Nachdem MFE im Oktober 2025 zunächst den gesamten Vorstand von ProSiebenSat.1 ausgetauscht hatte, folgte wenige Tage später auch der Geschäftsführerwechsel beim Vermarkter Seven.One Media. Nicola Lussana, bis dahin unter anderem Geschäftsführer der Mediaset-Vermarktungstochter Publitalia '80, hat seither das Sagen - und er hat die Rolle in einer bekanntlich schwierigen wirtschaftlichen Lage übernommen. 

Im Interview mit dem Branchenmagazin "Horizont" hat Lussana jetzt gesagt, dass ihm nach dem Wechsel nach Unterföhring auch das eigene Unternehmen überrascht hätte. "Nach den vielen Veränderungen in den vergangenen Jahren hätte man erwarten können, dass die Strukturen und Teams in der Vermarktung nicht so stabil sind. Tatsächlich habe ich eine sehr starke Mannschaft vorgefunden", so Lussana, der auch nochmal erklärt, wie man Synergien mit MFE heben will, ohne die nationalen Stärken zu vernachlässigen. 

Gleichzeitig räumt der neue Vermarktungschef von ProSiebenSat.1 ein, zuletzt "in Teilen vielleicht tatsächlich nicht immer nah genug dran" gewesen zu sein an den Werbungtreibenden. Das sei aber eine grundsätzliche Entwicklung des Marktes gewesen und habe nicht nur Seven.One Media betroffen. "Über viele Jahre haben sich Prozesse stärker institutionalisiert, die Rolle der Agenturen hat zugenommen, der direkte Austausch mit den Werbungtreibenden hat teils abgenommen." Gleichzeitig hätten die Plattformen den direkten Zugang zu Kunden intensiviert. 

Deshalb setze man auch bei Seven.One Media wieder bewusst auf mehr direkte Nähe. "Mehr Gespräche, mehr Präsenz, mehr Austausch – und zwar auf allen Ebenen." Er selbst verbringe einen großen Teil seiner Zeit bei Kunden, sagt Lussana. "Das ist vielleicht kein revolutionärer Ansatz – aber ein sehr wirksamer. Es geht nicht nur darum, Produkte zu verkaufen. Es geht darum, Probleme zu verstehen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und früh in strategische Überlegungen eingebunden zu sein."

Es gehe dabei jedoch nicht darum, Agenturen zu umgehen, sagt Nicola Lussana im "Horizont"-Interview weiter. Diese seien "zentraler Bestandteil des Marktes". Aber am Ende seien es eben die Kunden, die die Entscheidungen treffen würden. "Deshalb ist es wichtig, dass wir auch mit ihnen selbst intensiver sprechen." Darüber hinaus wolle man künftig verstärkt kleinere bis mittlere Unternehmen ansprechen, die heute noch große Teile ihrer Budgets bei Plattformen investieren würden.

Lussana erklärt in dem Interview auch noch einmal, dass Joyn ein Ausspielweg wie andere auch sei - also nicht mehr über allem steht wie zuletzt unter dem alten Vorstand. Gleichzeitig betont der Vermarktungschef von ProSiebenSat.1 den strategischen Unterschied zu RTL+, das eher auf ein SVoD-Modell setzt. Lussana: "Wenn ein Geschäftsmodell stärker auf Abonnements basiert, verliert Werbung zwangsläufig an Bedeutung."

Und auch zum vieldiskutierten Hardcut auf ein TKP-Modell hat sich Lussana gegenüber "Horizont" geäußert. Zur Erinnerung: Die Ad Alliance wollte 2028 die TV-Werbung auf völlig neue Beine stellen und nur noch eine Buchung nach TKP anbieten - davon ist man nach Gegenwind aus dem Markt inzwischen wieder abgerückt (DWDL.de berichtete). 

Und auch bei Seven.One Media geht es in die Richtung der Co-Existenz des TKP- sowie des Spot-by-Spot-Modells. Das Feedback des Marktes sei bei dem Thema klar gewesen: "Für alle Marktteilnehmer wäre unter den aktuellen Marktbedingungen eine grundlegende Umstellung des Vermarktungsmodells für die Gattung TV nachteilig." Man setze daher nicht auf einen fixen Umschalttermin, sondern auf eine "evolutionäre und langfristige Transformation".