Kopfgeld © MG RTL D/Sony Pictures
DWDL.de-TV-Kritik zur neuen RTL-Show

"Kopfgeld": 100.001 Euro für einen Wimpernaufschlag

 

Ganz normale Kandidaten wie du und ich müssen in der Wildnis diverse Hindernisse überwinden, um so an 100.001 Euro zu kommen. Die neue RTL-Show "Kopfgeld" ist vielversprechend, auch wenn es manchmal an Tempo fehlt und die Kandidaten zum Auftakt vor allem Klischees erfüllen.

von Timo Niemeier
17.02.2018 - 00:01 Uhr

Als "Action-Gameshow" hat RTL sein neues Format "Kopfgeld" mit Jenke von Wilmsdorff angekündigt. Wie actiongeladen die Show tatsächlich ist, lässt sich nach der ersten Folge noch nicht abschließend sagen. Schließlich geht es in der kommenden Woche weiter. Tatsächlich ist RTL hier aber eine Show gelungen, die es so im deutschen Fernsehen bislang noch nicht gegeben hat. Das Konzept: Fünf Kandidaten werden in Rumänien ausgesetzt und müssen über zwei Tage hinweg verschiedene Herausforderungen meistern, um ins Ziel zu kommen. Jeder Kandidat ist dabei, je nach Fitnesslevel, mit einem Kopfgeld ausgestattet. Der fitteste Teilnehmer ist nur einen Euro wert, der vermeintlich schwächste dagegen 50.000 Euro. Und da sich die Kandidaten am Ende das Geld teilen, sollten sie dafür sorgen, dass möglichst alle ins Ziel kommen. 100.001 Euro stehen auf dem Spiel.

Das Konzept klingt vielversprechend, als Zuschauer darf man sich nur nicht von der klischeehaften Vorstellung der Kandidaten abschrecken lassen. Da wäre das Model, das sagt, sie müsse auf der Straße leben, wenn ihr Gesicht kaputt gehe. Der Fitteste in der Runde muss auf einer Baustelle mit freiem Oberkörper Klimmzüge machen, während seine Kollegen hinter ihm arbeiten. Die Kosmetikerin in der Runde sagt, sie habe Angst vor Leitern und gluckst in die Kamera: "Zur Not klimpere ich einfach ein bisschen mit den Wimpern, dann hilft mir schon jemand." Und dann wären da noch zwei etwas beleibtere Männer, die gerne Rockmusik hören, BBQ essen und Bier trinken. Die Rollen sind also schnell verteilt. So weit, so RTL.

Glücklicherweise geht es dann aber weg von Äußerlichkeiten und Klischees, die Show besinnt sich schnell auf ihre Stärken: Die verschiedenen Herausforderungen und die Probleme der Kandidaten, mit eben diesen umzugehen. Die Teilnehmer müssen eine zehn Meter hohe Wand mit zwei Leitern überwinden, sie müssen sich abseilen, nach oben ziehen und dabei immer darauf achten, keine Fehler zu machen. Wird eine Challenge nämlich nicht geschafft, muss eine Hilfe in Anspruch genommen werden, die Geld kostet. Wer am Ende unter null Euro fällt oder einzelne Herausforderungen ablehnt, ist sofort draußen. Bei einzelnen Herausforderungen scheiden die Kandidaten sofort aus, wenn sie diese nicht schaffen. Und so setzt das Fünferteam alles daran, auch die Schwächsten in der Gruppe mitzuziehen. Manchmal ist das schon fast zu harmonisch. Doch es ist spannend zu sehen, wie die einzelnen Gruppenmitglieder bei den verschiedenen Aufgaben kämpfen.

Für Couchpotatoes ist die Show eigentlich ideal. Kann man sich doch gemütlich vor dem Fernseher ansehen, wie einzelne Kandidaten bei vermeintlich einfachen Aufgaben (Ziplining) verzweifeln. Dass es in der Auftaktshow eher um machbare Aufgaben ging, bestätigt aber auch die Tatsache, dass die Kandidaten am Ende noch relativ viel Geld haben. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass RTL vorerst zwei Ausgaben der Show produziert hat. In der zweiten Folge dürfte es also um einiges schwieriger werden und vielleicht geraten dann nicht nur die üblichen Verdächtigen ins Schwitzen.

Jenke von Wilmsdorff hat vor der Ausstrahlung der ersten Folge bereits verlauten lassen, er sehe sich weniger als Moderator, sondern eher als Motivator für die Teilnehmer. Das ist er tatsächlich, wenn er den Schwachen aus der Gruppe nach einer bestandenen Prüfung gut zuredet und ihnen sagt, wie stolz sie auf sich sein können. Hier verliert die Show immer etwas an Tempo, es wird ein bisschen zu oft und zu lange über die Ängste der Kandidaten geredet. Die werden ja in den Prüfungen auch gut sichtbar. Da hilft es auch nichts, dass von Wilmsdorff die Kandidaten das ein oder andere Mal zur Eile mahnt, weil die Sonne unterzugehen droht. Und wie immer ist Jenke von Wilmsdorff weniger ein Motivator im Sinne von Detlef D! Soost ("Pam Pam Pam!"), sondern eher einer, der so langsam und ruhig spricht wie ein Mönch während des Klostergebets.

Das Team jedenfalls versteht sich in der ersten Folge auffällig gut, es fehlt ein wenig an Reibereien. Für große Streitereien bleibt bei einer Gesamtreisedauer von nur zwei Tagen aber auch wenig Platz. Auch auf diese zwischenmenschlichen Ebene könnte "Kopfgeld" also sicher noch etwas mehr bieten als das, was in der Auftaktshow zu sehen war. Dennoch ist RTL und der Produktionsfirma Sony Pictures FFP hier eine unterhaltsame Show gelungen, die in der jetzigen Form auch gut am etwas späteren Abend programmiert ist. Wie gut "Kopfgeld" allerdings mit "Big Bounce" harmoniert, muss sich erst noch zeigen. Denn auch wenn das neue Format eine "Action-Gameshow" sein soll - in der Trampolinshow geht es deutlich actiongeladener zu. Aber was nicht ist, kann ja noch werden: In der zweiten Ausgabe von "Kopfgeld" dürften die Prüfungen spektakulärer werden. Irgendwie muss man die Kandidaten ja fordern – und ihnen so Geld wegnehmen. Würden Sie mit 100.001 Euro ins Ziel kommen, wäre es ja langweilig. Und dann ist es vielleicht auch mit der guten Laune und dem Verständnis für die vermeintlich Schwächsten schnell vorbei. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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