Bei ProSiebenSat.1 müssen Werbekunden und Mediaplaner ab sofort noch genauer aufs Kleingedruckte achten. Die neuen Relevanz-Zielgruppen der Sendergruppe haben beim Summer-Screening ihres Vermarkters SevenOne Media offiziell Premiere gefeiert. Jeder Senderchef zeigte mehr oder weniger stolz Charts mit Marktanteilen - welche Zielgruppe jeweils gemeint war, konnten aufmerksame Gäste mit guten Augen erspähen.
Dass der Abschied von der bisher geläufigen Referenz-Zielgruppe 14-49 noch nicht jedem schmeckt, wurde beim Screening am Montag in der Agentur-Hochburg Düsseldorf mehr als deutlich. Einerseits am Getuschel der Planer, als SevenOne-Geschäftsführer Thomas Wagner das neue System noch einmal vorstellte. Andererseits an den Versprechern der Senderchefs, die "Referenz" und "Relevanz" in ihren Präsentationen noch mehrfach durcheinander warfen.
Da fühlte sich ein besonderer SevenOne-Mitarbeiter herausgefordert: Bernd Stromberg, der neben seinem Hauptjob bei der Capitol-Versicherung bekanntlich auch dem Unterföhringer Vermarkter aushilft. Dort trägt er den klangvollen Titel "Senior Executive Vice President of Presenting Facts & Figures". Auf der Bühne des Summer-Screenings lobte er die neuen Relevanz-Zielgruppen als "cleveren Schachzug", den er selbst mit losgetreten habe. "Auf mich stehen Frauen tierisch", versuchte sich Stromberg im Erklären. "Aber eben nicht alle Frauen, sondern nur die aus dem nahen Osten. Also, aus dem ganz nahen Osten, aus Polen zum Beispiel. Dagegen hat Papa keine Schnitte bei vollbusigen Brasilianerinnen, die nebenbei noch Sport studieren."
Genauso verhalte es sich mit TV-Sendern, die man daher nicht länger über einen Kamm scheren dürfe, so Stromberg. ProSieben etwa sei für "junge, dynamische Männer", das ZDF für "senile, alte Säcke". Und das Internet, fügte Stromberg nach der Präsentation von MyVideo an, sei heute das, "was früher Berlin war - ein Ort für Leute, die's woanders nicht geschafft haben". Als übernächsten Sender nach dem im September startenden ProSieben Maxx ("für reife Besserdiener, also für mich") stellte er schon mal "ProSieben Moritz für Akademiker aus dem Bioladen" in Aussicht.
Selbstkritisch setzte sich Media-Experte Stromberg mit dem eigenen Titel und dem Hang der Unterföhringer zu komplizierten englischen Job-Beschreibungen auseinander. "Der Beruf eines Mannes muss aus einem Wort bestehen: Schreiner oder Maurer. Oder Stricher. Senior Vice irgendwas - das ist kein Beruf, sondern eine Ausrede." Für SevenOne arbeite er vor allem deshalb, weil er bei der Capitol-Versicherung allein zu wenig verdiene und der Trend allgemein zu mehreren Standbeinen gehe. "Das ist wie beim Küchentisch: Auf zwei Beinen kippst du weg. Wer wüsste das besser als die zahlreichen Junior-Mediaplaner unter Ihnen?"
Seinem dankbaren Fachpublikum legte Stromberg schließlich auch noch einzelne Highlight-Formate der Sendergruppe ans Herz, etwa die Europa League bei kabel eins. "Der Ernie unter den Sportwettbewerben", fiel ihm dazu ein. "Nimmt keiner so richtig ernst - macht aber Quote." Dass ProSieben neben Heidi Klum nun auch Claudia Schiffer verpflichtet hat, kommentierte Stromberg mit dem Spruch: "Das können die Deutschen: Fußball, Autos, Märsche - und Ärsche." Die Media-Agenturen sieht er im Herbst vor einer schwierigen Wahl zwischen Schiffer auf ProSieben und Cindy aus Marzahn auf Sat.1: "Entscheiden Sie sich für eine internationale Top-Frau, die Männern weltweit den Kopf verdreht? Oder für Claudia Schiffer?"
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