True Detective: Ein fast zu perfekter Krimi

von Thomas Lückerath
15.07.2014 - 12:23 Uhr

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© HBO

Diese Serie war genau das, was HBO in diesem Jahr brauchte: Der PayTV-Kanal hat zwar mit „Game of Thrones“ eine der Kult-Serien der letzten Jahren im Programm, doch die Branche schaute gespannt auf Nachschub aus der Serien-Schmiede, die zuletzt durch so viel Buzz rund um Netflix und „House of Cards“ etwas ratlos wirkte. Doch dann kam die von Nic Pizzolatto geschriebene Miniserie „True Detective“, die HBO mit viel Zuversicht bewusst ins härtere Rennen der Königsdisziplin Beste Serie geschickt hat anstatt sie als beste Miniserie einzureichen.



Bei „True Detective“ stimmt einfach alles, was fast zu unheimlich ist, um wahr zu sein. Ein wahrlich erprobtes Genre, eine außergewöhnlich prominente Besetzung mit Matthew McConaugey und Woody Harrelson in den Hauptrollen, ein für hochqualitative Serien bekannter Sender und ein Drehbuch, welches das Krimi-Genre für das US-amerikanische Fernsehen neu erfindet. Einem einzigen Autoren und einem einzigen Regisseur eine ganze Staffel anzuvertrauen, ist ungewöhnlich - aber angesichts des herausragenden Ergebnisses möglicherweise ein Wegweiser für die Zukunft.

Im Jahr 1995 hatten die State Police Detectives Rust Cohle (gespielt von Matthew McConaughey) und Martin Hart (Woody Harrelson) den mysteriösen Ritualmord an der jungen Prostituierten Dora Lange untersucht. Erst nach zähen Ermittlungen konnten sie den Mord schließlich klären - scheinbar, denn 17 Jahre später sollen die Cops den Fall erneut aufrollen. Ein aktueller Mord weist verstörende Parallelen auf und legt nahe, dass damals etwas gründlich schief gelaufen ist. Die erneuten Ermittlungen führen die beiden so unterschiedlichen Männer also viele Jahre später zurück in den Süden Louisianas.

Mehr noch als die ebenfalls als Emmy-Favorit gehandelte Serie „Fargo“ nimmt sich „True Detective“ Zeit für Details - bei Charakteren wie Storys. Erzählt wird in verschiedenen Zeitebenen, Blickwinkel und Rückblenden. Auch das macht diese Krimiserie so außergewöhnlich. Aus europäischer Sicht wirkt es immer wieder als habe man diesbezüglich und auch bei der eindringlichen Bildsprache inspiriert von dem, was in den vergangenen Jahren aus Skandinavien kam - hier kombiniert mit einer Brise Horror. Eine zweite Staffel ist bereits angekündigt, allerdings mit neuer Story und anderen Charakteren, ähnlich wie bei einem weiteren Emmy-Favoriten („American Horror Story“).

"True Detective" gehört mit insgesamt 12 Nominierungen ohnehin zu den erfolgreichsten neuen Serien bei den Emmys. Darunter sind alle Königskategorien. Doch die HBO-Serie kann sich nicht nur berechtigte Hoffnungen auf einen Emmy als beste Serie des Jahres machen und McDonaughey als auch Harrelson auf einen Emmy als bester Hauptdarsteller. Auch in handwerklichen Kategorien könnte die Serie schon gut eine Woche vor der großen TV-Gala zum Emmy-Abräumer aufsteigen.

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