Big Blöff © Sat.1/Willi Weber
DWDL.de-TV-Kritik

"Big Blöff" in Sat.1: Baron Münchhausen gefällt das

 

In seiner neuen Show vereint Sat.1 vier bekannte Comedians, die sich gegenseitig an der Nase herumzuführen versuchen. Weil die Spielidee gelungen ist, kommt bei allem Klamauk zwischenzeitlich sogar etwas Spannung auf. Die TV-Kritik zu "Big Blöff"...

von Alexander Krei
02.11.2018 - 21:45 Uhr

Wer in den nächsten Wochen freitags Sat.1 einschaltet, wird womöglich glauben, er sei bei RTL gelandet. Diesen Eindruck legt zumindest das Personal nahe, das gemeinsam auf der Bühne steht. Da spielen Bülent Ceylan und Chris Tall gegen Paul Panzer und Martin Rütter – und selbst Moderatorin Janin Kunze, einst als Tochter von "Hausmeister Krause" bekannt geworden, hat man zuletzt desöfteren schon bei RTL gesehen. Nun ist es freilich keineswegs so, dass RTL von Köln nach Unterföhring umgezogen ist. Doch zumindest im Comedy-Bereich hat Sat.1 in der jüngeren Vergangenheit ordentlich beim Rivalen von Rhein gewildert.

Geschehen ist das in der Hoffnung, dem "Fun Freitag" neues Leben einzuhauchen. Das Unterfangen ist bislang zwar mäßig erfolgreich, gibt dem Sender aber immerhin das dringend benötigte Profil. Mit "Big Blöff", einer Show, an der Baron Münchhausen vermutlich seinen Spaß hätte, geht Sat.1 jetzt den nächsten Schritt. Die simple Grundidee besteht darin, dass sich die Komiker gegenseitig an der Nase herumführen wollen. Natürlich erfindet die Sendung weder das Rad noch das Fernsehen neu – den Kniff, die Comedians für ihren Teil des Publikums Geld zu erspielen, hat man sich sogar einigermaßen dreist von "Wer weiß denn sowas?" abgeschaut –, doch Spaß macht das Zuschauen über weite Strecken hinweg trotzdem. 

Das liegt gar nicht so sehr am, mit Ausnahme der Moderatorin durchweg männlichen, Personal, sondern vielmehr am guten Spielprinzip. Nach jeder Geschichte, müssen die gegnerischen Zuschauer darüber abstimmen, ob ihnen gerade die Wahrheit oder doch ein Blöff aufgetischt wurde. Vom Ergebnis hängt schließlich davon ab, wie viel Geld vom Konto der Kontrahenten geplündert wird. Dadurch ist tatsächlich bis zum Schluss nur schwer abzuschätzen, welche Mannschaft gewinnt, zumal in Anbetracht von manch absurder (Lügen-)geschichte in aller Regel auch kein breites Allgemeinwissen weiterhilft.

Gleich zu Beginn präsentiert etwa Chris Tall zwei beleibte Japaner, von denen er behauptet, sie können in ihren Bauchfalten Sushi rollen – es ist der erste Blöff des Abends. Dass die Herrschaften stattdessen mit ihren großen Körpern die kuriosesten Geräusche imitieren können, erweist sich letztlich aber als kaum weniger absurd. "Das ist das kränkeste, das ich je gesehen habe", tönt Bülent Ceylan bei der folgenden, ganz eigenen Interpretation einer Delfin-Liebesgeschichte. Wenig später entpuppt sich ein Kanadier, dem Martin Rütter zuvor noch eine eingetragene Partnerschaft mit einer Spinne nachsagte, als das meistgebuchte Spinnen-Double Hollywoods.

Big Blöff
© Sat.1/Willi Weber

Es ist eine ganz gute Mischung aus Ehrgeiz, die Gegner zu entlarven, und Humor, die die Produktion von Constantin Entertainment an den Tag legt. Glücklicherweise neigt "Big Blöff" nur selten zum peinlichen Klamauk. So wie bei der von "Ausziehen! Ausziehen!"-Rufen begleiteten Präsentation eines witzigen Büstenhalters, der sich zur Minigolf-Bahn umfunktionieren lässt. Oder in der letzten Runde, als sich Martin Rütter eine alberne Verkleidung überstülpen muss, um mit seinem Team-Partner Paul Panzer ein angebliches Schamanen-Ritual nachzustellen, das es so oder so ähnlich tatsächlich zu geben scheint, wie ein ein Einspieler ("Quelle: YouTube") kurz darauf nahelegt.

Fraglich bleibt jedoch, ob Sat.1 gut beraten ist, in jeder Show dasselbe Personal gegeneinander antreten zu lassen – alleine schon wegen der Frauen-Quote. Aber vermutlich hat RTL auf seiner Gehaltsliste schlicht zu wenige weibliche Comedians, die Sat.1 nach Unterföhring locken könnte.

"Big Blöff" läuft freitags um 20:15 Uhr in Sat.1.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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