Carolin Kebekus © WDR/Dietmar Seip
Der Weg wäre ja jetzt frei

Des Rätsels Lösung? Kebekus spricht mit RTL

von Thomas Lückerath
05.06.2013 - 16:44 Uhr

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Diese DWDL-Story hat Wellen geschlagen: Die Weigerung des WDR eine Kirchensatire von Komikerin Carolin Kebekus auszustrahlen, sorgte für Aufregung. Die hilft Kebekus - aber ganz anders als gedacht. Und der WDR erklärt sich - aber nur halbherzig.

Am Dienstagvormittag erfuhr das Medienmagazin DWDL.de von der Änderung der für Mittwochabend geplanten Einsfestival-Sendung "Kebekus!" von und mit Carolin Kebekus. Der WDR, verantwortlich für die Sendung bei dem Spartensender, bestätigte am Mittag dann auch, dass man ein Musikvideo, das für die Sendung geplant war, nicht zeigen wird. Nach Darstellung des Senders war das eine nicht unübliche Entscheidung der Redaktion, um entsprechend dem WDR-Gesetz keine religiösen Gefühle zu verletzen.

Doch DWDL.de lagen Aussagen aus dem Redaktionsumfeld vor, die einen anderen Eindruck vermittelten: Bei einer schon lange vom Sender abgenommenen, also freigegebenen Sendung, wurde kurz vor der Ausstrahlung korrgiert - und das zum Unmut des Teams wie auch Carolin Kebekus selbst. Das wurde am Dienstagabend bei einem Auftritt bei Stefan Raabs "TV Total" bei ProSieben deutlich, wo sie mit klaren Worten die neue Sendung schon vor der Ausstrahlung jener jetzt gekürzten Pilotsendung für tot erklärte.

Vor diesem Wutauftritt bei Stefan Raab gab es vereinzelt Spekulationen, ob die Zensur des Kirchen-Raps von Kebekus nicht nur ein PR-Gag gewesen sein könnte. Die Produktionsfirma der Sendung, die Kölner Bildundtonfabrik, ist seit dem kurzlebigen Kultformat "Roche & Böhmermann" ja für Doppeldeutigkeiten und kreative PR bekannt. Doch einen Haken hatte diese Theorie: Das viel besprochene Musikvideo wird ja nicht mehr Teil der Sendung sein - und ist eh bereits im Netz verfügbar. Gute PR für die Sendung, die ohnehin nicht fortgesetzt wird, war es also nicht. Erst recht nicht, weil der WDR am Mittwoch verärgert auf Kebekus' Äußerungen bei "TV Total" kontert.

In einer Mitteilung heißt es: "Den Vorwurf der Zensur können wir so nicht akzeptieren. Der WDR steht für Liberalität und Toleranz. Das bedeutet auch, die religiösen Überzeugungen der Bevölkerung zu achten und die Verunglimpfung religiöser Symbole in seinen Sendungen nicht zuzulassen. Dazu gibt es klare Regelungen im WDR-Gesetz." Es gebe einen erheblichen Unterschied zwischen Kritik an der Institution Kirche und der Verunglimpfung religiöser Symbole. Warum die Sendung und ihre Beiträge dann allerdings erst vor Wochen anstandslos vom WDR abgenommen wurde - und erst kurz vor der Ausstrahlung Zweifel kamen, beantwortet der Sender nicht.

Vom WDR aus sei man allerdings weiter gesprächsbereit: "Wie eine Zusammenarbeit mit Carolin Kebekus in Zukunft aussehen kann, wird sich zeigen. Unsere Türen bleiben jedenfalls geöffnet." Doch nach DWDL.de-Informationen gibt es auch einen anderen Interessenten, der mit der 33-Jährigen arbeiten möchten. Und da kommt die Aufregung um die Einsfestival-Sendung für Carolin Kebekus ganz gelegen, wie sich am Mittwoch herausstellt. Nach DWDL.de vorliegenden Informationen spricht die Komikerin mit RTL über einen Wechsel zu den Kölnern, wo einst bei den "Freitag Nacht News" vor sieben Jahren auch ihre TV-Karriere begann.

"Wir sind mit Carolin Kebekus im Gespräch", bestätigt RTL-Sprecher Claus Richter. "Aber Konkretes gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen." Klar ist bis jetzt: Am 23. Oktober wird das aktuelle Live-Programm von Carolin Kebekus, "Pussy Terror", im Essener Colosseum aufgezeichnet und anschließend bei RTL ausgestrahlt. Das bestätigt auch Kebekus' Manager am Mittwoch. Produktionspartner bei der Aufzeichnung der Live-Show ist die Kölner Produktionsfirma Brainpool, wie man dort auf Anfrage bestätigt. Darüber hinaus bleibt man erstmal unverbindlich: "Wir halten Carolin Kebekus für eine ganz tolle Künstlerin", so eine Sprecherin. Nach DWDL.de-Informationen soll es aber auch Ideen für ein eigenes Comedy-Format bei RTL geben.

Die ehrliche Aufregung über den WDR und seine plötzliche Mutlosigkeit kam für Carolin Kebekus also gar nicht so ungelegen. Man könnte sogar sagen: Der WDR hat der Komikerin mit seiner nachträglichen Änderung der Einsfestival-Sendung unfreiwillig einen Gefallen getan und ihr einen einfachen Ausstieg aus dem Spartensender-Dasein ermöglicht. Bei RTL könnte die für ihren direkten und derben Humor bekannte Kebekus die Lücke füllen, die Cindy aus Marzahn nach ihrem Wechsel zu Sat.1 hinterlassen hat. Nur humortechnisch natürlich.

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