Black Lightning © Netflix
DWDL.de-Serienkritik

"Black Lightning": Zu viel Schablone, zu wenig Action

 

Das schmerzt: Nachdem Netflix mit "Luke Cage" eine sehenswerte Serie über einen schwarzen Superhelden auf die Reise schickte, kann der Neustart "Black Lightning" nicht daran anknüpfen - auch, weil gesellschaftliche Debatten zu holzschnittartig daherkommen.

von Kevin Hennings
23.01.2018 - 14:15 Uhr

Seit anderthalb Jahren hat Netflix "Marvel‘s Luke Cage" nun im Programm – eine Serie mit einem schwarzen Superhelden, der sich gekonnt mit Rassismus auseinandersetzt, vor allem aber als verdammt coole Socke daherkommt. In diese Kerbe schlägt neuerdings auch "Black Lightning", der in den USA bei The CW zu finden ist und hierzulande dem Streamingdienst Netflix neue Superkräfte verleihen soll. Dummerweise legt die Serie all jene Schwächen an den Tag, denen "Luke Cage" erfolgreich aus dem Weg gegangen ist.

Dabei ist der Twist anfangs ein ganz netter: "Black Lightning", mit bürgerlichem Namen Jefferson Pierce (Cress Williams) genannt, ist Schulleiter einer High School und Vater zweier Töchter, die auf eben jene Schule gehen. Seit neun Jahren führt er ein bescheidenes und ruhiges Leben mit seiner Familie. Vor diesen neun Jahren hatte er jedoch einen etwas spezielleren Job: Als Black Lightning, man könnte ihn als eine Mischung aus Iron Man und Batman sehen, da er sich seine Superheldenrüstung selbst gebaut hat, bekämpfte er die Bösewichte der Stadt. Aus Familiengründen hörte er damit auf – und fängt nun, aus der gleichen Intention heraus, wieder damit an.

Seine alte Rüstung kramt er genauer gesagt deswegen wieder hervor, weil die örtliche Gang “100” langsam, aber sicher die Überhand über seine Stadt gewonnen hat. Die direkte Bedrohung seiner Töchter sorgt schlussendlich dafür, dass er aus seinem Ruhestand zurückkehrt. Dieses Szenario klingt zwar nach einer typischen Superheldenstoryline – doch wird es tatsächlich um einiges schlimmer.

"Luke Cage" basiert auf den gleichen Bausteinen, hat das wenig innovative Grundgerüst aber so erweitert, dass eine einzigartige Geschichte gar nicht nötig war, um für ein unterhaltsames Seherlebnis zu sorgen. Auch "Black Lightning" nimmt diese Bausteine, versieht sie aber vor allem mit zwei Elementen: Stereotypen und Klischees.

Es braucht weniger als fünf Minuten, bis die Serie dafür das erste Beispiel liefert: Jefferson Pierce holt seine Tochter von einer Demonstration ab, bei der es darum geht, sich lautstark gegen die schwarzen Gangs der Umgebung auszusprechen. Auf der Heimfahrt werden sie von der Polizei angehalten und direkt in die Mangel genommen. Eine laute Diskussion entsteht, und als die Tochter das Handy zückt, um diese Ungerechtigkeit zu filmen, schreit Papa ihr zu, das sein zu lassen. Unbeeindruckt davon, lässt der weiße Polizist die Handschellen klacken und zieht den ehemaligen Superhelden zu seinem Auto. Dort erwartet ihn eine ältere Dame, die ihn identifizieren soll. Sie schüttelt den Kopf, er wird wieder frei gelassen. Wie sich kurz darauf herausstellt, wird jemand gesucht, der einen Laden ausgeraubt hat. Warum dafür der Anzug-tragende und Volvo-fahrende Mr. Pierce mit Gewalt kontrolliert wurde, wird nicht erklärt. Auch später nicht.

Diese Szene sollte nämlich nur deutlich machen, welchen Ton "Black Lightning" für den Rest der Laufzeit anpeilen wird. Schwarz gegen Weiß, Weiß gegen Schwarz – und dazwischen Black Lightning als eine Art Moralapostel. Schablonenhafter geht es nicht. Nun kann man natürlich lobend herausstellen, dass die Serie eine aktuelle politische Debatte aufgreift, die in den USA geführt wird. Das Problem ist jedoch, "Black Lightning" keine Lösungsansätze bietet für den angesprochenen Rassismus, den es in der echten Welt zur Genüge gibt. Am Ende könnte man beinahe den Eindruck gewinnen, die Gegensätze sollen noch forciert werden. Daran ändert dann auch der schwarze Superheld nichts mehr.

Natürlich lässt sich argumentieren, man solle sich die politische und soziale Bildung doch bitte von anderswo holen und nicht von einem Superhelden, der sich Black Lightning nennt. An dieser Stelle muss jedoch auch an das Verantwortungsbewusstsein der Serienmacher appelliert werden, die durch die holzschnittartige Darstellung die Chance vertun, ein ernsthaftes Thema geschickt in die Heldengeschichte einzubauen. Weil daneben auch der Unterhaltungswert allenfalls im unteren Mittelmaß einzugliedern ist, sollten sich die Zuschauer die Action der alten Superheldenschule lieber gleich woanders suchen. "Luke Cage" zeigt, wie's besser geht. 

"Black Lightning" wird ab sofort wöchentlich bei Netflix ausgestrahlt

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