Timo Schneckenburger © HD Plus
DWDL.de-Interview mit Timo Schneckenburger

Modul ade: HD+ will mit Smart-TV-Integration zügiger wachsen

 

Bislang waren Modul und Smartcard nötig, um HD+ nutzen zu können. Die Vollintegration bei ersten Smart-TV-Herstellern senke nun die Hürde, sagt Geschäftsführer Timo Schneckenburger und hofft auf einen Wachstumsschub zum 10. Geburtstag von HD+.

von Thomas Lückerath
03.04.2019 - 16:39 Uhr

Herr Schneckenburger, wenn 47 Prozent der Fernsehhaushalte in Deutschland ihr Signal via Satellit bekommen, stellt sich mir die Frage: Warum hat HD+ bislang in fast zehn Jahren erst gut zwei Millionen für HD-Qualität begeistern können?

Das war die Barriere des Moduls. Bisher mussten Sie zusätzlich zum TV-Kauf noch einmal 79 Euro für das nötige Modul bezahlen. Bei einem Fernseher für 400 Euro entsprach das stolzen 20 Prozent Mehrkosten. Deswegen ist 2019 für uns ein Gamechanger: Jetzt ist HD+ auf allen neuen TV-Geräten von Panasonic und Samsung vorinstalliert, so dass alle Käufer dieser Geräte, die Sat-Empfang haben, nicht mehr weit entfernt davon sind, HD+-Nutzer zu werden.



Auf dem Weg zum 10. Geburtstag von HD+ im Herbst sehen Sie das Angebot also gut positioniert?

Unser Geschäftsmodell war und ist sehr Endkunden-zentrisch, was für unsere Muttergesellschaft SES in der Tat natürlich Neuland war, weil sie eine durch und durch B2B-orientierte Firma ist, die von langfristigen Verträge mit Sendern lebt. Umso wichtiger war es, dass HD+ nahbar ist. Mit anfangs zwölf Monaten und heute sechs Monaten kostenloser Testphase - und das ohne Registrierung. Gerade die Abkehr von der Registrierungsnotwendigkeit zeichnet uns heute noch aus. Wer HD+, etwa über unsere neuen Partnerschaften mit Panasonic und Samsung direkt über seinen neuen Smart TV nutzt, braucht zwar eine Internetverbindung um die Komfortfunktionen von HD+ nutzen zu können, aber wir haben uns dennoch gegen eine Registrierungspflicht entschieden. Das ist in der heutigen Zeit wirklich einzigartig. Es ist doch sonst fast egal, was Sie im Netz machen wollen: Jeder will Ihre Daten!

Und Sie nicht? Sie wollen nur mein Bestes, mein Geld?

(lacht) Ja, das wollen wir. Und natürlich brauchen wir bei einer Verlängerung über die Testphase hinaus auch einige Daten von Ihnen. Aber wir machen nichts mit den Daten, bauen darauf kein Geschäftsmodell auf und verkaufen sie auch nicht. Wir schicken Ihnen nur die Rechnung.

Sie sprechen die kürzlich angekündigte Vollintegration von HD+ in Smart-TVs der genannten Hersteller schon an. Sinnvolle Entwicklung, aber warum eigentlich erst jetzt?

Den Gedanken an eine Vollintegration in Smart-TVs pflegen wir schon sehr lange, bestimmt schon vier Jahre. Uns war aber immer bewusst: Wenn wir so etwas machen, gibt es ein paar Grundvoraussetzungen, wie beispielsweise einem ausreichenden Rechteschutz der Inhalte von Hollywoodstudios. Das war früher nur durch die Smartcard und das CI+-Modul gewährleistet. Inzwischen ist das bei Anbindung des Fernsehers ans Internet auch online möglich. Dafür muss allerdings eine ausreichende Anzahl der Smart-TVs in Deutschland auch wirklich mit dem Netz verbunden sein, damit sich der Schritt lohnt. Bis eine kritische Menge erreicht wurde, haben wir schon ein bisschen warten müssen. Smart-TVs gibt es zwar schon lange, aber richtig attraktiv wurde ein Wechsel im großen Stil für viele erst durch den Boom der Streamingangebote.

Timo Schneckenburger

Sie sprachen von einem Gamechanger. Sehen Sie ein derart großes Potential durch die Integration bei Samsung und Panasonic?

Das Geschäftsmodell mit dem Modul hat immer eine gewisse Barriere zu HD+ dargestellt. Natürlich nicht für die Kunden, die sich aktiv mit dem Thema Fernsehempfang befassen. Die haben sich das Modul geholt – und waren versorgt. Diese Zielgruppe haben wir in den vergangenen zehn Jahren schon sehr erfolgreich erreicht. Mit der Vollintegration machen wir die Nutzung von HD+ aber noch einen Schritt einfacher, weil kein Kauf von Hardware im Elektronikmarkt mehr nötig ist. Wir wollen damit Zuschauerinnen und Zuschauer von HD+ begeistern, die vorher noch gar nicht wussten, dass sie es bislang vermisst haben. Die kostenlose Testphase kann vom Sofa aus gestartet werden, ohne dass erstmal 79 Euro ausgegeben werden müssen. Alles ist schon vorinstalliert.

Jetzt wo Sie für die Komfortfunktionen von HD+ das Internet brauchen: Wird der Satellitenbetreiber SES jetzt etwa zum Fan des Breitbandausbaus? Kaum vorstellbar.

