Die Experten

Die WM in Brasilien ist bereits Oliver Kahns zweite Weltmeisterschaft als Experte für das ZDF. Der einstige Welttorhüter ist seit seiner Premiere glücklicherweise deutlich gereift. Kahn traut sich inzwischen mehr denn je, eine eigene Meinung zu haben und bekommt im Zusammenspiel mit Oliver Welke nun auch deutlich mehr Gelegenheiten, auch mal so etwas wie Humor zu zeigen. Dass er gerne über die psychologischen Herausforderungen der Spieler philosophiert, ist ihm kürzlich selbst bewusst geworden - nach diversen Spielen, die er analysierte, schien es für einen Moment, als könne er sich selbst nicht mehr reden hören. Das war ebenso sympathisch wie die Auftritte von Mehmet Scholl, der sich prima mit Matthias Opdenhövel ergänzt und ihm auch mal Contra gibt. Als Opdenhövel immer wieder von "Spezialkräften" sprach, korrigierte Scholl ihn so lange, bis sich der Moderator einsichtig zeigte und versprach, das Wort aus seinem Vokabular zu streichen. Scholl verzichtete bislang im Gegenzug auf Wundliege-Sprüche und Ähnliches.

Die Kommentatoren

Kommentatoren haben es ja bekanntlich nicht leicht, es allen recht zu machen. Dem einen reden sie zu viel, dem anderen zu wenig. Und manchmal kommt es gar vor, dass sie etwas Unüberlegtes sagen. "Die Iraner, das sind Südländer, da ist nicht alles perfekt organisiert", gab Steffen Simon kürzlich zu Protokoll, ruderte aber noch während des Spiels zurück. Er habe "etwas politisch Unkorrektes" gesagt. Dass das beinahe schon der einzige "Skandal" dieser WM war, sagt allerdings viel darüber aus, wie unspektakulär diese Weltmeisterschaft mit Blick auf ihre Kommentatoren abläuft. Da wird sich schon darüber aufgeregt, dass Gerd Gottlob beim ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft mehrfach ein patriotisches "Wir" über die Lippen ging. Kurzum: Keine besonderen Auffälligkeiten.

Die Nationalmannschafts-Reporter

Wirklich gut kam Katrin Müller-Hohenstein schon als Moderatorin bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren nicht weg. Ihre Dialoge mit Oliver Kahn am Ostseestrand wirkten mitunter ziemlich hölzern, was der Stimmung bei den Senioren in den Liegen nicht gerade zuträglich war. Dass sie bei der Weltmeisterschaft in Brasilien als Reporterin ins Lager der Nationalmannschaft abgeschoben wurde, bot die Chance, mit kritischen Fragen aufzufallen. Leider bleiben nun jedoch vor allem Gespräche in Erinnerung, in denen sich Müller-Hohenstein Spielern und Trainern förmlich anbiederte. Das sah eher nach Fangirl aus als nach hartnäckiger Reporterin. Der ebenfalls zur Nationalmannschaft degradierte Gerhard Delling machte das schon deutlich besser. Nicht, dass seine Interviews völlig neue Erkenntnisse zu Tage förderten. Im Gegensatz zu seiner ZDF-Kollegin bewahrte der ARD-Mann aber stets die nötige Distanz mit jener Nüchternheit, die ihn einst schon an der Seite von Günter Netzer auszeichnete.

Die Quoten

Die mit Abstand meisten Zuschauer erreichten während der Vorrunde erwartungsgemäß die Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Mit 26,36 Millionen Zuschauern war das Interesse gleich zum Auftakt riesig, das Spiel gegen die USA erreichte sogar 27,25 Millionen Fans. Der Marktanteil lag in der Zielgruppe bei mehr als 87 Prozent und damit fast schon auf Endspiel-Niveau. Erfolgreichstes Spiel ohne deutsche Beteiligung war das Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien, das trotz der späten Anstoßzeit von fast 16 Millionen Fans gesehen wurde. Gegen Ende der Vorrunde blieben allerdings nicht mehr ganz so viele Fans wach - hier konnte die Marke von zehn Millionen Zuschauern oft nur mit Mühe geknackt werden. Die wenigsten Fans lockte wenig überraschend das Spiel zwischen der Elfenbeinküste und Japan vor den Fernseher. Das sahen nur 1,6 Millionen Fans. Allerdings wurde es auch um 3 Uhr deutscher Zeit angepfiffen und damit so spät wie kein anderes.

Der WM-Club

Die Zeit zwischen den Spielen kann mitunter ganz schön lang werden. Das hat man auch bei der ARD festgestellt, weshalb man mit Beginn der letzten Gruppenspiele dazu übergangen ist, den "WM-Club" in die Analysen von einzubauen, um Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl auch mal eine Ruhepause zu gönnen. Vielleicht hätte man aber eher den Weg des ZDF gehen sollen, das sich dazu entschloss, lieber eine Dokumentation einzuschieben. Auf Marietta Slomkas Südamerika-Reise erfuhr man jedenfalls deutlich mehr als bei Fernanda Brandaos Ausflügen an den Strand von Rio oder zur Christusstatue. Der "WM-Club" mit Alexander Bommes, dem anscheinend ein 30-köpfiges Wortspiel-Team zur Seite gestellt wurde, geriet derweil reichlich belanglos und beschäftigte sich allenfalls mit Nebensächlichkeiten wie der Frage, welcher Spieler der schönste ist. Feministinnen hätten an der Kür durch Moderatorin Julia Scharf und Model Franziska Knuppe sicher ihre helle Freude gehabt. Gut, dass später nicht auch noch Rolf Eden Champagner schlürfend mit zwei Frauen im Cabrio saß. Oh, Moment.