Die beiden ZDF-Journalistinnen Dunja Hayali und Sarah Tacke erhalten in diesem Jahr zu gleichen Teilen den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für besonders guten Fernsehjournalismus. Die Jury unter dem Vorsitz von Sandra Maischberger hat nach eigenen Angaben ihren Schwerpunkt auf Leistungen gelegt, "die der Meinungs- und Pressefreiheit dienen". Hintergrund sei die Tatsache, dass auf Fakten basierender Journalismus unter Druck stehe wie nie zuvor. 

Hayali, Moderatorin von "heute journal" und "Morgenmagazin", stehe seit mehr als einem Jahrzehnt "aufrecht in der nie endenden Serie von ‘Shitstorms’, die über sie hereinbrechen – voller Hass und Gewaltfantasien", heißt es in der Jury-Begründung zur Auszeichnung. In einer Zeit, in der Journalistinnen und Journalisten zeitgemäße Wege suchen würden, die Ergebnisse ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit zu bringen, liefere Hayali ein "mutiges, erfolgreiches Modell", so die Jury weiter.

Dass Sarah Tacke, Leiterin der ZDF-Redaktion Recht und Justiz, Jura studiert habe, um Journalistin zu werden, bezeichnet die Jury derweil als "segensreiche Kombination". Man würdige ihren Beitrag zur Wahrheit und Klarheit im demokratischen Diskurs, heißt es weiter. "Zuschauer spüren Kompetenz und Objektivität, wenn Sarah Tacke im Studio der ZDF Magazinsendungen und des ‘heute-journals’ die Rechtslage erklärt - bei so komplizierten Sachverhalten wie Abschiebung, Parteiverbot, künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft oder die oft unbefriedigenden Strafverfahren wegen sexueller Gewalt".

ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten sagt zur Ehrung der beiden Journalistinnen: "Ich freue mich sehr, dass mit Dunja Hayali und Sarah Tacke zwei herausragende Journalistinnen ausgezeichnet werden. Ein starkes Signal für einen unabhängigen Journalismus, der zunehmend unter Druck gerät. Dunja Hayali überzeugt mit ihrer besonderen Stärke im Gespräch und in der Reportage, Sarah Tacke mit ihrer Fähigkeit, komplexe rechtliche und gesellschaftliche Fragen verständlich einzuordnen. Herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Auszeichnung."

Neben den beiden Hauptpreisen werden auch zwei weitere Auszeichnungen vergeben. So erhält Manuel Biallas (NDR) den  Hanns-Joachim-Friedrichs-Förderpreis, der Journalisten fördern soll, "deren bereits vorliegende Arbeiten ihre herausragenden Qualitäten unter Beweis gestellt haben". Biallas beschäftigt sich mit Themen wie Migration, sozialer Ungleichheit, Extremismus und Menschenrechten. "Seine Filme und Texte, Ergebnisse gründlicher Recherchen, bleiben nah an Protagonisten, sind gut verständlich und auf Augenhöhe erzählt", lobt die Jury, die besonders die Doku "Die Lüge vom sozialen Aufstieg?" als "besonderen Höhepunkt seiner Arbeit" würdigt.

Ähnlich wie das ZDF kann auch der NDR doppelt jubeln. Neben Biallas geht nämlich auch der Sonderpreis der Jury an den Sender, konkret an die Redaktion des Medienmagazins "Zapp". Diese sei seit fast einem Vierteljahrhundert ein "zuverlässiger Beobachter und Kritiker des journalistischen Gewerbes". Man brauche eine solche Begleitung, weil "Fernsehleute sich oft unverstanden fühlen von den Kolleg:innen der schreibenden Zunft, die die Zwänge Beschränkungen unseres Handwerks nicht kennen". "Zapp" kenne Stärken und Schwächen des TV von innen. Deshalb werde die Sendung ernst genommen und halte Kolleginnen und Kollegen wach sowie selbstkritisch. 

Bei der jährlichen Preisverleihung wechseln sich Norddeutscher Rundfunk (NDR) und Westdeutscher Rundfunk (WDR) ab, die Verleihung am 5. November findet beim NDR in Hamburg statt. Moderiert wird die Preisverleihung sowie die darin integrierte Diskussion mit dem Thema "Journalismus und der Angriff auf die Demokratie – Zeit sich mit einer Sache gemein zu machen?" von Caren Miosga. Die Aufzeichnung wird noch am selben Abend ausgestrahlt.