(lacht) Ich glaube, wir müssen die Nutzungsszenarien betrachten. Wenn wir über die Komfort-Funktion von HD+ reden, dann geht es um das Ausmerzen eines Infrastruktur-bedingten Nachteils, nämlich den des fehlenden Rückkanals. Um die Komfort-Funktion zu nutzen, reicht eine 8Mbit-Verbindung. Wenn es aber darum gehen würde, Ultra HD via IPTV zu empfangen, brauchen sie 100Mbit. Natürlich gibt es Haushalte, die damit versorgt sind, aber das ist nicht die Masse der deutschen Internetanschlüsse. Und sich beim TV-Konsum darauf zu verlassen, dass kein anderes Haushaltsmitglied gerade mit Downloads die Geschwindigkeit und damit Qualität drosselt, ist gewagt. Für den TV-Empfang bleibt damit der Satellit der verlässlichere Empfangsweg. Nicht ohne Grund bietet auch die Telekom Magenta TV Sat an.

Wie wichtig ist Ultra HD? Sie bieten einige Programminhalte schon in Ultra HD an, aber ein Must-have ist es noch nicht, oder?

Ultra HD ist kein Must-have. Wird es aber auch nie. Aber auch HD+ ist kein Must-have. Es ist eine Frage des Anspruchs an das Fernseherlebnis. Sie können auch noch mit einem Röhren-Fernseher ihre Kochshow schauen. Aber fragen Sie mal einen Formel 1-Fan, wie ein Rennen in SD-Qualität aussieht. Der wird Ihnen sicher sagen, dass die Bildqualität für ihn ganz entscheidend ist für das Fernseherlebnis. Für ihn ist es dann vielleicht ein Must-have und HD+ liefert die Formel 1 bei RTL in Ultra HD, übrigens bei der Samsung- und Panasonic-Integration vollautomatisch. Die App erkennt, wenn es einen gerade eingeschalteten Inhalt auch in Ultra HD gibt und weist darauf hin. Wir bieten mit Travel XP sogar einen kompletten Reisesender in bester Bildqualität und eben UHD1. Letztlich läuft irgendwann einmal alles auf Ultra HD hinaus, weil ja kaum noch Fernseher verkauft werden, die es nicht darstellen können.

"Wir sind für die Masse der anderen, die gerne im Wohnzimmer in bester Qualität unterhalten werden will. HD+ ist für die anspruchsvollen Couchpotatoes"

Haben Sie Ambitionen, selbst als HD+ eigene exklusive Inhalte anzubieten und Programmveranstalter zu werden, wie es z.B. die Telekom gerade macht?

Wir sind Partner der Inhalteproduzenten und Sender. Damit fühlen wir uns wahnsinnig wohl. Wir tun dann Dinge, wenn sie gut sind für das gesamte Ökosystem. So wie UHD1, wo wir u.a. der ProSiebenSat.1-Gruppe die Chance geben, ihre UHD-Inhalte zu verbreiten. Auch RTL hat so angefangen. Inzwischen zeigen sie zum Beispiel die Formel 1 und die Qualifikation der Fußball-Nationalmannschaftauf RTL UHD. Wir machen auch ein paar kreative Leuchtturm-Themen wie aktuell beispielsweise gemeinsam mit Tele 5 und mit Friedrich Liechtenstein eine Neuauflage von „1000 Meisterwerke“. Warum? Nicht, weil wir in Konkurrenz zu Sendern treten möchten, sondern weil wir eine Experimentierfreude ausleben wollen. Das ist ja ein Nischenprogramm, das unser Angebot auf schöne Weise bereichert.

Dann hängt die Attraktivität von HD+ also maßgeblich an der Attraktivität des Programms der Sender, die sie übertragen.

Ja, zwangsläufig. Eine Negierung würde ja an jeder Realität vorbeigehen. Das bekommen wir ja nicht nur von Nutzern, sondern auch von Händlern gespiegelt. Aber ich habe das gute Gefühl, dass die Qualität der Programme im deutschen Fernsehen angetrieben durch neue Konkurrenten wieder größer geschrieben wird. Wir erleben ein Streben nach Relevanz und aufwändigen fiktionalen Erzählungen. Das sind gute Entwicklungen, da freuen uns die Entwicklungen bei den beiden privaten Sendergruppen.

Aber Fan von TV Now bzw. 7TV können Sie eigentlich nicht sein. Immer mehr Medienhäuser wollen ja gleich Direct-to-Consumer gehen…

Ja und nein. Sehen Sie, wir haben ein Angebot für die große Masse an Fernsehnutzern. Beste Bildqualität mit Komfortfunktionen bei Internet-Rückkanal. Und das muss einfach funktionieren. Unsere Kunden erwarten, dass sie sich nicht dafür interessieren müssen, wie genau alles funktioniert. Natürlich gibt es Nutzer, die sich jede neue App runterladen. Es gibt auch Nutzer, die Fernsehen schauen ohne einen Fernseher zu haben. Das sind Spezialangebote, aber wir sind für die Masse der anderen, die gerne im Wohnzimmer in bester Qualität unterhalten werden will. HD+ ist für die anspruchsvollen Couchpotatoes.

Herr Schneckenburger, herzlichen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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