Gerade kommt Alexander Bommes vom Zahnarzt. "Ich habe meine Kopf erst mal unter kaltes Wasser gehalten, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können", sagt er zu Beginn des Gesprächs. Den kühlen Kopf kann er aber auch sonst gut gebrauchen, immerhin hat er derzeit mehr zu tun als je zuvor. Nicht nur im Fernsehen, sondern auch im echten Leben. Gerade erst ist Bommes nämlich zum zweiten Mal Vater geworden. "Im Mai hatte ich mir im Kalender einige Wochen freigehalten, um mal wieder am Familienleben teilnehmen zu können. Das hat für den Erholungsfaktor zwar überhaupt nichts gebracht, aber es war sehr angenehm, mental mal von allem weg zu sein."

In naher Zukunft wird er für die Familie vermutlich nicht ganz so viel Zeit finden wie er wahrscheinlich möchte, denn nachdem Bommes im vergangenen Jahr für seine Präsentation der Olympia-Nachrichten im Ersten reichlich Zustimmung erntete, folgten wenig später zwei spannende Angebote, die er nicht ausschlagen konnte. Einerseits die Moderation der Box-Übertragungen und andererseits der "Sportschau-Club". Bommes ist sozusagen der doppelte Nachfolger von Waldemar Hartmann, dessen ARD-Abschied zuletzt alles andere als geräuschlos verlief. Die Frage, wie viel Waldi eigentlich in ihm steckt, hat Bommes schon oft gehört. Wenn man sie ihm trotzdem stellt, lacht er und sagt: "Warten Sie kurz, ich muss eben einen Strich auf meiner Liste machen." 

Dass er die beiden Sendung nun moderiere, sei allerdings "absoluter Zufall", betont er und sieht auch sonst nicht allzu viele Parallelen. "Ich glaube, dass überhaupt kein Waldi in mir steckt." Die Diskussion um seinen Vorgänger bedauert er trotzdem. "Ich finde es schade, wenn lange große erfolgreiche Karrieren mit so viel Missstimmung zu Ende gehen. Das können alle Parteien mit Sicherheit anders lösen." Nun aber sitzt eben nicht mehr Waldemar Hartmann nach großen Fußballspielen auf der Bühne, sondern Alexander Bommes. Meist unter Tage - vermutlich, weil das jung und cool wirken soll. Genauso wie die frisch gebackenen Triple-Sieger des FC Bayern, die kürzlich nach dem Pokal-Finale in Badeschlappen in sein Studio schlurften.

Mindestens genauso jung und cool soll die Einbindung der Zuschauer sein, denen in Zeiten des Internets fast nichts mehr entgeht, wie auch Bommes kürzlich feststellen musste - auch wenn er selbst im Internet gar nicht so stark unterwegs ist wie es die Sendung womöglich suggeriert. "Ich bin ein Technik-Vollidiot", gibt er zu und erinnert sich an die vergangene Ausgabe. Nach der Sendung habe seine Kollegin Julia Scharf ihn auf eine spannende Debatte hingewiesen, die da gerade im Internet in vollem Gange war. "Das Netz diskutiert deine Schuhe", sagte Scharf mit einem Augenzwinkern, weil Bommes ausnahmsweise mal keine Anzugschuhe trug. Er selbst kann darüber herzhaft lachen. "Ich ziehe die beim nächsten Mal vielleicht nicht nochmal an, aber ich finde sie trotzdem gut."

Andere finden wiederum ihn ausgesprochen gut. Kürzlich wurde Bommes in einem Zeitungsartikel gar mit US-Stars wie Conan O'Brien oder Jon Stewart verglichen. "Man darf sich über ein solches Lob einfach mal freuen, aber ich bleibe gerne ich selbst." Die Bescheidenheit hat der Moderator nach all den Erfolgen der vergangenen Monate also nicht abgelegt. Womöglich hat er sie nach einem der schwersten Momente verinnerlicht. Damals, als er seine Karriere als Handball-Profi viel früher beenden musste als es ihm lieb war. Dass er schließlich den Weg ins Fernsehen antrat, lag aber vermutlich in der Familie. "Ich habe alles von meinem Vater, der immer mein Vorbild gewesen ist", sagt Alexander Bommes, dessen Vater einst ebenfalls im NDR auf Sendung ging.

Fast wirkt es, als sei Bommes derzeit im Fernsehen allgegenwärtig. Und während man so mit ihm spricht, hat man das Gefühl, dass er vermutlich sogar die grantelnden ARD-Bosse davon überzeugen kann, den im kommenden Jahr auslaufenden Box-Vertrag noch einmal zu verlängern. "Es ist klar, dass jetzt die Weichen gestellt werden sollten", sagt er und verweist selbstbewusst auf Quoten-Erfolge mit bis zu fünf Millionen Zuschauern. "Das ist das Hauptargument. Alles andere sind Diskussionen, die das Boxen ewig begleiten werden." Eine Kirmesveranstaltung sei Boxen jedenfalls nicht, vor allem, weil die Sportler hart trainierten. Es müsse allerdings die Aufgabe sein, Top-Athleten in Stellung zu bringen. "Boxen funktioniert natürlich aus dem Sport heraus, aber zu einem ganz überwiegenden Teil auch über Köpfe." 

So gesehen haben Boxen und Fernsehen wohl mehr gemein als man so denkt. Der TV-Kopf Bommes ist jedenfalls gut im Geschäft. Neben all den Sport-Einsätzen wurden gerade erst acht neue Folgen der Quizshow "Gefragt - gejagt" aufgezeichnet, die das NDR Fernsehen ab Samstag zeigen wird. Und mit der Nachfolge von Carlo von Tiedemann in der "NDR Quiz Show" hat sich Bommes bereits das nächste Großprojekt aufgehalst. Da bleibt mitunter nicht mal Zeit für den wöchentlichen Marktbesuch mit den Söhnen. Auf die Frage, ob er ihnen eher eine Karriere im Sport oder im Journalismus empfehlen würde, gibt sich der heutige Moderator am Ende des Gesprächs übrigens ganz diplomatisch: "Momentan würde ich ihnen raten: Erst mal schlafen, dann kommt der Rest schon von alleine."