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Jung, weiblich, Boss! Mit Designerin Jette Joop © RTL II
DWDL.de-TV-Kritik

Jung, weiblich, naiv: Jette Joops verpasste Chance

 

In der neuen RTL-II-Show "Jung, weiblich, Boss!" will Designerin Jette Joop junge Unternehmerinnen auf ihrem Weg zum Erfolg begleiten. Leider hapert die Sendung schon an der Auswahl der Kandidatinnen und ihrem fehlenden Sinn für Realität.

von Alexander Krei
06.08.2018 - 22:15 Uhr

RTL II kommt gleich zur Sache. Gerade einmal 15 Prozent der Unternehmensgründer in Deutschland sind weiblich, rechnet der Sender vor - und will mit seinem neuen Format etwas dagegen tun. "Jung, weiblich, Boss!" nennt sich das Format, mit dem RTL II auf den Zug der Gründershows aufspringen will, der mit der "Höhle der Löwen" eigentlich schon weit enteilt ist. Acht Frauen hat man ausfindig gemacht und ihnen mit der Designerin Jette Joop eine erfahrene Unternehmerin zur Seite gestellt.

Deren Präsenz hält sich zumindest in der Auftaktfolge allerdings erstaunlicherweise noch in argen Grenzen. "Stell dir einfach vor, ich bin ein Plüschtiger mit rosa Ohren", sagt Joop zu einer Kandidaten, die ihr etwas aufgeregt gegenübersitzt. Auch sonst sind ihre Ratschläge nicht allzu tiefschürfend. Stattdessen will sie etwas über die Wünsche und Träume der Frauen erfahren, die diese zu Papier bringen und schließlich in einer "Zielbox" verstauen sollen. Das mag zwar nett gemeint sein, riecht aber eher nach Beschäftigungstherapie für Grundschüler als nach knallhartem Business-Plan.

Auch sonst kommt die 50-Jährige noch nicht immer wie die ideale Ratgeberin daher. "Das eigene Unternehmen hat den großen Vorteil, dass man selber bestimmen kann, wann man aufsteht und wann nicht", sagt Joop, um dann den ultimativen Vorteil hinterherzuschieben: "Und mit wem man ins Bett geht und wem nicht." Ob das tatsächlich die zentralen Eigenschaften sind, die man jungen Existenzgründerinnen an die Hand geben muss, sei mal dahingestellt. Besonders, wenn die Kandidatinnen - vorsichtig formuliert - nicht vollends fokussiert sind.

Das wahre Problem der Sendung liegt nämlich ohnehin, nach allem, was man nach der ersten Sendung sagen kann, in der Auswahl der Gründerinnen. Leider haben es RTL II und die Produktionsfirma 99pro nämlich versäumt, ambitionierte Frauen auszuwählen, und es stattdessen vorgezogen, den Schwerpunkt auf diejenigen zu legen, deren Ideen mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben. Dadurch wird zwangsläufig ein Bild gezeichnet, das den meisten Gründerinnen in diesem Land nicht gerecht werden dürfte.

Jung, weiblich, Boss! Mit Designerin Jette Joop
© RTL II

Kandidatin Myra (27) möchte mit einer Girl-Performance-Show die Bühnen der Welt erobern

Die vorgestellten Unternehmenskonzepte bewegen sich in einem Spektrum von Kraulsalon bis Stripshow - wirkliche Innovationen sucht man vergebens. Hinzu kommt eine bisweilen erstaunliche Naivität. Da wäre etwa die 27-jährige Myra, die sich nach der Insolvenz ihres Cup-Cake-Ladens nun allen Ernstes mit einer weiblichen Chippendales-Variante in Las Vegas ein neues Standbein aufbauen möchte. Jette Joop versucht ihr das zwar noch auszureden, weil sie sich um den Ruf der jungen Frau sorgt, doch den Vegas-Trip kann sie dann doch nicht verhindern.

Und so wird Myra von der Kamera in die amerikanische Glücksspiel-Stadt begleitet, wo sie in einem Hotel zunächst nicht mehr bekommt als die Email-Adresse der Presseabteilung, was aber im Falle der jungen Frau und ihrer Freundin schon ausreicht, um eine überraschend große Euphorie-Welle auszulösen. Da muss erst ein deutscher Auswanderer um die Ecke kommen, um ihr angesichts der zu erwartenden horrenden Kosten die Augen zu öffnen. Spätestens da fragt man sich: Wo ist eigentlich Jette Joop?

"Jung, weiblich, Boss! Mit Jette Joop" läuft montags um 20:15 Uhr bei RTL II.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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