Im Frühjahr hatte RTL Deutschland eine große KI-Offensive in Aussicht gestellt. Damals kündigte man nicht nur an, hinter den Kulissen verstärkt auch auf KI setzen zu wollen, sondern auch im Programm. Ein erstes Ergebnis gibt es in der kommenden Woche zu sehen: Ab dem 7. September zeigt RTL von Montag bis Freitag ab 15:55 Uhr jeweils eine neue Folge von "Ulrich Wetzel - Das Strafgericht". Das besondere dabei ist die Tatsache, dass es sich um alte Folgen handelt, die mithilfe von KI so verändert wurden, dass gänzlich neue Storylines entstanden sind.
Umgesetzt hat RTL das KI-"Strafgericht" zusammen mit der zuständigen Produktionsfirma Constantin Entertainment. Der Sender hat nun weitere Details zum Projekt bekannt gegeben - und die klingen spektakulär. So seien Figuren, Handlungsverläufe und auch Urteile auf Basis der bereits produzierter Episoden neu entwickelt worden. Zum Einsatz kamen dabei nach RTL-Angaben unter anderem Verfahren für Bildbearbeitung, Sprachsynthese und Lipsync-Anpassungen.
Im Ergebnis stehen gravierende Veränderungen der einzelnen Folgen. So wird aus einer freigesprochenen Angeklagten eine verurteilte Täterin, aus einem Mutter-Sohn-Verhältnis ein Geschwisterverhältnis, oder ein anderer Täter gesteht die Tat und verändert damit das Urteil. In einer Folge wechselt ein kompletter Gender-Swap der Hauptfigur die Perspektive auf die gesamte Geschichte. RTL betont, dass jede Folge redaktionell verantwortet und juristisch geprüft wurde.
© RTL/Constantin Entertainment
Die KI macht aus dem 38-jährigen Angeklagten einen 68 Jahre alten Mann. Auch das Urteil hat sich in diesem Fall grundlegend geändert.
Durch die mithilfe von KI veränderten Folgen ergeben sich eine Reihe von (rechtlichen) Fragen, eine davon beantwortet RTL an diesem Mittwoch in einer Pressemitteilung. So erklärt der Sender, dass man die notwendigen Rechte mit den beteiligten Personen geklärt habe. Generell betont der Sender, dass die Themen redaktionelle Verantwortung, Rechteklärung und Qualitätskontrolle weiterhin im Verantwortungsbereich von Menschen liegen.
"Ein erster aufgeschlossener Schritt"
Inga Leschek, Chief Content Officer RTL Deutschland, sagt zum KI-Experiment rund um das "Strafgericht": "Erstmals zeigen wir im täglichen Grid, was generative KI heute schon leisten kann und was sie für die Zukunft des Erzählens bedeutet. Mit ‚Das Strafgericht' gehen wir bewusst einen ersten aufgeschlossenen Schritt und machen die Möglichkeiten von KI für unser Publikum direkt erlebbar. Zugleich sehen wir ganz klar: Gute Geschichten entstehen auch künftig durch Ideen, Erfahrung und redaktionelle Verantwortung. Technologie erweitert unsere kreativen Werkzeuge. Das Ziel ist damit künftig schneller und effizienter Inhalte umzusetzen und für Streaming und Broadcast zu veröffentlichen."
Es entsteht etwas zwischen neuer Folge und Wiederholung. Und wir stehen erst am Beginn der Möglichkeiten dieser neuen Technologie.
Max Orgonyi, Chief Transformation & AI Officer RTL Deutschland
Max Orgonyi, Chief Transformation & AI Officer RTL Deutschland, ergänzt: "Wir als RTL haben das Ziel, führend im Einsatz von KI in der Medienbranche zu sein. Bis 2030 werden wir über 150 Millionen Euro Wert mit KI generieren. Dabei entstehen neue Geschäftsmodelle – sowohl für uns als Broadcaster und Streamer als auch für Kreative und Produktionspartner. Der Pilot mit Constantin Entertainment ist ein tolles Beispiel: Es entsteht etwas zwischen neuer Folge und Wiederholung. Und wir stehen erst am Beginn der Möglichkeiten dieser neuen Technologie."
Und Otto Steiner, Geschäftsführer Constantin Entertainment, sagt, dass man mit den fünf Folgen "technisches und kreatives Neuland" betreten habe. "Aus einer bestehenden Folge eine völlig neue Geschichte zu entwickeln mit neuen Figuren, neuen Wendungen, teilweise sogar einem kompletten Gender-Swap der Hauptfigur ist ein Meilenstein für die Produktionsbranche. Gleichzeitig haben wir viel darüber gelernt, wie sich Qualität, kreative Idee und neue Technologie am besten miteinander verbinden lassen. Wir sind stolz, mit RTL Deutschland diesen Schritt als Erste gegangen zu sein."
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