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Auch WDR und RBB geben Ranking-Schummelei zu

von Alexander Krei
12.08.2014 - 17:12 Uhr

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Es war fast zu befürchten, nun folgt die Bestätigung: Sowohl WDR als auch RBB haben Schummeleien bei ihren Rankingshows zugegeben. Teilweise fand sich nicht mal ein einziger User, der für einzelne Vorschläge votierte. Die Details...

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Nachdem der NDR in Folge des Ranking-Skandals bei der ZDF-Show "Deutschlands Beste!" mal im eigenen Haus nachgeforscht hat und dabei herausfand, dass es in mehreren Rankings zu Veränderungen gegenüber dem eigentlichen Abstimmungsergebnis gekommen ist, gibt's mit dem WDR Fernsehen nun einen weiteren Sender, der es mit dem Votum seiner Zuschauer nicht immer ganz genau genommen hat. Von insgesamt 111 Rankingshows, die zwischen 2008 und 2014 ausgestrahlt wurden, hat es bei immerhin zehn Sendungen nachträgliche Veränderungen am Ergebnis gegeben. Damit ist also immerhin fast jede zehnte Show betroffen.

Die Redaktion habe eingegriffen, weil das Online-Voting entweder verzerrt gewesen sei oder nicht zu klaren Ergebnissen geführt habe, hieß es am Dienstag in einer Erklärung des WDR. Veränderungen der Reihenfolge aus dramaturgischen Gründen habe es dagegen in keinem Fall gegeben. In einzelnen Fällen sei die Beteiligung des Publikums schlicht zu gering gewesen, sodass es etwa zu Gleichständen auf den hinteren Plätzen gekommen sei. In diesen Fällen habe man bewusst eine zusätzliche Publikumsbefragung bei einem Institut in Auftrag gegeben oder die Redaktion habe etwa statistische Werte herangezogen.

Im Falle der Suche nach den "beliebtesten Bauwerken", den "beliebtesten Ausflugszielen", den "beliebtesten Städten" und den "beliebtesten Fußballvereinen" kam es offenbar zu einer starken Verzerrung der Ergebnisse durch Voting-Aktionen, weshalb die Redaktion die Abstimmungskandidaten auf den Platz zurückversetzte, den er vor Auftreten der Stimmenhäufung hatte. Deutlich kurioser ist allerdings die Tatsache, dass manche Vorschläge überhaupt keine Stimmen bekommen haben: Bei der Suche nach den "beliebtesten Wanderwegen in Nordrhein-Westfalen" betraf das den Eggeweg, den Wittgensteiner Schiefernpfad und den Olsberger Kneippwanderweg. Durch Hinzuziehung beliebter Wanderrouten im Internet habe die Redaktion daraufhin die letzten drei Plätze vergeben.

"Expertenrat" holte sich der WDR bei den "beliebtesten Tänzen der Nordrhein-Westfalen" ein - hier gab's für Limbo, Step und Charleston keine Stimmen. Auch bei den "beliebtesten Kunstwerken in Nordrhein-Westfalen" musste nachgeholfen werden, nachdem manche Kunstwerke von den Usern nicht bedacht wurden. Darüber hinaus kam es im vergangenen Jahr bei drei Sendungen zu einer sehr geringen Beteiligung beim Online-Voting. Die Redaktion hat daher bei einem Insititut eine eine Umfrage unter 1.000 Personen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt, um "Die beliebtesten Talsperren", "Die beliebtesten Spektakel" und "Die unheimlichsten Orte" herauszufinden.

Immerhin tröstet man sich beim WDR, dass man - anders als das ZDF - keine repräsentativen Umfragen verändert hat. Peinlich sind die nun bekannt gewordenen Veränderungen aber schon deshalb, weil sie zeigen, wie gering das Interesse des Publikums an einer Abstimmung bisweilen ist. Eine Einstellung von Formaten wie "Hitlisten des Westens" kommt für den Sender aber offenkundig trotzdem nicht in Frage. WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn hat dagegen entschieden, die Konzepte "grundlegend" überarbeiten und auf Online-Votings verzichten zu wollen. Die Programmverantwortlichen arbeiten nun an neuen Konzepten sowie neuen Auswahlinstrumenten und Kriterien für Ranking-Sendereihen.

Doch damit nicht genug: Inzwischen hat auch der RBB zugegeben, Abstimmungsergebnisse bei zwei Ranking-Sendungen verändert zu haben. "Wir haben unsere Fernseh- und Radiovotings umfassend überprüft. Dabei haben wir bis auf zwei Ausnahmen keine Unregelmäßigkeiten feststellen können. 2013 stimmte bei den beiden 45-minütigen Sendungen '21 Dinge, die man in Berlin erlebt haben muss' und '21 Dinge, die man in Brandenburg erlebt haben muss' die ausgestrahlte Reihenfolge nicht mit dem Abstimmungsergebnis überein", sagte Heiner Heller, Programmbereichsleiter "Neue Zeiten" im RBB. Alle zur Wahl stehenden Beiträge seien zwar in der Sendung zu sehen, nicht jedoch in der Abfolge, die sich rund 350 Teilnehmer der Online-Abstimmung gewünscht hatten.

Die zuständige Redaktion habe eine andere Sendedramaturgie für wirkungsvoller gehalten und daher die Reihenfolge verändert. "Wenn wir das Publikum abstimmen lassen, muss das Ergebnis gelten. Die beiden betroffenen Sendungen sind deshalb für eine weitere Ausstrahlung gesperrt und aus unserer Mediathek entfernt", sagte Heiner Heller. Immerhin scheint es bei den Voting-Formaten des SWR mit rechten Dingen zugegangen zu sein (DWDL.de berichtete). Dort hat es allerdings auch längst nicht so viele Sendungen dieser Art gegeben wie etwa bei NDR und WDR.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, bei welchen Sendungen der WDR die Abstimmungsergebnisse seiner Rankingshows verzerrt hat...

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