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The Last OG © TBS
DWDL.de-Serienkritik

"The Last O.G.": Tracy Morgan kehrt eindrucksvoll zurück

 

Nachdem der "30 Rock"-Star 2014 durch einen Auto-Unfall beinahe sein Leben verloren hatte, steht Tracy Morgan nun erneut auf der großen Fernseh-Bühne. Jetzt startet seine TBS-Comedy "The Last O.G." auch in Deutschland. Die Serienkritik...

von Kevin Hennings
07.06.2018 - 16:52 Uhr

Wenn ein lebensveränderndes Ereignis eintritt, hält auch der lustigste Komiker mal inne, um Melancholie walten zu lassen. Die Rede ist von Tracy Morgan, der von 2006 bis 2013 maßgeblich mit dafür verantwortlich war, dass "30 Rock" ganze 16 Emmy gewinnen konnte. Als Tracy Jordan spielte er einen verwöhnten B-Schauspieler, bei dem man nie vorhersehen konnte, was er als nächstes tut. Wem der ähnelnde Name nicht Hinweis genug ist: Er spielte in gewisser Weise sich selbst. Der Mann, der auch dem internationalen Publikum mit dieser herrlichen Selbstironie immer mehr aufgefallen ist, geriet 2014 nach einem Stand-Up-Auftritt jedoch in einen Unfall, der sein Leben beinahe beendet hätte. Sein Tourbus wurde von einem Walmarkt-Laster gerammt, der Wagen überschlug sich. Einer der sieben Insassen starb. Drei von ihnen, darunter Morgan, erlitten kritische Verletzungen. Acht Tage lag er im Koma und musste danach ganz von vorne beginnen, noch einmal das Laufen erlernen. Nun, vier Jahre später, feiert "The Last O.G." Premiere. Seine nächste Comedy-Serie.

Während sich so mancher nach solch einem Schicksalsschlag wohl viel länger zurückgezogen hätte, wirkt Morgan heute so, als hätte er das Showbusiness nie verlassen. Nun ja, beinahe. Er selbst hat sich nicht verändert, das Showbusiness aber schon. Um der Welt zu vermitteln, was genau damit gemeint ist und wie es sich für ihn selbst anfühlt, wieder da zu sein, hat er "The Last O.G." nicht als klassische Comedy inszeniert. Zusammen mit Oscar-Gewinner und Showrunner Jordan Peele und John Carcieri ist die TBS-Serie, die nun auch in Deutschland bei TNT Comedy zu sehen ist, einmal mehr eine Welt, in der Morgan in gewisser Weise sich selbst spielt.

Tracy Morgan verkörpert Tray Barker, der im einen Moment noch mit seiner Freundin Shay (Tiffany Haddish) kuschelt, ehe er im anderen dank einer kleinen Dealerei von einer Schar Polizisten umzingelt und festgenommen wird. 15 Jahre Gefängnis sind das Resultat. Als er schließlich wieder aus seiner kleinen Zellen freigelassen wird, friert sein Lächeln jedoch schnell wieder ein. Denn so sehr er sich auf seine Heimat Brooklyn gefreut hat, so schockiert ist er auch, wie sehr sich alles geändert hat. Der alte Kiosk, in dem er immer gedealt hat, ist nun ein Bio-Supermarkt, die schwarzen Jungs im Viertel plötzlich alle schwul und Shay, die in seiner Abwesenheit scheinbar seine Kinder bekommen hat, datet nun einen weißen Mann. Komplett überfordert von all den Veränderungen versucht Tray, wieder Anschluss in sein altes Leben zu finden. Dies fällt dem Chaoten jedoch alles andere als leicht.

Dass nach seinem Gefängnisaufenthalt nicht alles nach Plan verlaufen wird, verrät das erste Wiedersehen von ihm und seiner ehemaligen Freundin Shay. Mit der Hilfe eines Freundes, der im Auto laut "Since U Been Gone" von Kelly Clarkson laufen lässt, wollte er sie überraschen und wieder in seine Arme schließen. Dass das nach 15 Jahren nicht so einfach möglich ist, auch weil da nun eben ein anderer Mann an ihrer Seite ist, zeigt klar die Richtung, die "The Last O.G." einschlagen möchte. Es soll lustig sein, ja. Tracy Morgan ist dafür bekannt, die Bühne immer mit einem Lacher zu verlassen. Doch es soll auch melancholisch sein und zeigen, dass das Leben weitere Facetten hat. Facetten, die Morgan nach mehreren Jahren Arbeitszwangspause nun entdecken musste, weil er zum ersten Mal in seinem Leben nicht nur der witzige Mann sein konnte. Morgan lässt damit tief in sein Seelenleben blicken.

Mit dem “Unbreakable Kimmy Schmidt”-Grundsetting bietet “The Last O.G.” gleichzeitig jedoch eine Fläche für zahlreiche Gags in alter Morgan-Manier, die jeden Fan zufriedenstellen wird. Es ist aber nicht nur Morgans Humor, der so erheiternd daherkommt. Mit Jordan Peele als Showrunner ist ein Mann an Bord, der viele Jahre in "Key & Peele" gezeigt hat, welch grandiose Pointen er auf Lager hat. Auch dafür gab es seinerzeit zwei Emmys. "The Last O.G." kann sich also nicht nur mit eindrucksvollen Namen schmücken, sondern verwertet diese auch beinahe auf die beste Art und Weise. Auch schön: Selbst die Gewinner der renommiertesten Preise lassen es sich nicht nehmen, so manchen Pipi-Kacka- oder Penis-Witz zu reißen. "Der Phallus ist das größte Comedy-Gold, das es gibt", hat es der in der Serie auftretende Comedian Mullins (Cedric the Entertainer) passend zusammengefasst.

Wer mit so etwas nichts anfangen kann und es auch nicht lustig findet, wenn Tray davon erzählt, dass es im Gefängnis vor allem darum geht, Arschlöcher in Parkgaragen umzufunktionieren, wird mit "The Last O.G." also nicht viel Spaß haben. Doch das war sowieso schon immer Tracy Morgans Humor. Schön, dass er ihn nach dieser schweren Zeit behalten konnte.

Die erste zehnteilige Staffel von "The Last O.G." ist ab heute bei TNT Comedy zu sehen. Jeden Donnerstag um 21 Uhr werden zwei Folgen ausgestrahlt. Eine zweite Staffel wurde von TBS bereits bestätigt. 

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