Im November vergangenen Jahres bestätigte man erstmals Interesse, vor eineinhalb Wochen gab es dann Berichte über eine Einigung, nun ist sie auch offiziell: Die zum Comcast-Konzern gehörende Tochter Sky hat in Großbritannien die Übernahme von ITV Media & Entertainment angekündigt, das in diesem Zusammenhang mit bis zu 1,6 Milliarden Pfund bewertet wird, umgerechnet also 1,87 Milliarden Euro. Davon sollen 1,2 Milliarden in Cash fließen, 0,2 Milliarden sind eine Earn-Out-Komponente, die von der Geschäftsfentwicklung abhängt.

Die restliche Lücke wird durch einen Verkauf der Produktionsfirma Love Productions, die bislang mehrheitlich Sky gehört, an ITV Studios gefüllt - denn das Produktionsgeschäft von ITV ist nicht Teil dieser Übernahme und wächst durch den Deal somit sogar nochmal. Größter Erfolg von Love Productions ist "The Great British Bake-Off" mit seinen Ablegern, auch hinter "The Piano" oder "The Great Pottery Throw Down" steht die Produktionsfirma. Sky hat zudem angekündigt bei Abschluss der Transaktion einen 2,1 Milliarden Pfund schweren Produktions-Deal über die nächsten fünf Jahre mit ITV Studios zu schließen.

Sky würde zusätzlich zu seinen bisherigen Standbeinen u.a. im Pay-TV mit der ITV-Übernahme mit einem Mal auch zum führenden Anbieter im Free-TV und obendrein sein Streaming-Geschäft weiter stärken - es steckt also im Wesentlichen die gleiche Logik hinter dieser Transaktion, die auch RTL Deutschland mit der Sky-Übernahme hierzulande verfolgt hat. "Der britische Medienmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden und raschen Wandel. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs um das Publikum ist Größe wichtiger denn je, um sich im Vereinigten Königreich gegen globale Streaming-Giganten und YouTube behaupten zu können", heißt es in der Sky-Mitteilung zur Begründung. "Die Vielfalt der Einnahmequellen des fusionierten Unternehmens schafft ein widerstandsfähiges und zukunftsfähiges Geschäftsmodell, das die Basis für langfristigen Erfolg bildet." Nach dem Zusammenschluss hätte Sky/ITV rund 20 Prozent Marktanteil bei der gesamten häuslichen TV-Nutzung und läge hinter der BBC und vor YouTube auf Platz 2, heißt es in der Mitteilung.

Nicht nur die Konzentration im Werbemarkt wirft Fragen auf

Dass der RTL/Sky-Deal letztlich ohne Auflagen von der EU-Kommission genehmigt wurde, dürfte auch bei Sky in Großbritannien die Hoffnung schüren, die kartellrechtlichen Genehmigungen einholen zu können, auch wenn die EU hier natürlich nicht zuständig ist. Allerdings stellen sich die Fragen im Vereinigten Königreich verschärfter Form: So ist Sky in Großbritannien deutlich stärker aufgestellt als Sky in Deutschland - und im Free-TV ist die Position von ITV erheblich dominanter als die von RTL in Deutschland, das mit ProSiebenSat.1 seit jeher einen starken Wettbewerber hat. Auf Sky und ITV entfallen in Summe über 70 Prozent des gesamten TV-Werbemarkts. Bis vor Kurzem wäre grünes Licht der Kartellwächter hier kaum denkbar gewesen - angesichts des rasanten Wandels und der Verschiebung der Werbebudgets hin zu Tech-Plattformen dürfte man aber bei Comcast und ITV darauf hoffen, dass der TV-Werbemarkt nicht isoliert betrachtet wird.

Und auch mit Blick aufs journalistische Angebot wirft der Zusammenschluss mehr Fragen auf: So ist nicht nur Sky mit seinem Nachrichtensender Sky News und ITV selbst relevante Größen, Sky wird auch 20-prozentiger Gesellschafter von ITN, das Magazine wie "Good Morning Britain" und Nachrichten nicht nur für ITV, sondern obendrein auch für Channel 4 und Channel 5 produziert. Sky beteuert unterdessen, dass ITV News und Sky News "weiterhin eigenständige redaktionelle Stimmen bleiben" werden. Auch würden die ITV-Sender weiter im Free-TV und ITVX kostenfrei bleiben. Und noch eine Ankündigung klingt übrigens genauso wie bei RTL: Man verspricht nach dem Zusammenschluss mehr Sport im Free-TV als je zuvor.

Dana Strong, CEO der Sky Group, spricht von einem "entscheidenden Moment für die britische Medienlandschaft" und einer Gelegenheit, eine "stärkere Zukunft für zwei der beliebtesten und vertrauenswürdigsten Marken" des Landes zu gestalten. "Die Zusammenführung von Sky und ITV Media & Entertainment vereint das Beste aus Free-TV, Pay-TV und Streaming. So stellen wir sicher, dass die Zuschauer im Vereinigten Königreich auch in einer sich rasant wandelnden Welt weiterhin herausragende britische Programme genießen können. ITV wird auch künftig ein öffentlich-rechtlicher Sender im Herzen des britischen Lebens bleiben, und wir freuen uns auf die gemeinsame Zukunft, die wir gestalten können."

ITV-Chefin Carolyn McCall sieht in der Transaktion einen "klaren, greifbaren Mehrwert für die Aktionäre": "Gleichzeitig stellt das kombinierte Unternehmen aus ITV M&E und Sky durch die von Sky eingegangenen Verpflichtungen sicher, dass all das erhalten bleibt, was unsere Zuschauer und Werbekunden an ITV lieben und schätzen und worauf unsere Mitarbeiter enorm stolz sind: Programme, die die Gesellschaft widerspiegeln und prägen; Angebote, die Menschen für gemeinsame Erlebnisse zusammenbringen; sowie Qualität, Vielfalt und Pluralität – die Markenzeichen unseres Beitrags zur britischen Kreativwirtschaft." Alle öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen von ITV einschließlich der regionalen und nationalen Nachrichtenberichterstattung seien durch die Lizenzbedingungen bis 2034 abgesichert. "Ich bin zuversichtlich, dass Sky ein starker und verantwortungsbewusster Hüter von ITV M&E sein wird – ein Unternehmen, das auf der Tradition von ITV aufbaut, in dessen Zukunft investiert und jene Qualitäten bewahrt, für die ITV bei Zuschauern, Werbekunden und der britischen Kreativwirtschaft so geschätzt wird."