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Die Inszenierung der Realität: Zwischen Sadismus und Struwelpeter TV

 

Bei sogenannten "Real Life"-Shows wie "DSDS" wird den Kandidaten der schnelle Ruhm versprochen. Welchen Stellenwert dieser Trend wirklich hat, wurde im Rahmen des "Medienpolitischen Kongresses" debattiert.

von Daniel Schneider
05.07.2005 - 01:24 Uhr

Die Inszenierung der Realität: Zwischen Sadismus und Struwelpeter TV

Foto: medienforum.nrwNoch nie war der Weg zum Ruhm so vermeintlich einfach wie heute. Bei „Castingshows“ wie „Deutschland sucht den Superstar“ hat ein jeder die Möglichkeit, entdeckt zu werden und Karriere zu machen. Wer Gefahr läuft, wieder in Vergessenheit zu geraten, hat bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ die Möglichkeit, zurück in das Rampenlicht der Medien zu treten. Und bei vielen so genannten „B-Promis“ fragt man sich, was sie denn eigentlich noch machen, außer in diversen Boulevardblättern aufzutauchen.

Genau um dieses Thema ging es bei der Paneldiskussion „The Real Life? – Wege zum Ruhm“. Es diskutierten Klaudia Brunst (Journalistin), Ingrid M. Haas (Direktorin Information & Medienpolitik, RTL Television GmbH), Jürgen Krönig (London-Korrespondent, Die Zeit) Stefan Oelze (Geschäftsführer, Granada Produktion) und Paul Sahner (Journalist, Bunte Verlag GmbH).

Die erste simpel gestellte Frage an Ingrid M. Haas, wie man denn am besten berühmt werde, konnte sie nicht eindeutig beantworten. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, so Haas. Das Wichtigste sei, dass man eine „kantige Persönlichkeit“ habe und bereit sei, sich abzurackern. Als sie von Panel-Moderator Frank Thomsen auf eine neue Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ angesprochen wurde, wollte sie nichts Neues verraten. Man müsse noch warten, so Haas, aber dann gäbe es möglicherweise eine Überraschung. Paul Sahner meinte daraufhin nicht ganz ernst gemeint: RTL wolle die Wahlen abwarten und dann Schröder und Fischer in den Dschungel schicken.

Jürgen Krönig nennt solche Shows „Sadismus Fernsehen“. Man müsse sich in diesen Formaten durchkauen und Exhibitionismus betreiben, um berühmt zu werden. Letztendlich seien solchen Formate aber eh „Schnee von gestern“. Als neuen Trend sieht Krönig Formate wie „Die Supernanny“, die er als „Struwelpeter TV“ bezeichnet. In England seien solche Formate schon auf vielen Sendern zu sehen. Die Sender würden damit der „gesellschaftlichen Verantwortung“ nachkommen.

Foto: medienforum.nrwStefan Oelze, dessen Produktionsfirma unter anderem für „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ verantwortlich ist, sieht jedoch noch kein Ende des Reality-Booms in Deutschland. Aber wieso sind solche Formate so erfolgreich? Für Oelze ist klar: Im Dschungel befanden sich immer gute Charaktere wie Lisa Fitz und Costa Cordalis. Klaudia Brunst sieht eine zunehmende Identifikation der Zuschauer mit Kandidaten als mögliche Ursache. Den Zuschauern müsse nur klar sein, dass das Fernsehen letztendlich doch nur eine Fantasie bietet. Jürgen Krönig nannte den Aspekt des „Kitzel-Moments“: Der Neugier, wann beispielsweise das erste Mal Sex im Big Brother-Haus stattfindet. Ingrid M. Haas wies dieses Argument entschieden zurück. Für die Zuschauer sei Big Brother ein „dynamisches Experiment“. Dies zeige die Entwicklung der Einschaltquoten.

Zum Schluss fiel noch die obligatorische Frage nach der Verantwortung. Bei Granada sei man sich der Verantwortung für Kandidaten und Zuschauer bewusst, so Oelze. Es gebe ausführliche Diskussionen, was man machen könne und was nicht. Zum Schluss hielt er fest: Diese Reality-Shows seien nicht der „Untergang des Abendlandes“, wie es teilweisen in den Medien dargestellt worden sei, sondern letztendlich „gut gemachte Fernsehunterhaltung“. Ingrid M. Haas erklärte, dass man den Kandidaten für neue Shows zuvor Folgen aus dem Ausland zeige, damit sie sich ein Bild davon machen können, was sie erwartet.

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