Nach dem Wirbel um die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der Jubiläumsausgabe der Kabarettshow "Die Anstalt" hat sich erstmals ZDF-Intendant Norbert Himmler zu Wort gemeldet. In der "Süddeutschen Zeitung" verteidigte er das Vorgehen des Senders, äußerte sich mit Blick auf die kurzfristig erfolgte Ausladung der beiden Künstler aber selbstkritisch. "Ja, die Kurzfristigkeit der Ausladung müssen wir uns vorwerfen lassen", erklärte Himmler. "Wir hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen, am besten schon vor der eigentlichen Einladung."

Gleichzeitig widersprach der Intendant dem von Danger Dan und Igor Levit via Instagram geäußerten Vorwurf, wonach das Justitiariat des Senders den Text ihres umstrittenen Lieds "Keine Angst" zunächst durchgewunken habe. "Diese Darstellung ist schlicht falsch. Das Justitiariat hat die Entstehung der Sendung begleitet und frühzeitig und eindeutig davor gewarnt, das Lied ununterbrochen bzw. unwidersprochen auf der Bühne zu inszenieren", so Norbert Himmler in der "SZ". Bis zuletzt habe die Redaktion "in enger Absprache" mit den Gastgebern Maike Kühle, Max Uthoff und Claus von Wagner versucht, "den Auftritt so zu gestalten und einzuordnen, dass er vertretbar gewesen wäre", betonte der ZDF-Intendant. "Auf der Zielgeraden wurde dann, auf der Grundlage der Hinweise des Justitiariats, die Geschäftsleitung eingebunden." Die Beratung habe schließlich ergeben, "dass das Dilemma im Format 'Die Anstalt' nicht zu lösen war".

In der "Süddeutschen Zeitung" zeigte sich Norbert Himmler zugleich davon überzeugt, dass man es bei dem Lied "unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun habe", der in "'freundliche Grüße' an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter mündet. Spätestens bei der letzten Strophe ist klar, dass es keine zweite Ebene, dass es keine Ironie, keine Konjunktive gibt, auf die man sich zurückziehen könnte", so der Intendant. Es habe sich herauskristallisiert, dass in dem Auftritt "illegale Aktionen und Gewalt denkbare Optionen zu sein scheinen", die in dieser Form nicht mit den Richtlinien des ZDF zu vereinbaren seien. 

Himmler stellte zugleich klar, dass das ZDF seine Programm-Entscheidungen unabhängig und souverän treffe. "Uns redet niemand in unsere Arbeit rein und das ist auch gut so", betonte er. "Dafür sind wir staatsfern und unabhängig finanziert. Was das ZDF soll, was es darf und was es nicht darf, steht in unseren Programm-Richtlinien."

Die "Anstalt"-Geber Maike Kühl, Claus von Wagner und Max Uthoff hatten am Wochenende im DWDL.de-Interview betont, sie seien nach der Entscheidung des ZDF "fassungslos", "ungläubig" und "wütend" gewesen. "Das war vor allem unprofessionell. Das ZDF hatte lange genug Zeit, sich den Text anzuschauen", sagte von Wagner. Weil der Song eine Anleitung zum Widerstand gegen rechtsextreme Strukturen und Zeilen enthalte, "die zur Diskussion einladen, wollten wir genau das machen". Nach dem Song habe man über diese Zeilen reden wollen, "im Rahmen des geschützten Raums einer Bühne eine Diskussion führen, wie weit Kunstfreiheit reicht und wo vielleicht eine Grenze durch die Lyrics des Songs überschritten wurde", erkläre Kühl. "Das alles hat das ZDF nicht gewollt und den Künstler eigenständig, gegen unseren Protest, wieder ausgeladen." Alles weitere könne man in der Sendung selbst sehen.

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