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Das Hoff zum Heiligabend

Schöne Bescherung für die Armen und Fettleibigen

 

Zu Weihnachten lässt Hans Hoff den Fernseh-Jahrgang 2017 nochmal Revue passieren und hat Geschenke mitgebracht für die Armen und Fettleibigen und die, die sie unterhalten sollen. Darauf einen doppelten Ebeling.

von Hans Hoff
24.12.2017 - 09:55 Uhr

Drauß vom Walde komme ich her, ich muss euch sagen… Ja, verdammt, was wollte ich jetzt sagen? Oh Mann, diese Vergesslichkeit. Ist auf jeden Fall arschkalt da draußen. Ah, jetzt weiß ich wieder: Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr. Hoho, ich bin es euer Weihni. Kennt ihr doch? Weihni the Man. Registered Trademark.

Seht, ich bin gekommen, euch zu bringen die frohe Botschaft, denn dein ist das Reich… Quatsch, falscher Zettel. Kramkram. Hier ist der richtige. Nix mit reich. Eher: Dein ist das Arm. Diese Message geht an die Armen und Fettleibigen, die da wohnen im Lande des eiligen Thomas. Ihr seid das Volk! Ihr seid das Volk!

Nein, Quatsch. Wo ist denn meine Brille? Verlegt. Wenn man mal was braucht. Na danke, Frau Merkel. Muss ich halt ohne. Was steht da? Ah, jetzt: Ihr seid folgsam. So steht das hier auf meinem Zettel. Ihr habt über das Jahr sehr schön jeden Scheiß weggeguckt, von „Rote Rosen“ bis „Verstehen Sie Spaß?“, von Pilcher bis Pilawa. Brav gemacht. Darauf genehmige ich mir…

Scheiße, wo is mein Flachmann? Ah, da. Darauf genehmige ich mir einen kleinen Feig… Ach ne, das is die Mallorca-Version. Nein, ich genehmige mir hier und jetzt einen kleinen Ebeling. Ach was, einen doppelten Ebeling. Ganz feiner Jahrgang, in ungewollter Ehrlichkeit gereift. Der 2017er hat zwar in der 14/49er Version nur noch 27 Prozent und knallt im bevorstehenden Abgang nicht mehr so fein wie die Jahrgänge von früher, aber dann muss man halt öfter mal zulangen. Die Masse macht’s. Wie beim Fernsehen. Prost, Gemeinde.

Aaah, gleich noch einen doppelten Ebeling hinterher. Mmmh. Also, zurück zur Sache. Ihr habt also brav jeden Scheiß geguckt. Auf allen Kanälen. Das ist prima, das wird den feinen Herrn im Quotenhimmel sehr freuen. Der feine Herr hat ja selbst keine Zeit mehr für euch. Schickt stattdessen seinen Sohn, der eure Schuld auf sich nehmen soll. Ja, so macht man das, wenn man es geschafft hat. Andere arbeiten lassen und selbst die Hände in den Schoß legen. Jesus muss hier unten im Altenheim die Scheiße weggucken, und der Herr oben erfreut sich am Netflix-Abo. Darauf noch einen doppelten Ebeling.

Aaah. Geiles Zeug. Ich habe natürlich auch Geschenke mitgebracht. Für die Armen und Fettleibigen unter euch. Und für jene, denen etwas zu fehlen scheint. Wir im Quotenhimmel nennen das ja gerne Schroppwichteln, weil die Geschenke genauso eindrucksvoll sind wie die Moderationen von… Na, ihr wisst schon.

Na, was habe ich denn hier im Sack? Hoho. Ja, hallo. Ich schmeiß mich weg. Eine Geburtsurkunde. Nicht irgendeine. Die von Guido Cantz. Und hier bei der Rubrik Vater steht, was wir alle schon lange vermutet haben: Der Name des wirklichen Erzeugers: Heino. The Real Heino. Ja, was hat der nicht früher alles auf Tournee angestellt mit der schwarzen Barbara. Karamba Karacho. Und neun Monate später gab es dann in Köln-Proll ein blondiertes Geschenk für den Kölner Karneval und für die ARD. Kann man sich nicht ausdenken, so’n Scheiß. Aber die Armen und Fettleibigen haben es ja nicht anders verdient.

