Slaven Pipic © ZDF/Rico Rossival
DWDL.de-Interview mit Slaven Pipic

Online first: So krempelt ZDFneo sein "TVLab" um

 

Im November sucht ZDFneo wieder nach neuen Fernseh-Ideen, doch künftig wird das "TVLab" ganz anders daherkommen als bisher. Mit DWDL.de spricht Slaven Pipic, stellvertretender Senderchef und Projektleiter, über die Neuerungen.

von Alexander Krei
02.10.2015 - 09:45 Uhr

Herr Pipic, sind Sie glücklich mit der Entwicklung des "TVLabs" der vergangenen Jahre?

Ich bin damit sehr zufrieden, weil das "TVLab" für ZDFneo eine wichtige Experimentierplattform ist, auf der wir uns stets neuen Trends, Formaten und Genres zuwenden können. Durch die Voting-Phase gibt es seit jeher einen guten Rückkanal mit dem Zuschauer und User. Wir sind ja sehr hungrig auf das Feedback. Das kann die Quote zwar auch ein Stück weit leisten, aber ich als Formatentwickler empfinde die direkten Kommentare und Abstimmungsergebnisse als deutlich frischer und inspirierender. Zufrieden bin ich auch mit den Formaten, die in den letzten fünf Jahren in den Sender kamen. Die waren immer spannend, sodass ich nun wahrlich keinen Grund habe, mich zu beschweren.

Und trotzdem gibt es in diesem Jahr weitreichende Änderungen am "TVLab". Was hat den Ausschlag gegeben, das Konzept auf den Kopf zu stellen?

Mir ist es wichtig, am Puls der Zeit zu sein. Derzeit empfinde ich es als ungemein spannend, wie viele neue kreative Köpfe es im Netz und im Fernsehen gibt, die auf ganz erfrischende Art und Weise Content herstellen - und zwar sehr unmittelbar. Deshalb haben mein Team und ich uns früh überlegt, beim nächsten "TVLab" verschiedene Teams gegenüberzustellen, die aus Social-Media-Persönlichkeiten, Schauspielern, Musikern und YouTubern bestehen. Deshalb haben wir auch den Projektrahmen entsprechend angepasst.

Wie genau wird das "TVLab" diesmal ablaufen?

Das "TVLab" ist unterteilt in zwei Phasen: Am 9. November startet die Produktionswoche, in der ZDFneo den insgesamt vier Teams die Aufgabe stellt, im Dialog mit ihren Fans, Followern und Abonnenten zu demselben Thema jeweils einen vier- bis achtminütigen fiktionalen Clip herzustellen. Bis zum 15. November lassen die Teams den Input ihrer Fangemeinden aus den sozialen Netzwerken direkt in den Produktionsprozess einfließen. Einen Tag später, am 16. November, beginnt schon die Abstimmungswoche, bei der alles bleibt wie bisher: Die Clips gehen online und werden zusätzlich auch im Fernsehen ausgestrahlt. ZDFneo zeigt vom 17. bis 20. November täglich jeweils um 20:05 Uhr einen Clip sowie zusätzlich am 19. November um 0:00 Uhr noch einmal alle Ideen en bloc. Mit dem Gewinner-Team arbeiten wir dann an einem Format für 2016..

Aber reicht denn eine Woche wirklich, um ein weitgehend sendefähiges Konzept zu entwickeln?

Ich bin da sehr zuversichtlich. Das Internet lehrt uns, dass Produktion schnell gehen kann. Es gibt Firmen, die in der Lage sind, in kurzer Zeit einen sehr guten Clip herzustellen. Der Clip, den das Gewinnerteam einreicht, wird nicht die Sendung sein, die wir im nächsten Jahr im Fernsehen zeigen werden. Die Clips sind uns zunächst wichtig, um das Potenzial der Kreativteams zu sehen und um herauszufinden, was das Netz als spannend, innovativ und andersartig empfindet. Danach beginnen wir gemeinsam mit dem Siegerteam an einem geeigneten Format zu feilen – mit dem Ziel, Online und Fernsehen miteinander zu verbinden.

Lässt sich bereits sagen, welche Produktionsfirmen in diesem Jahr mit dabei sein werden?

Die Auswahl steht schon fest. Wir haben Wert gelegt auf eine Kombination aus Produktions-Know-How und Social-Media- und Online-Expertise. Daher haben wir uns für Dropout Films in Mainz, Strandgutmedia aus Berlin sowie das große Warner Bros. aus Köln und die kleine Mediaagentur HitchOn aus Wiesbaden entschieden. Ich bin schon sehr gespannt, wie sie mit der Aufgabenstellung umgehen werden.

Das Thema des "TVLabs" ist aus gutem Grund noch nicht bekannt. Aber in welche Richtung soll's denn gehen?

Wir werden in die fiktionale Richtung gehen, weil es aus meiner Sicht in der Kürze der Zeit einfacher herzustellen ist. Allerdings ist den Teams kreativer Spielraum gegeben, um aus der Vorgabe das zu machen, was sie möchten. Ich bin daher gespannt, welche Richtung der Clip, der Inhalt und das Genre nehmen werden. Und zwischendurch ist auch noch William Cohn, kultiger Sprecher aus dem "Neo Magazin Royale" mit dabei.

Welche Aufgabe kommt ihm zu?

William Cohn wird das "TVLab" präsentieren. Er hat das schon im vergangenen Jahr mit seiner leicht süffisanten Art und Weise sehr gut gemacht. In der Produktionswoche wird er täglich in einem kurzen Web-Beitrag den Arbeitsstand der Clips und die Aktivitäten der Teams im Social Web für die User zusammenfassen. Das "TVLab" ist ja in der ersten Woche eine öffentliche Herstellungsphase. Es ist daher wichtig, den Usern im Netz zu zeigen, welches Team z.B. bereits mit dem Dreh oder Schnitt begonnen hat.

Und wie sieht der Fahrplan für die Umsetzung der Gewinner-Idee aus?

Ich hoffe, dass wir das Gewinnerteam im nächsten Sommer mit einem Format auf dem Bildschirm sehen können. Aber das hängt natürlich auch sehr von dem Gewinnerteam ab, das von den Usern die meisten Stimmen erhält. Bei "Blockbustaz", dem letztjährigen Gewinner, hat es etwas länger gedauert. Der wird erst Anfang 2016 ins Programm kommen, weil eine fiktionale Sitcom mehr Vorlauf benötigt.

Letzte Frage: Was fehlt Ihnen momentan ganz persönlich im deutschen Fernsehen?

Mir fehlen momentan vor allem Sitcoms. Gleichzeitig möchte ich gerne mehr Formate sehen, die nur fürs Netz gedacht sind. Sich von den linearen Zwängen zu lösen, Formate immer nur für eine bestimmte Länge oder Sendezeit zu entwickeln, wäre mein Wunsch. Hier braucht es neue Format-Regeln und mehr Spielmöglichkeiten als bisher.

Herr Pipic, vielen Dank für das Gespräch.

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