Uli Potofski © Uli Potofski
Heute und morgen Abend

Ulli Potofski wagt ein Late-Night-Experiment im Netz

von Thomas Lückerath
21.03.2016 - 14:52 Uhr

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Eine Late-Night-Show ohne Budget und Konzept: Willkommen im "Haus am Rande der Stadt", einer Idee von Moderator und Sportkommentator Ulli Potofski, der zuletzt bei "Let's dance" einen kurzen Abstecher auf die große Showbühne machte. Im Netz will er mit ehrlicher Unterhaltung in Eigenregie überzeugen.

Bei RTL war er gerade erst Kandidat bei „Let’s dance“, aber musste die Showbühne schon nach der ersten Sendung wieder verlassen. Jetzt probiert Ulli Potofski es mit einer eigenen Bühne und macht aus Lust am Experimentieren mit einer neuen TV-Idee kurzerhand alles selbst. Vom Konzept über das Organisieren der Gäste und die Moderation bis zur PR in eigener Sache: „Hallo, Ulli Potofski hier. Wir probieren am Montagabend mal was im Netz. Das könnte Sie interessieren.“ Es geht um Fernsehen, wie er es aus Gründerzeiten des Privatfernsehens kennt: Eine Idee und die Lust es einfach mal zu probieren.

„Mir geht es oft so, dass ich spätabends nach Hause komme und beim Zappen eine Sendung suche, bei der ich mich mal fallen lassen kann. Bei der man einfach mal dazu stößt und auch auf Anhieb dazu gehört“, sagt Potofski im Telefongespräch über die Motivation hinter seinem Late-Night-Experiment mit dem Titel „Das Haus am Rande der Stadt“. „Jeder der will, kann zwischen 22 Uhr und Mitternacht mal reinschauen. Egal ob für fünf Minuten oder die ganzen zwei Stunden. Wir machen uns einen schönen Abend und lassen im übertragenen Sinne die Tür offen für alle Zuschauer, die mal vorbeischauen wollen.“

Das Haus am Rande der Stadt; es steht in Erftstadt. „Am Rande von Köln“, sagt Potofski und muss angesichts der großzügigen Einschätzung der Entfernung selbst schmunzeln. Das Haus gehört Martin Ernst, der als Musiker das Portal www.muxx.tv ins Leben gerufen hat. „Dort sind unter ‚Song of my life - Das Wohnzimmer-Konzert’ schon tolle Acts zu sehen, die im gleichen Haus produziert wurden, aus dem wir live auf Sendung gehen werden“, sagt Potofski. „Das war bislang Musik und wir machen das jetzt breiter. Musik wird dabei aber auch eine Rolle spielen.“

Das Haus am Rande der Stadt
© Ulli Potofski


Geplant sind zunächst zwei Sendungen am Montag- und Dienstagabend von 22 Uhr bis Mitternacht, die live über www.muxx.tv aus dem Haus gestreamt werden sollen. „Es gibt ein Wohnzimmer, das bürgerlicher gar nicht sein kann. Dann gibt es eine Ecke für die Musik, die Küche und oben die Bibliothek“, erklärt Potofski. Alle Bereiche wolle man bespielen, je nach Gast. Angekündigt sind u.a. Sportreporter und Moderator Tom Bartels, TV- und Musikproduzent Jacky Dreksler, Schauspieler Max von der Groeben und seine Mutter Ulrike von der Groeben. Aber auch Schriftsteller und ehemalige Bundesliga-Profis. Auch Thomas Gottschalk schaut vorbei - wenn auch ein anderer.

Ulli Potofski fasst es so zusammen: „Interessante Gäste - prominente Leute sowie ganz unbekannte Mitmenschen, die etwas zu erzählen haben. Wir werden auch miteinander spielen. Ganz banal ein Gesellschaftsspiel in leichter Abwandlung: Stadt, Land, Tod. Das wird ganz ehrliche Unterhaltung. Wir haben keinerlei Druck, weil wir niemandem verantwortlich sind. Keiner Quote, keinem Sponsor, keiner Kritik. Wir senden einfach mal und lassen uns selbst überraschen, ob die Idee funktioniert. Wir probieren das aus. Wir können auch gnadenlos scheitern, aber probiert haben wir es dann immerhin.“

"Wir haben einen Etat von null Euro. Aber das kann auch das Charmante an dem Experiment sein"

Es ist ein weiteres TV-Experiment, diesmal im Netz. Experimente prägen die Karriere des Ulli Potofski, der 1984 einst von den Öffentlich-Rechtlichen zum damals gerade erst gegründeten Privatsender RTL wechselte. Sein erstes Wagnis, das sich bezahlt machte. Bei RTL verantwortete Potofski den Sport und moderierte die Bundesliga-Berichterstattung („Anpfiff“) in jener prähistorischen Zeit des Privatfernsehens noch bevor das runde Leder zu Konkurrent Sat.1 wechselte. Es gab bei ihm immer wieder kurze Ausflüge in die Unterhaltung - etwa dem „Domino Day“, auch ein ganz eigenes (TV-)Experiment - aber in erster Linie blieb es beim Sport.

Über die Jahre beim DSF, bei RTL und letztlich Sky, wo er seit 2006 zur Riege der Fußball-Kommentatoren gehört und mit der eigenen Show „Mein Stadion“ experimentieren konnte. Dass sein Late-Night-Experiment in Eigenregie unorthodox wirkt, weiß Potofski. Seine Lust auf das Projekt schmälert das allerdings nicht. „Wir haben einen Etat von null Euro. Das wird man auch an der ein oder anderen Stelle sehen. Aber das kann auch das Charmante an dem Experiment sein“, hofft der Moderator. „Eine Rückführung des heute so überinszenierten, zusammengeschnittenen Fernsehen zu der Idee den Menschen etwas auf den heimischen Bildschirm zu transportieren: Unterhaltung im wahrsten Wortsinn.“

„Vielleicht schaut der ein oder andere Senderverantwortliche ja mal rein."

Großartig vorbereiten will er sich nicht auf die Live-Sendung. Es gehe um einen netten Abend; ein nettes Beisammensein: „Das ist eine Form der Normalität, die vielleicht ungewohnt wirkt weil es auch mal etwas Länge hat. Aber einen schönen Abend mit Freunden beurteilt man nicht nach den Längen, die er hatte. Am Ende muss man nur denken: Schön war es doch. Ich werde nichts vorbereiten und keine Karten parat liegen haben. Ich habe keinen Kopf im Ohr. Wir werden die zwei Stunden füllen, wie sie sich ergeben. Das kann nur unglaublich spannend werden, wenn es funktioniert - und wenn es nicht funktioniert auch.“

Finanziert wird das Experiment erst einmal aus der eigenen Tasche. Fragt man Potofski nach seinen Erwartungen an „Das Haus am Rande der Stadt“, dann ist die Antwort erfreulicherweise weniger verbissen als ergebnisoffen. „Vielleicht schaut der ein oder andere Senderverantwortliche ja mal rein. Ich würde mich freuen, wenn jemand erkennt, dass ehrliche und einfache Unterhaltung - gerade wenn sie live ist und das Publikum mit einbezieht - ein Publikum finden könnte. Weil live alles passieren kann und das doch einen enormen Reiz ausmacht - für alle Beteiligten. Ob ich das dann moderiere oder jemand anderes - das ist zweitrangig.“

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