Bei LinkedIn hat Christian Rohde die Veränderung schon eingetragen, auf der offiziellen UFA-Website ist sie noch nicht zu lesen. Elf Monate, nachdem ihn UFA-CEO Sascha Schwingel zum zweiten Holding-Geschäftsführer mit dem etwas ungelenken Titel "Chief of Staff and Transformation Officer" gemacht hatte, firmiert er seit Neuestem als "Chief Transformation & AI Officer". Das ist mehr als eine kosmetische Korrektur. Tatsächlich hat Rohde seine Tätigkeit für das im Umbruch befindliche Traditionshaus in Teilen neu ausgerichtet. Als Chief of Staff ist Schwingels Referentin Sophie Bohle nachgerückt.

In den letzten Monaten hat Rohde viel Zeit damit verbracht, der UFA eine umfassende Strategie im Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu verpassen und entsprechende Strukturen einzuziehen. Drei verschiedene Ebenen sind jetzt mit dem Megathema betraut: Das sogenannte AI Board – bestehend aus allen Geschäftsführern der Gruppe sowie den Daily-Soap-Produzenten Katja Bäuerle und Guido Reinhardt – trifft die grundlegenden strategischen Entscheidungen. Ein AI-Team – bestehend aus Mitarbeitern aller UFA-Töchter – sorgt dafür, dass Tools und Lösungen, die an einer Stelle erprobt wurden, der gesamten Belegschaft zur Verfügung gestellt werden. Und jede Tochterfirma hat sogenannte AI Implementation Manager eingestellt, die sich um die Umsetzung im operativen Betrieb kümmern. "KI ist kein Selbstzweck und auch kein Geschäftsmodell", sagt Rohde im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de. "Sie hilft uns dabei, Prozesse zu vereinfachen, Teams zu entlasten und kreative Spielräume zu erweitern." 

UFA Nova AI © UFA Chatbot mit Spaßfaktor: So werden UFA-Mitarbeiter von Nova begrüßt
Die spürbarste Veränderung für alle UFA-Mitarbeiter dürfte die Einführung von "UFA Nova AI" gewesen sein – ein inhouse entwickelter Chatbot, der Enterprise-Versionen gängiger KI-Tools wie ChatGPT, Gemini, DeepL oder Bildgeneratoren gruppenweit zugänglich macht. Mit den Anbietern wird verbrauchsabhängig abgerechnet – das ist dem Vernehmen nach kostengünstiger als die rund 80 ChatGPT-Lizenzen, die sich zuvor in der UFA angesammelt hatten. "Wir haben UFA Nova AI so entwickelt, dass wir damit in erster Linie kein technisches Thema, sondern eine Kulturfrage adressieren", sagt Rohde. "Für alle Mitarbeitenden soll die Nutzung im Alltag möglichst nahtlos und einladend sein. Denn echte Transformation gelingt nur, wenn jeder im Haus denselben Zugang hat und wir organisationsweit lernen." Nova ermöglicht simultane Gruppenchats zwischen der KI und Kollegen, zeigt auf Knopfdruck den Copyright-Status von Fotos und erlaubt aufgrund der Enterprise-Umgebung auch das Hochladen von Kalkulationen oder Drehbüchern. Der niedliche Roboter namens Nova sorgt als Maskottchen für den Spaßfaktor. 

In Entwicklung ist zudem eine Profi-Variante namens "UFA Nova Creative Suite", die künftig für kreative und produzierende Mitarbeiter auf Projektbasis generative Video-, Bild- und Sound-Tools wie Runway, Flux AI oder Eleven Labs bündeln soll. Rohde findet, dass KI aus Sicht des traditionellen Produktionsgeschäfts vor allem dann ein Risiko sei, wenn man abwarte, "bis andere die Spielregeln verändern". Integriere man die Technologie hingegen früh in reale Produktionsabläufe, werde sie "durchaus zum Möglichmacher für aufwendigere Stories und nicht zuletzt für Qualität und Effizienz".

Ob man als Produzent will oder nicht: Die damit verbundene Kostenfrage spielt eine wesentliche Rolle. Schwingel hatte bereits im Mai im DWDL.de-Interview gesagt, sein Unternehmen müsse sich "intensiv damit beschäftigen, wie wir unsere Produktionen bei gleichbleibender Qualität wirtschaftlicher anbieten können". Durch den Verlust des RTL-Produktionsauftrags für die Daily Soap "Unter uns" (DWDL.de berichtete) – und damit eines jährlich zweistelligen Millionenumsatzes – stellt sich die Situation in der Zwischenzeit noch dringlicher dar.

Zur "Transformation" in Rohdes Titel zählt folglich auch die Aufgabe, das strategische Unternehmensziel "Create New Business", von dem Schwingel im Mai gesprochen hatte, ab sofort stärker zu gewichten. "Die reine Auftragsproduktion bleibt unser starkes Fundament", so Rohde, "steht aber branchenweit unter hohem Kostendruck. Wir ruhen uns darauf nicht aus, sondern bauen parallel systematisch neue Geschäftsfelder auf, von naheliegenden digitalen Formaten bis hin zu größeren Moonshots, die über das klassische Film- und TV-Geschäft hinausreichen."

Bislang war das New Business Development als eine Art Nebenprodukt bei den einzelnen Labels der UFA aufgehängt. Nun arbeitet Rohde daran, eine eigene zentrale Struktur aufzubauen, und sucht bereits nach passenden Fachkräften, die Neugeschäft in Feldern wie Branded Entertainment, Live-Entertainment, Vertical Content oder Gaming hochziehen könnten. Immer mit dem Ziel, eigene Rechte für die UFA zu generieren. "Niemand wird über Nacht von der klassischen Produktionsfirma zur IP-Company", so Rohde. "Aber wir priorisieren inzwischen sehr viel konsequenter Projekte, bei denen wir Rechte und Marken langfristig halten können. Dabei denken wir auch an D2C-Modelle: Je direkter unser Zugang zum Publikum ist, desto unabhängiger und wertvoller wird unser Geschäft."

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