absage wurden vier Bewerber zu Gesprächen eingeladen. Letztlich wurde neben Grasmück durch die Findungs- und Wahlkommission aber nur ein weiterer zur Wahl vorgeschlagen: Peter Dinges.

Dinges steht seit über 20 Jahren an der Spitze der FFA, also der nationalen Filmförderung Deutschlands, von 2014 bis 2018 war er auch Präsident des europäischen Verbands der nationalen Filmförderungen, zuvor war er für Telepool und TeleTaunusFilm tätig. Dinges ist gebürtiger Saarbrücker, der Wechsel zum SR wäre also ein Wechsel in seine Heimat. Als SR-Intendant würde er allerdings erst im Rentenalter antreten: Dinges ist 1961 geboren. Auf sein Alter angesprochen, reagierte er im Interview mit der "Saarbrücker Zeitung" mit Humor: "Heute habe ich erst gelesen, wir sollen alle länger arbeiten. Na gut, dann mache ich mal den Anfang." Und weiter: "Ich glaube, es kommt darauf an, ob jemand Schaffenskraft mitbringt, Gestaltungswillen und Energie hat. Daran fehlt es mir nicht."

Kein konkreter Plan: Dinges will erstmal zuhören

Als seinen Pluspunkt sieht er, dass er eben nicht schon für den SR oder einen öffentlich-rechtlichen Sender tätig war. "Wenn der SR es ernst meint mit einem Strukturwandel, dann finde ich es fast schon logisch, dies auch über die Wahl des Intendanten nach außen zu zeigen", so Dinges. Dass er keine Erfahrung in Programmgestaltung habe, sieht er nicht als Problem - die sei im SR schließlich schon vorhanden. "Aufgabe eines Intendanten ist es, Richtung zu geben. Ich bin durch Krisen abgehärtet und durch einige Höhen und Tiefen mit der FFA gegangen. Diese Erfahrung kann ich einbringen", so Dinges.

Einen genauen Plan, was er beim SR ändern würde, bringt er allerdings nicht mit. Im Interview der "Saarbrücker Zeitung" betont er stattdessen, zunächst das Gespräch mit der Belegschaft suchen zu wollen. "Vorab zu sagen, dies ist meine Streichliste: Das werde ich nicht tun. Ich bin selbst Saarländer, und so etwas würde ich aus Berlin nicht hören wollen." Als SR-Intendant wolle er bei nötigen Sturkturreformen durch eine bessere Kommunikation die Belegschaft besser mitnehmen - Erfahrungen dazu bringe er gerade frisch von der FFA mit.

Grasmück zieht nach fünf Jahren zufrieden Bilanz

Martin Grasmück ist anders als Dinges hingegen ein SR-Eigengewächs. Schon sein Volontariat absolvierte er 1999/2000 beim SR. Vor seiner Wahl zum Intendanten im Jahr 2021 war er Hörfunkdirektor und Programmchef von SR1 und UnserDing. Auch er äußerte sich im Vorfeld in der "Saarbrücker Zeitung" und zog eine zufriedene Bilanz seiner ersten Amtszeit: "Ich kann wirklich guten Gewissens behaupten, dass ich die Dinge, die ich zu Beginn angekündigt auch umgesetzt habe." Dazu verweist er auf die Digital- und Markenstrategie und Projekte, die dabei helfen, mit weniger Ressourceneinsatz voranzukommen. 

Ein vom Verwaltungsrat in Auftrag gegebenes Gutachten stellte allerdings im Sender Ineffizienzen und siloartige Strukturen, die zu Schnittstellenproblemen, Doppelsteuerung und unklaren Zuständigkeiten geführt hätten fest - Dinge, die Grasmück nicht eingeführt, aber offenbar auch noch nicht abgestellt hat. Hier verweist er auf einen laufenden Prozess: "Natürlich hat der SR nach fast 70 Jahren eine gewachsene Organisationsstruktur. Mit unserer derzeit laufenden Orga-Reform stellen wir jetzt die Weichen neu", sagt er in der "Saarbrücker Zeitung". Betriebsbedingte Kündigungen wolle er aber möglichst vermeiden und verweist auf die 80 Renteneintritte bis 2030. "Natürlich wird nicht jede Stelle wegfallen, aber das gibt uns – wie bereits in der Vergangenheit sehr effektiv geschehen – weitere Möglichkeiten für Anpassungen."

Fusion mit dem SWR ist weiterhin kein Thema

Was weder für Grasmück noch für Dinges zur Debatte steht: Den Saarländischen Rundfunk als eine der kleinsten ARD-Anstalten mit dem deutlich größeren SWR zu fusionieren, um so Geld zu sparen. Der SR-Rundfunkrat hatte vorsichtshalber schon in seiner Ausschreibung klar gemacht, dass er nicht gedenkt, jemanden mit einem solchen Ansinnen zu unterstützen. Darin hieß es nämlich: "Wir suchen eine starke und authentische Persönlichkeit, die weiterhin einen erfolgreichen eigenständigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Saarland sicherstellt." Grasmück sagte auf dieses Thema angesprochen der "Saarbrücker Zeitung": "Angesichts der Geschichte dieses Landes ist es auch wichtig, dass der identitätsstiftende Faktor SR erhalten bleibt." Mit dem SWR arbeite man bereits sehr eng zusammen, das habe sich "in der Praxis hervorragend bewährt". Zu entscheiden hätte über eine Zusammenlegung aber ohnehin die Politik - und die stellt den SR ebenfalls weiter nicht in Frage.

Als Amtsinhaber geht Martin Grasmück als Favorit in die Wahl, allerdings sind die Hürden für eine direkte Wahl beim Saarländischen Rundfunk auch vergleichsweise hoch: Nötig ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen im Rundfunkrat. Kommt die in drei Wahlgängen nicht zustande, ist eine weitere Sitzung des Rundfunkrats nötig, die vorsichtshalber schonmal für den Dienstag anberaumt wurde. Auch dort ist in bis zu drei weiteren Wahlgängen eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig, ehe danach die einfache Mehrheit reicht. Beim letzten Mal setzte sich Martin Grasmück tatsächlich erst im siebten Wahlgang durch, damals trat allerdings auch niemand mit "Amtsbonus" an, weil Thomas Kleist nicht erneut zur Wahl stand.

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