Das ZDF hat die scharfe Kritik der Deutschen Bahn an der in dieser Woche ausgestrahlten Dokumentation "Unsere Bahn: Geliebt, verflucht - und gefährlich?", die der öffentlich-rechtliche Sender am Dienstagabend im Rahmen der Reihe "Am Puls mit Dunja Hayali" ausstrahlte, zurückgewiesen. Die Dokumentation sei "journalistisch sorgfältig recherchiert und bildet verschiedene Perspektiven umfassend ab", erklärte der Sender und verwies darauf, dass zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem Film ihre Erfahrungen schildern und auch Vorstandschefin Evelyn Palla "ausführlich Gelegenheit zur Stellungnahme" erhalten habe.
Gleichwohl hat das ZDF nach der linearen Ausstrahlung noch Veränderungen vorgenommen. So sei in der nun im ZDF-Streaming abrufbaren Version etwa eine Zahlenangabe zu digitalen Stellwerken überarbeitet worden, nachdem das ZDF eine konkrete Aussage der Bahn "trotz vorheriger Nachfrage erst nach der ersten Onlinestellung des Films" erhalten habe.
Die Bahn hatte den Film zuvor als unseriös bezeichnet, der "in weiten Teilen rein auf Behauptungen und Meinungen" basiere und "entscheidende Fakten" bewusst ausklammere. "43 Minuten lang wird einseitig die angebliche Realität der Deutschen Bahn gezeigt: jede Schwäche, keinen Fortschritt. Jedes Problem, keine Lösung. Die Leistungen der Mitarbeitenden im Bahnbetrieb – in keiner Weise gewürdigt. So entsteht keine sachliche Aufbereitung, sondern ein Zerrbild für die Zuschauenden", kritisierte die Deutsche Bahn.
Am deutlichsten werde dies im erwähnten Pünktlichkeitsvergleich zwischen der Bahn in Deutschland und jener in Belgien. "Hier werden Kirschen mit Kürbissen verglichen", so die Bahn. "Der ehrliche, direkte Vergleich - nämlich den Personenverkehr gesamt betrachtet - zeigt: Die DB fährt auf annähernd gleich hohem Niveau, im Jahr 2025 lag der Wert bei 88,0 Prozent. Diesen Vergleich bleibe der Film, den die Bahn als "in hohem Maße unseriös" bezeichnet, schuldig, hieß es. Der Belgien-Vergleich des Films ist in hohem Maße unseriös. Auch hier hat das ZDF inzwischen nachgebessert. Der Sender teilte am Freitag mit, man habe "klarstellend" im Titel einer Grafik zur Bahnpünktlichkeit in Belgien das Wort "Fernverkehr" in "Personenverkehr" geändert, da sich die Passage auf das gesamte belgische Streckennetz beziehe. Dies sei im Streamingportal und auf "ZDFheute" transparent gemacht worden.
Die Bahn wirft dem ZDF darüber hinaus unter anderem vor, Fortschritte bei der Sanierung der deutschen Schieneninfrastruktur zu verschweigen. Die Behauptung, die Deutsche Bahn verfüge über kein einziges digitales Stellwerk, sei "faktisch falsch", schließlich sei bereits 2018 das erste digitale Stellwerk in Annaberg-Buchholz in Betrieb genommen worden. Mit Blick auf das im Film thematisierte Zugunglück von Burgrain von 2022 wirft die Bahn dem ZDF außerdem vor, "entscheidende Informationen" weggelassen zu haben. Zu diesen Vorwürfen äußerte sich der Sender am Freitag nicht. Stattdessen heißt es: "Die aktuell im ZDF-Streaming abrufbare Fassung weist keine inhaltlichen Mängel auf."
Es ist indes nicht der erste Streit zwischen der Deutschen Bahn und dem ZDF. Schon eine sogenannte "Insider"-Reportage aus dem Jahr 2024 war von der Bahn als "oberflächlich, irreführend und unfair" bezeichnet worden. Damals musste das ZDF nach der Ausstrahlung an mehreren Stellen Änderungen vornehmen (DWDL.de berichtete).
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