Günter Schröder © RTL
DWDL.de-Interview

Dieser Mann lässt Jauchs Kandidaten schwitzen

 

Sein Name: Günter Schröder. Seine Mission: Fragen finden - und falsche Antworten noch dazu. Das Unternehmen mind the company erarbeitet seit knapp zehn Jahren die Fragen für das RTL-Quiz "Wer wird Millionär". DWDL.de sprach mit Geschäftsführer Schröder.

von Thomas Lückerath
19.03.2009 - 15:12 Uhr

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Günter SchröderIn diesem Jahr feiert „Wer wird Millionär“ 10. Geburtstag. Für Sie endlich Zeit, sich zurück zu lehnen: Jetzt lassen sich ja einfach alte Fragen wiederholen oder nicht?

Das ist grundsätzlich nicht möglich, weil uns die Zuschauer und Kandidaten relativ schnell aufs Dach steigen und uns vorwerfen würden, dass uns nichts Neues mehr einfällt. Zwar hatten wir Lösungen wie z.B. „Boris Becker“ schon etliche Male, aber immer zu anderen Fragen. Simples Wiederholen ist auch deshalb unmöglich, weil viele gesendete Fragen online bei RTL im "Trainingslager" nachgespielt werden können. Manchmal melden sich Zuschauer, die meinen "Diese Frage gab es schon mal". Das stimmt dann zum Glück nicht. Es gab keine einzige Frage, die wir genauso noch einmal gespielt hätten.

Also ist Ihr Job heute wesentlich schwieriger als vor knapp zehn Jahren...


Der Aufwand ist mittlerweile erheblich größer geworden. Als die Sendung 1999 anfing, gab es drei Autoren, mittlerweile sind es zehn Leute. Von zehn Ideen, die man hat, wandern inzwischen sechs oder sieben gleich wieder in die Tonne, weil eine entsprechende Frage schon so ähnlich existiert. Auf der anderen Seite passiert natürlich auch immer wieder etwa Neues. Zum Thema Obama hatten wir in den letzten Wochen bestimmt fünf oder zehn Fragen, die im weitesten Sinne mit der US-Präsidentschaft zusammenhingen. Auch im Sport, der Popmusik, dem Filmbusiness oder anderen aktuellen Bereichen passiert genug Neues, damit man die Sendung weiter bestücken kann.
 

 
Wie kurzfristig werden die Fragen denn konzipiert?

Wir besprechen zunächst intern, ob eine Frage für die Sendung geeignet ist, danach gibt es einmal in der Woche eine Abnahme mit RTL und Endemol, um die Fragen und ihre Einstufung zu überprüfen. Das ist unter anderem sinnvoll, weil wir hier intern manchmal vielleicht dazu neigen, Dinge vom Schwierigkeitsgrad her zu niedrig anzusetzen, da wir uns eben den ganzen Tag mit nichts anderem als „Wissen“ beschäftigen. Wenn die Frage von Sender und Produzent abgenommen wurde, wird sie noch mehrfach gecheckt, dann wandert sie in den Sendepool. Im günstigsten Fall wird eine Frage also mittwochs geschrieben, donnerstags intern diskutiert, freitags bei RTL abgenommen, dienstags in der Aufzeichnung verwendet und womöglich schon am Freitag darauf gesendet. Der Vorlauf kann also relativ kurz sein.

Gibt es für die Fragen eigentlich festgelegte Kategorien?

Wir haben 40 Wissenskategorien. Neben den klassischen wie Geschichte, Sport, Tierwelt, Geographie, Chemie oder Film gibt es auch eine Kategorie "Aktuelles", in die beispielsweise die Obama-Fragen gehen. Die Fragen-Sets für eine Sendung werden mit einem speziellen Programm zufällig zusammengestellt. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann eine aktuelle Frage gezogen wird, ist natürlich viel größer, wenn da 40 oder 50 drin sind, als bei einer Kategorie wie „Recht und Justiz“, in der vielleicht gerade nur 3 Fragen stecken. Die „Aktuelles“-Kategorie ist immer gut gefüllt, sicher weit mehr als zu Beginn der WWM-Geschichte – auch weil hier die Gefahr, sich zu wiederholen, gar nicht erst entsteht.

Wie bereitet man sich denn am Besten vor als Kandidat?


Wenn Kandidaten fragen, wie sie sich vorbereiten sollen, sage ich immer "Zeitung lesen!".  Das ist für mich die größte anzunehmende Dummheit, wenn die Leute nicht wissen, was in den Pop-Charts oder den Bestsellerlisten angesagt ist, was gerade in der Bundesliga oder beim Biathlon passiert. Wenn man als Kandidat in die Sendung geht, muss man einfach die Tagespresse und zumindest eines der großen wöchentlichen Magazine gedruckt oder online gelesen haben bzw. die Nachrichten via TV oder Internet gründlich verfolgen. Mit Lexikon-Wissen allein kommt man nicht bis zur Million.

Also hat sich „Wer wird Millionär“ verändert?

Ja. Von Cäsar und Karl dem Großen haben wir eben vermutlich schon fast alles gefragt, was man fragen kann. Also geht es häufiger um zeitgeschichtliche Ereignisse, die zumindest vorübergehend von Relevanz sind. Da kann natürlich auch wieder der Hintergrund eine Rolle spielen, so dass es eigentlich nur vordergründig ein aktuelles Thema ist. Die „So help me God“-Frage zum Text des Amtseids von Obama war so ein Beispiel – das kann man ja zumindest theoretisch schon seit Gründung der USA wissen. Aber die Inhalte werden eben generell häufiger durch ein tagesaktuelles Ereignis vermittelt.

Welche Kategorie ist denn die schwierigste? Nicht für den Kandidaten sondern für Sie...

Das kann man so nicht sagen. Aufpassen muss man bei Politik, weil sich da wahnsinnig schnell etwas ändern kann. Deswegen werden am Aufzeichnungstag die 200 Fragen, die drankommen könnten, noch ein weiteres Mal überprüft. Es ist dann immer schade, wenn eine interessante Geschichte platzt, weil sich irgendetwas kurzfristig geändert hat. Allerdings kommt das dann doch nicht oft vor. Wir hatten mal eine Frage, welcher Familienname im Kabinett Schröder doppelt vertreten ist. Die richtige Antwort war Fischer. Dann trat Andrea Fischer aber just an einem Produktionstag zurück. Deswegen schaue ich selbst während der Sendung noch ständig auf den Nachrichten-Ticker, damit man die Veränderungen, die eine Frage betreffen, kurzfristig berücksichtigen kann.

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