Was haben wir noch? Ah, hier kommt der Hammer. Fein verpackt in schicke Anmeldeformulare. Ein Geschenk für alle Bescheidwisserkongresse und Klugscheißerpanels und sonstige Medienexzesse mit vielen sehr wichtigen Menschen, die alle der Hang zur Twitterrhoe eint, vulgo: Kurznachrichtendurchfall. Hier kriegt ihr etwas, das ihr nicht habt und nun von mir überreicht bekommt. Ja, leck mich fett, was ist denn da wohl drin? Ich lese es euch mal vor. Steht ganz klein gedruckt auf der Seite: INHALT. Und ist da noch auf dem Beipackzettel was zu lesen: Kann Spuren von Relevanz enthalten. Braucht ihr dringend. Könnt ihr direkt twittern. Darauf einen doppelten Ebeling.

Aaah, Mann, is der jut. Muss ich schnell noch bunkern, bevor der nächstes Jahr ausverkauft ist. Der knallt gut, der geht in‘ Kopp. Ratzfatz hasse dann sieben Promille, oder wie wir Fachleute sagen Pro Sieben. Dann findeste auch „The Big Bang Theory“ in Dauerschleife lustig.

Wat hab ich denn hier noch? Eine goldene AfD-Trophäe? Quatsch, nein. ARD steht da drauf. Eine ARD-Trophäe. Kriegt die Anstaltengemeinschaft für ihr Papier zu „Auftrag und Strukturoptimierung“. Große Literatur. Viel Papier und viele Buchstaben, aber dahinter nicht wirklich Neues. Also, die goldene ARD geht an die ARD für die beste Neuverfilmung von „Des Kaisers neue Kleider“. Darauf einen doppelten Ebeling.

Aaah, Mann is der jut. Immer wieder. Was wollte ich noch sagen? Ah ja: Drauß vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen… Ne, Scheiße, das ist ja schon wieder von diesem Poetryslammer. Stormy Theo. Wie kann man so heißen?

Hier hab ich noch ein Päckchen. Für RTL. Steht was drauf. Moment, Brille gezückt. Ah, interessant, was da steht: Für praktizierte Nächstenliebe. Verstehe. Weil sie DSDS und das Supertalent auf dem Gnadenhof durchfüttern und Dieter Bohlen auch über die offensichtliche Live-Mumifizierung hinaus noch das Gefühl von Wichtigkeit vermitteln. Bei RTL werden die Alten nicht abgeschoben, da gaukelt man ihnen noch vor, sie seien wichtig.

Und hier ist nochmal ein Päckchen mit der Aufschrift RTL. Was steht denn da als Widmung? Für die Verzauberung des Publikums. Ja, ist denn schon Weihnachten? Nein, es sind die Ehrlich Brothers. Ja, brat mir doch einer einen Storch. Darauf muss man erst mal kommen. In die ostwestfälische Provinz zu gehen und dort im Verdichtungsgebiet hinter Bielefeld in einem Geheimlabor zwei Gestalten zu kreieren, die ein bisschen aussehen, als wären sie geradewegs aus den 80ern entsprungen. 2017 waren die auf einmal überall. Fernsehen an, Ehrlich Brothers auf dem Schirm. Allerdings beschleicht mich bei denen immer die Angst, dass ich den einen nicht vom anderen unterscheiden kann. Aber wahrscheinlich ist das ja Absicht. Damit RTL mit den Zuschauern Hase und Igel spielen kann. Märchenhaft. Darauf einen doppelten Ebeling.

Uups, jetzt ist mir der Sack hingefallen, und mein Schädel brummt. Ich fürchte, ich hatte den einen oder anderen kleinen Feig… äääh Ebeling zuviel. Kann ich morgen bei meiner Tour statt der Rentiere meinen Kater einspannen. Na, danke.

Was wollte ich noch sagen zum Schluss? Irgendwas mit schöne Weihnachten oder so? Ach, ne, sagt doch jeder. Ich nehme lieber, die Worte, die Willy Brandt, der letzte Sozialdemokrat, dem ich vertraut habe, im August vor 50 Jahren gesagt hat: „Gebe ich jetzt gewissermaßen den Startschuss für das deutsche Farbfernsehen.“ Und dann hat er den Knopf gedrückt und uns alles Weitere hinterlassen. Der Rest ist Geschichte und endet quasi bei euch, liebe Arme und Fettleibige. Stoßt mit mir an auf das, was vom deutschen Fernsehen übrig geblieben ist. Darauf einen doppelten Ebeling.

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