Erzählen Sie Ihren Freunden, dass Sie sich mit Nelson Mandela treffen. Täuschen Sie Ihnen ein Mittagessen mit Merkel vor. Oder sagen Sie ihnen, Sie gehen auf ein Bier mit einem Mann, der die Welt retten und die Polschmelze stoppen wird – nichts davon dürfte derartige Neidattacken auslösen wie ein Abend mit Heidi Klum. „Du gehst Essen? Mit ihr? Echt?“ Ja, echt! Die Marke Klum funktioniert also ganz offensichtlich nach wie vor. Oder anders: Der Prahl-Faktor des gestrigen Presse-Dinners mit Germanys Top-Heidi strebte ins Unendliche. Vergleichsweise gering indes der Informationsgehalt der Veranstaltung. Um die nicht wirklich bahnbrechende Erkenntnis des Abends vorwegzunehmen: Die neuen Model-Anwärterinnen werden von 12. Februar an ihren zunächst holprigen Lauf über die Catwalks beginnen, Heidi ist bei den (erstmals offenen) Castings selber dabei und – so verspricht die Model-Mama: „Wir machen die allerhärtesten Sachen in der Sendung!“. Das wars dann im Prinzip auch schon. Denn welche das sein könnten, durfte der geladene Gast nur vermuten. Etwa beim Blick auf Frau Klums Schuhe, bei deren Anblick vermutlich sogar dem scheidenden US-Präsidenten Bush Bang geworden wäre.
Aber nachdem man sich nicht im Irak, sondern der Brasilien-Bude von Ex-Bayern-Spieler Giovane Elber befand, blieben die Gemüter gekühlt wie Weißwein und Wasser, und die Füße unterm Tisch. „So klein hätte ich sie mir gar nicht vorgestellt“ oder „Was hat sie denn für eine Frisur“ war es von diesem und jenem zu hören. Die Tische selbst übrigens hatten verheißungsvolle Namen wie „Flashlight“, „Beauty“, „Expression“ oder „Advertising“. Und an dieser Stelle sei der klare Sympathiepunkt für ProSiebenSat.1-Kommunikatorin Petra Fink erwähnt, die sich über eine Platzierung am Tisch „Posing“ freute, nachdem sie sich zunächst in Richtung „Pasing“ verlesen hatte – ein eher peripherer und unansehnlicher Stadtteil Münchens.
Überhaupt war es mehr die Abteilung Presse denn die Abteilung Unterhaltung, die die gut zweistündige Journalistenspeisung zum Erlebnis werden lies. Etwa Sendersprecher Christoph Körfer, der auf der Bühne ganz offen über seine Frisur (Typ „Kranz“, wie ihm sein Frisör angeblich jüngst mitteilte) lachen konnte. Zusammen mit Frau Klum, deren eigene Haarpracht an diesem Abend die Society-Presse ebenfalls nicht vollends überzeugen konnte. Kranz hin, Haare her. Auf Knopfdruck und Bühne versprüht Klum tatsächlich atmosphärischen Glitter. Lässt erkennen, dass sie nicht nur leidenschaftlich gern begutachtet sondern viel lieber noch gesehen wird. Zurück am Platz gab es dann allerdings nur einen, der noch lustloser als sie in die Runde sinnierte: Ihren Vater, der sich mit diesem ausladenden Blick den Leibwächter für seine Tochter eigentlich hätte sparen können. Klar, man klatschte und lächelte, als sich die beiden (beneidenswert geformten!) Körperbeherrscher auf der Bühne gegenseitig hochstemmten. Ja, man staunte über die Zaubertricks des Roboter-Menschen. Und ja, man freute sich nochmal zusammen mit den Gewinnerinnen Barbara und Jenny, mit Peyman und mit Rolf über die eingespielte Emotionalität vergangener Staffeln. Aber so richtig Stimmung schien bei der schönsten Geschäftsfrau der Welt dennoch nicht aufzukommen.
Nicht beim Erbsensüppchen mit Minze, nicht bei den Vanillekarotten und auch nicht bei der Tonkabohne auf Ananasscheiben. Tisch Null der Raumordnung stand zwar direkt neben allen anderen, schien aber doch irgendwie meilenweit entfernt. Dafür hielt der Star des Abends (Klum, nicht Körfer!) es ungewöhnlich lange aus. Manch Hauptakt verschwindet auf derlei Zusammenkünften bereits nach der Trilogie vom Lachs. Nach zwei Stunden und 17 Minuten war es um kurz nach zehn dann aber auch für uns’ Heidi soweit. Klick, nochmal für die ProSieben-Kameras posieren. Klick, nochmal kurz zum Radio-Mikro gedreht. Klick … Presse-Modus aus. Vadder Klum reichte das Cape, und man verschwand in die Münchner Nacht. Was blieb, war ein Abend, auf dem die informativen und kulinarischen Happen perfekt aufeinander abgestimmt waren. Und mehr sollte es ja wohl auch nicht sein.



