Es gibt nicht mehr allzu viele der berühmten "Lagerfeuer", die das Fernsehen heutzutage noch schafft. Momente, in denen Millionen Menschen zur gleichen Zeit das gleiche Programm schauen und sich dadurch auch im Nachgang oder noch währenddessen darüber austauschen können. Der "Tatort" schafft das noch: Für Millionen ist es ein Ritual, sonntags um 20:15 Uhr Das Erste einzuschalten und sich den neuesten Krimi der Reihe anzuschauen. Anders als bei einem Großteil anderer nicht live gesendeter Programme verzichtete die ARD dabei bislang auch bewusst darauf, den "Tatort" vorab in die Mediathek zu stellen, der Fokus lag auf dem Platz am Sonntagabend um 20:15 Uhr.
Doch nun ändert die ARD diesbezüglich ihre Strategie ein Stück weit: Mit Beginn der neuen Herbstsaison am 13. September wird es sowohl den "Tatort" als auch den "Polizeiruf 110" schon zwei Tage vorab in der ARD-Mediathek zum Abruf geben. Während die lineare Ausstrahlung am Sonntag um 20:15 Uhr unverändert bleibt, können Ungeduldige also bereits ab Freitag auf den neuesten Krimi zugreifen - hier startet der "Tatort"-Herbst somit bereits am 11. September.
Spannend ist dabei auch ein Detail: Anders als die meisten anderen Inhalte wird der "Tatort" nur für all jene verfügbar sein, die sich in der ARD-Mediathek registriert haben. Die ARD-Mediathek ist als öffentlich-rechtliches Angebot zwar natürlich auch dann kostenfrei, trotzdem gehört es schon seit Längerem zu den Zielen, den Anteil der eingeloggten Nutzerinnen und Nutzer zu erhöhen. Diesen kann man dann ein besser personalisiertes Angebot, auch über mehrere Endgeräte hinweg machen - ein Manko, das man sonst ohne Login im Vergleich zu privaten, kostenpflichtigen Konkurrenten wie Netflix und Co. hat. Auch die Altersprüfung ist nur nach Registrierung möglich. Ohne diese lassen sich viele Inhalte auch im Streaming nur zu bestimmten Zeiten abrufen.
© ARD/Laurence Chaperon
Christine Strobl
Mit dem zusätzlichen Angebot hofft sie stattdessen auf zusätzliche Reichweite und sieht es als Experiment: "Wir müssen anerkennen, dass sich die Welt um uns trotzdem weiterdreht. Jüngere Menschen haben ein anderes Nutzungsverhalten als ältere. Deshalb gehen wir diesen Schritt, um herauszufinden: Erschließen wir uns neue Zielgruppen, wenn wir den Tatort vorab in die ARD-Mediathek reinstellen? Da bin ich gespannt", so Strobl.
Schon heute generiere man beim "Tatort" etwa zehn Prozent zusätzliche Reichweite aus Abrufen in der Mediathek - nur bislang eben im Nachgang zur TV-Ausstrahlung, so Strobl. Nun gilt es also zu beobachten, ob die Streaming-Zahlen durch die Vorabpremiere wirklich steigen, ob die linearen Reichweiten sinken - und ob ggf. der erste den zweiten Effekt übertriff. Dauerhaft in Stein gemeißelt sind die Veränderungen ohnehin nicht. Strobl: "Unser Ziel ist das bestmögliche Angebot für unser Publikum. Dafür müssen wir beweglich bleiben, Dinge weiterentwickeln und auch bereit sein, einen eingeschlagenen Weg wieder zu verändern, wenn ein anderer besser ist."
Der "Tatort" ist unterdessen nicht der einzige Versuch, mehr Nutzerinnen und Nutzer zu einer Registrierung in der ARD-Mediathek und zum Login zu bewegen. Die ersten vier Folgen der finalen Staffel von "Babylon Berlin" stehen ab dem 10. September frei verfügbar in der ARD-Mediathek bereit, die Folgen 5 bis 8 hingegen gibt es zu diesem Zeitpunkt nur nach einem Login. Ohne Login werden diese online erst ab dem 19. September zu sehen sein, im Nachgang der linearen Ausstrahlung der ersten vier Folgen im Ersten.
Christine Strobl gibt sich nicht nur in Sachen "Tatort" experimentierfreudig. Grund genug für ein ausführliches Porträt: Senta Krassers ganze "Nahaufnahme" der ARD-Programmdirektorin erscheint am 19. September - ganz ohne Registrierung und kostenfrei bei DWDL.de
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