Trotz der sich rasant entwickelnden Ereignisse rund um das Thema Doping im deutschen Radsport halten ARD und ZDF an der Übertragung großer Ereignisse wie der Tour de France und der Deutschland-Tour fest. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagt ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender am Mittwoch vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages: "Jetzt auszusteigen wäre das falscheste, was wir tun können". Zuvor hatte der Vorsitzende des Sportausschusses, Peter Danckert, einen Radsport-Boykott durch ARD und ZDF gefordert.Auch ARD-Programmdirektor und Sportkoordinator Günter Struve (Bild) will am Radsport festhalten. So dürfe man die Tour de France, die sich um eine Säuberung des Sports von Doping-Sündern bemühe, nun nicht nachträglich bestrafen, in dem man den Wert der Veranstaltung durch das Ausbleiben der Übertragung schmälere, so Struve laut der "FAZ". Die ARD werde bei der Übertragung auch ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gerecht.
Hinsichtlich des Talkshow-Auftrittes des ehemaligen Tour-Sieger Jan Ullrich in der Sendung von Reinhold Beckmann im vergangenen Februar, sagte Struve, das Gespräch der Sendung sei für die ARD ein Anlass gewesen, die Verträge mit Jan Ullrich zu kündigen, so sie zu dem Zeitpunkt noch gegolten hätten, da es bei Ullrich eine Ausstiegsklausel im Falle von Doping gegeben habe.
Vorbehaltlos ist das Bekenntnis der ARD zur Tour de France allerdings nicht. "ARD und ZDF sind dabei, sich auf die Tour 2007 vorzubereiten. Dennoch bleibt die Möglichkeit des Ausstiegs, wenn neu gewonnene Erkenntnisse der nächsten Tage und Wochen uns dazu zwingen würden", sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff in einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger" (Donnerstagsausgabe). Eine Entscheidung über die Tour de France bliebe nicht ohne Auswirkungen für die Deutschland-Tour, so Raff weiter.
Auch im Hinblick auf das künftige Verhältnis zu den sportlichen Akteuren wird sich das Verhalten der ARD in Anbetracht der schweren Doping-Fälle, die in diesen Tagen an die Öffentlichkeit gekommen sind, verändern. "Es war ein Fehler, in diesen Zeiten des einzigen deutschen Profiteams eine Nähe zu pflegen, die möglicherweise den ein oder anderen kritischen Ansatz nicht so hat in Erscheinung treten lassen. Deshalb würden wir heute einen solchen Vertrag nicht mehr schließen", so Fritz Raff im "Kölner Stadtanzeiger".




