Thomas Bug © WDR
DWDL.de-Interview

Thomas Bug: "Wir haben unsere traurige Pflicht erfüllt"

 

Zusammen mit Catherine Vogel berichtete WDR-Moderator Thomas Bug am Samstag von vor Ort über die Massenpanik bei der Loveparade, während die Party im Hintergrund weiterlief. DWDL.de sprach mit ihm über die schwierige Herausforderung.

von Thomas Lückerath
25.07.2010 - 21:05 Uhr

Seite 1 von 2

Thomas BugHerr Bug, der Tag nach der Loveparade und der Tragödie. Versucht man sich davon frei zu machen oder lässt einen das Geschehene nicht los?

Das kann einen nicht los lassen. Bei mir, wie bei allen anderen Kollegen die vor Ort gearbeitet haben, sitzen die Eindrücke noch tief. Ich kam in der Nacht erst sehr spät ins Bett und muss gestehen, dass es mir schwer fiel abzuschalten und einzuschlafen. Es war also eine eher kurze Nacht. Mit der Aufbereitung dessen, was ich da über Stunden gesendet und geredet habe.

Wie wurde denn aus der Party-Übertragung eine Krisenberichterstattung. Wie haben Sie denn vor Ort von dem Unglück erfahren?

Also zunächst mal haben wir ja drei Stunden beste Partylaune übertragen. Das interessiert natürlich jetzt zu Recht keinen mehr. Aber Sie müssen sich vorstellen: Auch ich hatte da anfangs richtig Spaß, bis ich um kurz vor fünf plötzlich den ersten Hinweis bekam, dass es da ein größeres Problem am Tunnel gibt.
 

 
Aber da haben Sie es noch nicht vermeldet?

Uns wurde mitgeteilt, dass die Kollegen das zunächst prüfen wollen. Es dauerte ein paar Minuten bis die Regie uns informierte, dass sich da offenbar gerade tatsächlich eine Tragödie abspielt. Und als endlich verlässliche Informationen vorlagen, haben wir unsere traurige Pflicht erfüllt.

Währenddessen, wie auch in den folgenden Stunden, wurde direkt hinter Ihnen zu voller Lautstärke getanzt und gefeiert...

Das war in der Tat absurd. Ich musste eine Tragödie mit zahlreichen Toten vermelden und hinter mir wurde zu lauter Musik weiter getanzt und gejubelt. Es gab eben diese zwei Realitäten an diesem Samstag. Die vor der Hauptbühne und die dahinter, im Bereich der Rampe, die von dem Tunnel hoch führt. Ein bizarrer Unterschied. Aber ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die meisten Menschen, die sich zu dem Zeitpunkt vor der Hauptbühne befanden, einfach von nichts wussten. Man kann ihnen also nicht zum Vorwurf machen, dass sie gefeiert haben. Es wäre ja auch nicht besser gewesen, wenn man sofort alles gestoppt hätte.

Aber kam Ihnen die Fortsetzung der Loveparade über Stunden bis nach 23 Uhr angemessen vor?

Nein, es gab schon irgendwann den Punkt an dem ich dachte: "Ich habe die Schnauze voll, jetzt reicht’s. Dreht doch endlich mal einer der Veranstaltung den Strom ab." Meiner Meinung nach hätte man wirklich nicht bis 23 Uhr weitermachen müssen. Ich habe nicht verstanden, warum man die Musik nicht spürbar leiser gemacht hat. Oder die DJs gebeten hat, Tempo aus den Sets zu nehmen und die Veranstaltung langsam vorzeitig ausklingen zu lassen. Man hätte die Party auch um 20 Uhr schon beenden können, damit alle noch geordnet bei Tageslicht hätten nach Hause gehen können.

Teilen

Kommentarbereich anzeigen

Sie haben einen Text aus dem Archiv des Medienmagazins DWDL.de aufgerufen, das bis ins Jahr 2001 zurückreicht und mehrere Zehntausend Artikel umfasst.



Suchtipps

  • Geben Sie mehrere Suchwörter an, um Ihre Suche einzuschränken. Es werden nur Artikel ausgegeben, in denen alle angegebenen Worte vorkommen.
  • Starten Sie ihre Suche mit einem Anführungszeichen ("), werden nur Artikel ausgegeben, in denen die Worte in genau dieser Reihenfolge vorkommen.
Mit den Newslettern der DWDL.de-Redaktion sind Sie werktäglich bestens informiert. Für die Rundum-Versorgung abonnieren Sie einfach alle Angebote oder wählen den für Sie passenden Newsletter...
Name:
E-Mail:
Frage: 5 + 9 =

Ich möchte die folgenden Newsletter erhalten:
Sie können sich jederzeit wieder abmelden. Beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.