Wenn Peter Arens, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Kultur, Geschichte und Wissenschaft, von einer "neuen Ära" spricht, ist das hoch gegriffen, aber nicht ganz falsch. Aus dem 49 Jahre alten Kulturmagazin "aspekte" wird von diesem Freitag an eine Studio-Liveshow vor Publikum mit Berichten, Reportagen, Talks und Musik-Acts. "Vor 25 Jahren habe ich als junger Berlinale-Reporter bei 'aspekte' angefangen, vor zwei Jahren habe ich die neue Form erstmals ins Gespräch gebracht", erzählt Arens. Überlegungen, aus dem alten Korsett auszubrechen, habe es immer wieder gegeben - doch lange Zeit habe man den "radikalen Bruch" gescheut.
Wenn man das neue "aspekte"-Set im Studio 1 des ZDF-Hauptstadtstudios besucht und Ausschnitte aus Probesendungen der vergangenen Wochen sieht, dann merkt man, dass der Bruch in der Tat erheblich ist. Der Kultur-Dino verändert sich zu seinem Vorteil. "aspekte" bekommt nicht nur 15 Minuten mehr Sendezeit, sondern auch eine vielfältigere Spielfläche, auf der Hoch- und Popkultur prima nebeneinander passen. Noch steht die echte Premiere aus, doch die Test-Shows deuten darauf hin, dass alle Befürchtungen einer inhaltlichen Verflachung überflüssig sind.
Daniel Fiedler ist der Mann, dem dieser Spagat maßgeblich zuzuschreiben ist. Der Leiter der ZDF-Redaktion "Kultur Berlin" - von DWDL.de gerade zu einem der sieben größten Hoffnungsträger der Öffentlich-Rechtlichen 2014 gekürt - setzt klare Leitplanken: Einerseits bekennt er sich zu "bildungsintensivem Fernsehen", andererseits will er mit der Öffnung zeigen, dass Kultur nichts für den Elfenbeinturm sei.
© ZDF/Klaus WeddigDie Vorfreude darauf ist Katty Salié anzumerken. Auch wenn sie sagt, sie habe sich vom bisherigen "aspekte" im kleinen weißen Studio mit einer Kamera nicht unterfordert gefühlt. "Natürlich haben wir auch bisher schon enorm viel Hirnschmalz auf die einzelnen Moderationen verwendet. Aber die waren eben immer nur höchstens 40 Sekunden lang. Dann kam der Beitrag, dann wieder 40 Sekunden, dann der nächste Beitrag. In dem neuen Format kann ich alles bedienen - solide Anmoderationen sprechen, intensive Gespräche führen und als Reporterin rausgehen." Bei den Proben habe sie bereits tolle Momente im Zusammenspiel mit dem Studiopublikum erlebt.
Wie die Macher künftig Schwerpunktthemen vertiefen wollen, lässt sich an einer der Testsendungen gut erkennen. Da ging es um Geheimdienste und ihre Abhörpraktiken. Zunächst versuchte Tobias Schlegl in einer satirischen Reportage zu ergründen, was hinter den 22 Meter hohen Palmen auf der BND-Baustelle in Berlin steckt. Dann folgte ein Beitrag zu Robert Harris' Roman "Intrige" über die Dreyfus-Affäre und schließlich ein ausführliches Studiogespräch mit einem Politikwissenschaftler über die gesellschaftlichen Folgen des NSA-Skandals. Ihrem Kulturauftrag kommen die "aspekte"-Macher auch mit der neuen Rubrik "Das große Museumslotto" nach: Jede Woche losen die Moderatoren ein Museum aus, das in der nächsten Sendung porträtiert wird.
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