Haus des Geldes 3 © Netflix
DWDL.de-Serienkritik

"Haus des Geldes 3": Größer, besser und vergoldet

 

Zwei Jahre nach dem Einbruch in die spanische Banknotendruckerei müssen der Professor und sein Team den nächsten Coup planen. Doch kann der neue Dreh überhaupt gelingen? Die Antwortet lautet: Ja. Selten fühlte sich eine Fortsetzung so richtig an.

von Kevin Hennings
20.07.2019 - 13:30 Uhr

Ein Raubüberfall auf Spaniens Banknotendruckerei später befindet sich die "Haus des Geldes"-Gang mit über einer Milliarde Euro im Gepäck auf der Flucht. "Keine Telefone und nicht Europa", das sind die einzigen beiden Regeln, die für das erfolgreiche Untertauchen aufgestellt wurden. Einer der großen Gewinner dieses einzigartigen Verbrechens gehört der eigentlichen Kriminellentruppe jedoch gar nicht an: Arturo Román (Enrique Arce), der Direktor der Banknotendruckerei, der während des Überfalls vor allem mit fehlplatzierter Dummheit glänzte, wird nun völlig unvorhersehbar als Held gefeiert. Wie es Tony Robbins nicht besser könnte, tritt er in der dritten Staffel der Netflix-Serie mit breit ausgestreckten Armen und einer gekonnten "Birdman"-Plansequenz unter lautstarkem Beifall die Bühne, die ihm für einen Ted-Talk gegen Terrorismus zur Verfügung gestellt wurde. Tokyo, Denver und der Rest seiner Peiniger werden denunziert, bevor er seine Predigt mit einem Schlachtruf beendet: "Ich entscheide mich, meine Probleme anzupacken!"

Probleme, die auch der Professor (Álvaro Morte) und seine Schützlinge nicht für immer abstreifen konnten. Nach der Flucht ließen sich er und seine Mitmillionäre auf den schönsten Inseln der Welt nieder, um endlich das Frührentnerleben genießen zu können. Ihre ungewohnte Ruhe herrschte für genau zwei Jahre, bis sie eine der oben genannten Regeln gebrochen haben. Aus "keine Telefone" wurden Satellitentelefone, die Interpol innerhalb von Sekunden orten konnte.

Nach einer imposanten Darbietung des deutlich gestiegenen Budgets der Serie in Form einer rasanten Verfolgungsjagd, wurde einer von ihnen verhaftet: Rio (Miguel Herrán), der fortan im Untergrund gefoltert wird, um ihm Informationen über die anderen zu entlocken. Der Professor versammelt die verbliebenen Mitglieder seiner Bande und wird deutlich: "Wir retten ihn!"

Ab hier wird jener Storyfaden durch die Fortsetzungsöse gezogen, der vielen Fans im Vorhinein Sorgen bereitet hat. Wie kann eine Serie, in der es hauptsächlich um einen spektakulären Raub ging, fortgesetzt werden, nachdem scheinbar kein Verbrechen mehr vonnöten ist? Die Antwort: Es wird einfach der nächste Überfall inszeniert. Um Rio retten zu können, beschließt der Professor, muss die Goldreserve der spanischen Zentralbank ins Visier genommen werden – der absurdeste Raubversuch, den man sich vorstellen kann: "Jetzt trotzen wir dem gesamten System."

Die dritte Staffel von "Haus des Geldes" wird harder, better, faster, wie es Daft Punk ausdrücken würde. Wie eine Mischung aus der "Oceans"-Reihe und "Fast & Furious" schaltet die Koproduktion von Netflix und dem spanischen Sender Antena 3 in den siebten Gang und begeistert mit Popcornheimkino, das den zunächst ausgeführten Überfall auf die Banknotendruckerei wie ein gemütliches Warm-Up wirken lässt. Nachdem in eben dieser Situation Berlin (Pedro Alonso), Moskau (Paco Tous) und Oslo (Roberto Garcia) das Zeitliche segneten, stoßen nun drei neue Gesichter in die Runde: Palermo (Rodrigo de la Serna), Bogotá (Hovik Keuchkerian) und Marseilles (Luka Peros).

Freunde von Berlin und Co. müssen jedoch nicht gänzlich traurig sein. Durch gezielte Rückblenden spielt er weiterhin eine gewisse Rolle in der neuen Staffel und ermöglicht somit Einblicke in das Seelenleben seines Professor-Bruders, die dem Zuschauer dabei helfen, besser zu verstehen, wieso er überhaupt diese Anfangsambition hatte, high-level-kriminell zu werden. Ähnlich wie bei "Lost" wirken die Rückblenden hier nicht wie Stilmittel der Zeitschindung, sondern wie das intensive Bemühen, möglichst alles aus der Story zu holen.

Die Angst, dass "Haus des Geldes" nun floppt, ist also unbegründet. Sicherlich kann sie für die so gut wie bestätigte vierte Staffel noch einmal frisch aufgebaut werden – hier verfliegt sie aber schon nach wenigen Minuten. Alle sind mit der gleichen Spielfreude dabei, explizit Denver-Darsteller Jaime Lorente. Selbst seine nervige deutsche Synchronisationslache kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Mann mit dermaßen viel Energie an die Arbeit geht, die einen Großteil des restlichen Casts in seinen Schatten stellt.

Selten hat sich eine Fortsetzung so richtig angefühlt wie diese. Die eigentlich beendete Geschichte wird unerwartet smooth weitererzählt und bietet neben all den neuen Panoramen weiterhin gewohnt erstklassige Popkulturreferenzen, von "Vendetta" bis "Reservoir Dogs". Showrunner Álex Pina hat es geschafft, seinen Sommerhit erfolgreich in die zweite Runde zu schicken und hat dabei sogar das Kunststück vollbracht, die Partisanenhymne "Bella Ciao" einmal mehr als Ohrwurm zurückzubringen.

Alle drei Staffeln von "Haus des Geldes" können bei Netflix gestreamt werden.

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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