Der Verein PROG Producers of Germany hat das ZDF via Pressemitteilung zu mehr Transparenz bei der Auftragsvergabe aufgefordert. Konkret: Bei der Auftragsvergabe an Sendertöchter. Es ist ein Thema, das die Branche seit vielen Jahren bewegt. Wie viele Aufträge der Öffentlich-Rechtlichen kommen tatsächlich bei unabhängigen Produktionsfirmen an - und wie viele landen bei solchen Unternehmen, an denen das ARD bzw. ZDF beteiligt sind?
PROG Producers of Germany würdigt das ZDF nun zwar als "wichtigen Partner und Auftraggeber für unabhängige Produzent*innen" und erklärt außerdem, dass der Sender für "Kontinuität im Kino und für Nachwuchsförderung" stehe. Dennoch sehe man die vielen Tochterunternehmen zunehmend mit Sorge. "Der Auftragsvergabebericht des ZDF unterscheidet nicht nach Formaten oder Sendeplätzen. So ist es bislang nicht möglich zu bewerten, ob im Bereich Fiktion oder Dokumentarfilm die vom ZDF ausgerufene Regel, weniger als ein Drittel der Beauftragungen und Lizenzen an ZDF verbundene Unternehmen zu vergeben, im Einzelnen auch umgesetzt wird", heißt es vom Verein.
Man appelliere daher an das ZDF, die Vergabepraxis für fiktionales und dokumentarisches Programm transparenter darzustellen. "Das ZDF ist für die Mitglieder unseres Verbandes ein wichtiger Partner. Als Verband beobachten wir jedoch seit geraumer Zeit eine Verschiebung der Vergabepraxis zu Ungunsten der unabhängigen Produzierenden und Lizenzgebenden im Bereich der fiktionalen Programmbeiträge. Im Sinne einer faktenbasierten Debatte fordern wir das ZDF daher auf, die Daten entsprechend aufzuarbeiten und zu veröffentlichen", sagt PROG-Geschäftsführerin Julia Maier-Hauff.
Es sei von außen schwer zu beurteilen, ob der Wettbewerb mit Sendertöchtern bei der Vergabe von Aufträgen und in der Auswahl bei Koproduktionen fair sei, so Maier-Hauff weiter. "Das heißt, ob die Auftragsvergabe an unabhängige Produzent*innen und Sendertöchter unter denselben und angemessenen Wettbewerbsbedingungen erfolgt."
Das ZDF veranstaltete erst vor wenigen Tagen seinen Tag der Produzentinnen und Produzenten. Rund 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich dafür in Berlin zusammengefunden. Neben Intendant Norbert Himmler waren auch Programmdirektorin Nadine Bilke, Chefredakteurin Bettina Schausten und Florian Kumb, Direktor Audience, vor Ort. Mit mehr als 800 Millionen Euro pro Jahr sei man der größte Einzelauftraggeber der Kreativwirtschaft in Deutschland, hieß es im Nachgang aus Mainz.
Auf eine Anfrage von DWDL.de zur PROG-Forderung erklärte das ZDF am Montag, dass man sich in einem " partnerschaftlichen Dialog mit Produzenten- und Kreativverbänden" befinde und aktiv an der "Erhöhung der Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Prozessen und Entscheidungen" arbeite. "Davon zeugen die Entwicklungs- und Herstellungszeitstrahle für die Genres Fiktion und Dokumentation, die die Prozessschritte und Entscheidungsgrundlagen darstellen und gemeinsam mit Produzentenvertretern entwickelt worden sind", heißt es von einem ZDF-Sprecher. Der Zeitstrahl für das Genre Entertainment sei derzeit in der Entwicklung. Darüber hinaus verweist das ZDF noch einmal auf die Selbstverpflichtung , mindestens zwei Drittel der Aufträge an nicht mit dem ZDF verbundene Produktionsunternehmen zu vergeben.
Hinweis: Wir haben den Text um 17:33 Uhr mit den Statements des ZDF ergänzt.
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