Wäre "Die Burg" nicht dazwischengekommen, hätte es wohl keine sieben Jahre gedauert, ehe sich ProSieben zu einer Fortsetzung seines alpenländischen Dschungelcamp-Verschnitts durchringen konnte. Dementprechend sparte man gleich zu Beginn der neuen Staffel der "Alm" nicht mit Anspielungen auf den Quoten-Hit von RTL: Zum "Schunkelcamp" begrüßte Daniel Aminati die Zuschauer und stellte daraufhin - in Anspielung auf die australische Zeitverschiebung - fest, dass es in den Südtiroler Bergen genauso spät sei wie bei den Zuschauern zu Hause.
Keine Frage: "Die Alm" muss sich dem Vergleich mit dem Dschungelcamp stellen, so offensichtlich ist die ähnliche Ausrichtung beider Formate. Am wichtigsten sind natürlich die Kandidaten: Ohne geeignete Teilnehmer wird es selbst für die besten Fernsehmacher schwer, über zwei Wochen hinweg gute Unterhaltung zu liefern. In diesem Punkt hat ProSieben gute Arbeit geleistet: Das Promi-Personal ist nicht besser oder schlechter als das von RTL - vielleicht ein wenig "Topmodel"-lastig, aber dank des bankrotten und gerade geschiedenen Ex-Bundesliga-Trainers Werner Lorant mitunter auch überraschend. Der gab "Topmodel"-Juror Rolf Scheider gleich einen fußballväterlichen Rat mit auf den Weg: "Hald den Ball flach."
Doch ProSieben hat auch bei RTL gewildert. Dabei mutet es fast schon ein wenig kurios an, dass mit Carsten Spengemann ein ehemaliger Moderator von "Deutschland sucht den Superstar" gemeinsam mit einem ehemaligen Kandidaten der Castingshow auf der "Alm" hausen muss - Dschungel-Erfahrung hat Spengemann allerdings ohnehin bereits gesammelt. Mit "Checker" Thomas scheint der Moderator jedoch nur bedingt klarzukommen. Wie übrigens auch der Rest der Truppe. Als der Sänger über die wenig komfortablen Betten schimpfte, stellte Dschungelkönig-Ex Charlotte Karlinder fest: "Das ist nichts für Superstars." Ein wahrer Satz, gelassen ausgesprochen.
Nicht ganz so gelassen schienen die Moderatoren der "Alm" zu sein. Als plötzlich ein falscher Film gezeigt wurde, war kurzzeitig die aufgebrachte Janine Kunze zu sehen - und vor allem zu hören: "Wir haben keinen Text mehr", schrie sie. Doch da war es schon zu spät. Auch Daniel Aminati, sonst in der Rolle des "taff"-Moderators zu sehen, konnte da nicht mehr viel ändern. A propos "taff": Es ist ein wenig schade, dass die Berichte über die "Alm"-Bewohner eher den Charme eines Boulevardmagazin-Berichts haben und nicht, wie von den Kollegen des RTL-Dschungels perfektioniert, vor Ironie und Spitzen nur so strotzen. Da hilft auch so mancher gequälte Seitenhieb des Moderatoren-Duos nicht.
Fragen warf auch die erste Dschungelprüfung, pardon: Muhprobe, auf, der sich Ex-"Topmodel" Tessa Bergmeier stellen musste. Dass sie von den Zuschauern per Online-Voting gewählt wurde, klärten Kunze und Aminati erst nach der Prüfung auf - zugleich verzichtete ProSieben darauf zu zeigen, wie Bergmeier überhaupt von der Entscheidung des Publikum erfuhr. Ihr Probe bestand das Model allerdings sehr ordentlich: Im Dunkeln ertastete sie allerlei Lebewesen, die man so in den Südtiroler Bergen findet. Krebse etwa, oder - aber das war zugegebenermaßen recht lustig - eine Wollmütze, die Tessa für ein süßes Tierchen hielt.
Ein wenig unausgereift wirkte diese Prüfung aber in jedem Fall, doch das galt letztlich für die komplette Premieren-Sendung der neuen "Alm"-Staffel. Stellenweise wurde man den Eindruck nicht los, man habe bis zur letzten Minute mit heißer Nadel an der Show gestrickt. In den kommenden beiden Wochen sollte mehr drin sein. Dann hat "Die Alm", nicht zuletzt dank spannender Promi-Konstellation, durchaus das Zeug zur kurzweiligen Sommer-Unterhaltung. Der Dschungel ist allerdings nicht nur geografisch ein deutliches Stück von der idyllischen Bergwelt Südtirols entfernt.
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