Wer am Freitag früh aufgestanden ist, um das Spiel zwischen der Schweiz und Algerien im ZDF zu verfolgen, wurde Zeuge einer kuriosen Kritik an der weiter zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs. Als während der zweiten Halbzeit die seit diesem Turnier völlig unabhängig vom Wetter obligatorische Trinkpause anstand, zeigte das ZDF wie üblich einen Werbeblock, in dem zunächst Spots von Mediamarkt und Tipico zu sehen waren.
Dann folgte allerdings ein Clip, der völlig aus dem Rahmen fiel: Zu sehen war ein wackeliges Hochkant-Video, in dem ein Mann mit großer Brille, Oberlippenbart und nach hinten gegelten Haaren das „sehr geehrte ZDF-Publikum“ von der Rückbank eines Autos aus direkt ansprach und schnell zum Punkt kommen wollte, denn: „Ick hab nur 15 Sekunden, diese Spots sind arschteuer“.
Was er vorzubringen hatte, klang dann so: „Liebe Grüße an die Fifa, WM wird jedes Jahr besser. Diese Werbepau.., äh, Trinkpausen auch super für die Wirtschaf…, äh, fürn Sport.“ Am Ende des Spots hält er noch kurz eine Getränkedose mit „KnabeMix“ in die Kamera – seine Aufforderung „kauft mal bitte“ wird aber rüde von den Mainzelmännchen unterbrochen, weil die 15 Sekunden an dieser Stelle auch schon wieder vorbei waren.
Hinter der Aktion steckt der vor allem als Twitch-Streamer HandOfBlood bekannt gewordene Maximilian Knabe, der über sein Management erklären ließ, dass er den Spot mit seiner Getränkemarke Knabe Drinks finanziert habe. Knabe sei demnach großer Fußballfan, boykottiere diese WM aber ebenso wie die vorherige, weil er enttäuscht sei, dass Menschenrechte und demokratische Grundprinzipien an Bedeutung verlören, während wirtschaftliche Aspekte immer wichtiger würden.
Knabe war im Spot in seiner Rolle des „Präsident Knabe“ zu sehen, fiktiver Präsident von Eintracht Spandau. In dieser Rolle hat er auch früher schon Klischees über Sportfunktionäre und Strukturen des Sports satirisch thematisiert. Für den Trinkpausen-Spott im ZDF war Knabe unterdessen bereit, tief in die Tasche zu greifen. Der "Spiegel" berichtet, dass er die Kosten mit einem "niedrigen bis mittleren fünfstelligen Betrag" beziffert habe.
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