Im Rahmen der Medientage München haben die Landesmedienanstalten die neueste Ausgabe ihrer Studienreihe "Video-Trends" präsentiert. Die besagt zunächst mal, dass die Bewegtbild-Nutzung weiterhin sehr hoch bleibt: 93 Prozent der über 14-Jährigen geben in der repräsentativen Studie demnach an, täglich Videoinhalte zu sehen. 72 Prozent in sozialen Medien (Facebook, Instagram, Snapchat, X, YouTube, TikTok), 56 Prozent im linearen Fernsehen, 30 Prozent in SVoD-Diensten wie Netflix und 21 Prozent in den Mediatheken der Sender.
Ein Schwerpunkt der Untersuchung waren dabei mit KI generierte oder veränderte Videos. 79 Prozent geben demnach an, schon einmal einem solchen Video begegnet zu sein (und dies auch erkannt zu haben), 43 Prozent begegnen diesen häufig oder sehr häufig - am stärksten auf TikTok und YouTube Shorts. Dabei hält etwas mehr als die Hälfte der Befragten das Erkennen von KI-Videos für eher oder sehr leicht, zugleich geben aber 68 Prozent an, ein KI-Video auch schon für echt gehalten zu haben. Wie viele tatsächlich ein KI-Video gesehen und es für echt gehalten haben, dies aber nicht erkannt haben, steht freilich auf einem anderen Blatt.
Die Sorge vor KI-Fakes ist inzwischen jedenfalls weit verbreitet. 77 Prozent geben an, sich zu sorgen, dass sie gezielt getäuscht werden sollen. Das führt zu einem Vertrauensverlust ins Medium: 81 Prozent zweifeln häufiger an der Echtheit von Videos, 76 Prozent prüfen Video-Inhalte kritischer, 72 Prozent vertrauen Videos generell weniger als früher. Aus diesem Grund wünscht sich auch eine große Mehrheit klare Regeln. 91 stimmen der Aussage, dass KI-Videos immer klar gekennzeichnet werden sollen, "voll und ganz" oder "eher" zu (im Folgenden sind diese beiden Werte immer zusammen ausgewiesen).
Seit August gelten bereits Transparenzpflichten, die sich aus dem EU AI Act ergeben. Wer KI-erzeugte oder manipulierte Bild-, Audio- oder Videoinhalte, veröffentlicht, muss demnach offenlegen, dass sie künstlich erzeugt wurden, Anbieter generativer KI müssen ihre Inhalte maschinenlesbar markieren. Es stellt sich allerdings noch die Frage nach der Kontrolle und Durchsetzbarkeit. Der Studie zufolge wünschen sich 88 Prozent, dass die Plattformen das stärker kontrollieren sollten. 83 Prozent fordern gar ein generelles Verbot etwa von Deepfakes.
Thorsten Schmiege, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, sagt: "Wenn sieben von zehn Menschen KI nicht zuverlässig erkennen können und ein KI-Video für echt halten, ist das ein Warnsignal. Wer Bewegtbild vertraut, muss erkennen können, ob es echt oder künstlich erzeugt ist. Deshalb brauchen wir klare Kennzeichnung und wirksame Regeln für KI-Inhalte – gerade bei Nachrichten und politischen Themen."
Creator beeinflussen Meinungsbildung vor allem bei Jüngeren
Zweiter Schwerpunkt der diesjährigen Studie war das Thema Creator und ihre Bedeutung im Bereich News und Politik, die besonders in den jüngeren Altersgruppen inzwischen entscheidend zur Information und Meinungsbildung beitragen. 87 Prozent geben an, dass sie "mindestens gelegentlich" auf Videos zu Politik und Gesellschaft stoßen - und fast die Hälfte auch als Nebenthema bei Accounts, die sich eigentlich anderen Themen widmen.
Von jenen, die solche Videos stoßen, geben 27 Prozent an, dass diese Creator-Videos eine wichtige oder sogar sehr wichtige Rolle bei der Information und 25 Prozent bei der Meinungsbildung spielen. Blickt man aber auf die Unter-30-Jährigen, dann fallen diese Zahlen erheblich höher aus: Für 39 Prozent spielen sie bei der Information eine mindestens wichtige Rolle, sogar für 45 Prozent bei der Meinungsbildung.
Dabei werden Creator-Videos durchaus kritisch gesehen: Etwa die Hälfte ist der Ansicht sind, dass mit Creator-Videos "gezielt Meinungen gelenkt" werden sollen, 45 Prozent bemängeln, dass Themen "stark vereinfacht/verkürzt" dargeestellt werden, 41 Prozent dass einseitige Sichtweisen gefördert werden. 55 Prozent geben an, dass sie problematische Inhalte einfach ignorieren und weiterscrollen, das Melden und Kommentieren bleibt hingegen die Ausnahme.
Wolfgang Kreißig, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und Vorsitzender des Fachausschusses Infrastruktur und Innovation der Landesmedienanstalten sagt: "Die Zahlen zeigen, dass sich Menschen zunehmend außerhalb von klassischen Informationsangeboten über politische und gesellschaftliche Themeninformieren. Umso wichtiger ist es, dass erkennbar bleibt, wer informiert, aus welcher Perspektive gesprochen wird und wo Meinung und Information ineinander übergehen."
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