Gerade einmal einen Monat ist es her, dass Burda Media und Jan Wachtel - erst zu Jahresbeginn als CEO gekommen - getrennte Wege gingen (DWDL.de berichtete) und Elisabeth Varn, bis dato Co-CEO des BurdaVerlags, die Führung übernahm. Schon kurz nach Amtsantritt verordnete Varn dem Bambi eine Pause. Und nun steht Burda Media gar vor einer Neuaufstellung. Von einer "umfassenden Transformation" ist in einer am Donnerstag versendeten Pressemitteilung die Rede, in deren Zuge das Unternehmen "auf die Anforderungen einer zunehmend von Künstlicher Intelligenz geprägten Medienwelt" ausgerichtet werden soll.

Konkret soll Burda Media in den kommenden zwölf bis 18 Monaten "schlanker, agiler und schlagkräftiger" werden. Die organisatorischen Veränderungen betreffen dabei sowohl das deutsche Publishing-Geschäft als auch die internationalen Gesellschaften sowie dazugehörigen Support-Funktionen. 

Im deutschen Publishing-Geschäft führt Burda Media unter Varns Führung den BurdaVerlag und die BurdaForward zusammen. Erklärtes Ziel ist "ein integriertes Medienhaus, in dem Marken aus einer Hand geführt, Silos abgebaut und Kompetenzen gebündelt werden". Die Markenwelten umfassen unter anderem die Bereiche "Focus", "Lifestyle", "Women & Entertainment" sowie "Screens". Im Bereich "Focus" sollen das Magazin, Online und "Focus Plus" gebündelt werden, während die gedruckte "Bunte" und "Bunte.de" im Lifestyle-Bereich zusammengeführt werden, wo auch Marken wie "Instyle" oder "Freundin" beheimatet sind. "Women & Entertainment" umfasst alle Weeklys und unterhaltenden Frauenzeitschriften wie "Superillu" und "Guter Rat", während im "Screens"-Bereich die Programm-Medien wie "Cinema" und "TV Spielfilm" gebündelt werden sollen.

Gleichzeitig sollen auch zentrale Führungsrollen neu geschaffen oder unternehmensübergreifend gebündelt werden. Stefan Ottlitz etwa - zuletzt Geschäftsführer beim "Spiegel" - übernimmt ab sofort die Funktion des Chief Digital Officers und die Markenverantwortung für "Focus". Er wird Geschäftsführer von BurdaForward und BurdaVerlag Publishing und soll die "Focus"-Angebote aus einer Hand führen. Manuela Kampp-Wirtz wiederum verantwortet den Lifestyle-Bereich, während Sven Dams als Chief Product Officer übergreifend die Verantworzung für die synergetische Produktion der Print-Produkte sowie die Markenwelten "Women & Entertainment", "Screens", "Garden & Living" und "Food" übernimmt. Thomas Koelzer wird übergreifender Chief Technology Officer und bleibt zugleich für die "Chip"-Markenwelt verantwortlich. Als Chief AI Officer wiederum soll Rebecca Gottwald Voraussetzungen schaffen, die Potenziale im KI-Bereich konsequent zu nutzen. Außerdem wechselt Wiebke Meeder zum 1. Oktober als Chief Revenue Officer von der Handelsblatt Media Group zu Burda Media und Florian Buck, bislang CFO des BurdaVerlags, übernimmt als CFO die übergreifende Verantwortung für die Finance-Funktion.

"Klarheit und enge Zusammenarbeit"  

Im Zuge der Neuordnung verlassen BurdaForward-Geschäftsführer Daniel Steil sowie aus dem BurdaVerlag Chief Digital Officer Martin Weese, Brand Director News Matthias Frei und Chief Product Officer Lifestyle Elfi Langefeld das Unternehmen. Geschäftsführer von BurdaVerlag Publishing werden neben Elisabeth Varn und Manuela Kampp-Wirtz sowie Stefan Ottlitz zudem Sven Dams und Thomas Koelzer, der auch Geschäftsführer von BurdaForward bleibt.  

Lydia Rullkötter © Burda / Toska Kelmendi Lydia Rullkötter
"Wir richten Burda Media konsequent entlang der Fähigkeiten aus, die in Zukunft den Unterschied machen", sagte Elisabeth Varn. "Damit schaffen wir die Grundlage, unsere wirtschaftliche Stärke langfristig zu sichern und wieder mehr Raum für Innovationen und nachhaltiges Wachstum zu gewinnen." Im neuen Führungsteam für Burda Media bündele man "alle Kompetenzen, die wir für unseren Neustart brauchen", zeigte sie sich überzeugt. Und CFO Lydia Rullkötter erklärte: "Gerade in Zeiten der Transformation brauchen wir Klarheit und enge Zusammenarbeit. Deshalb müssen wir unsere Support-Funktionen noch stringenter an den Bedürfnissen der operativen Geschäfte ausrichten und konsequent verschlanken."

Auch die Steuerung der internationalen Medienaktivitäten soll neu ausgerichtet werden. So setzt Burda Media künftig stärker auf unternehmerische Verantwortung in den einzelnen Ländern, lokale Weiterentwicklung und marktnähere Entscheidungen. In diesem Zusammenhang stellt die Burda International Holding ihre länderübergreifenden strategischen und operativen Aktivitäten ein und wird künftig als reine Finanzholding geführt, deren alleinige Geschäftsführung Marie Stephan übernimmt.