Foto: Betty TV © Betty TV
Verkauf oder Einstellung

Swisscom verliert die Geduld mit Betty TV

 

"Unsere Erwartungen wurden nicht erfüllt": Die Swisscom als Mutter von Betty TV will das verlustreiche Experiment mit der interaktiven Fernbedienung Betty beenden.

von Thomas Lückerath
31.08.2007 - 13:22 Uhr

Foto: Betty TVEine vergleichsweise kurze Pressemitteilung der Swisscom hat weitreichende Folgen: Der Schweizer Telekommunikationskonzern teilt am Freitag mit, dass die Aktivitäten der Betty TV (Schweiz) AG per 30. November von der Betty TV (Deutschland) AG übernommen werden. Beides sind Tochterunternehmen der Swisscom. Man bündelt und optimiere damit das Geschäft innerhalb eines Unternehmens. Die 35 Mitarbeiter in der Schweiz verlieren ihren Arbeitsplatz. Für sie werde es einen Sozialplan geben.

Schon bei der Bekanntgabe der Halbjahresergebnisse 2007 hatte die Swisscom erstmals öffentlich kommuniziert, dass der Geschäftsverlauf von Betty TV unter den Erwartungen liegt. Am heutigen Freitag teilt die Swisscom im Rahmen der Mitteilung der Geschäftsverlagerung mit, dass man auch für die Zukunft der Betty TV (Deutschland) AG "verschiedene strategische Optionen" prüfe.
 
Eine Einstellung des Dienstes ist denkbar

Gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de wurde man konkreter: Der Verkauf sei eine Option, aber schlimmstenfalls auch die Einstellung des Dienstes, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Mit den beiden Betty TV-Unternehmen habe man im ersten Halbjahr 2007 insgesamt 60 Mio. Franken (36,5 Mio. Euro) Verlust gemacht. Von insgesamt 300.000 produzierten Geräten wurden im ersten Halbjahr 2007 gerade einmal 100.000 "Bettys" an den Mann gebracht, davon 90.000 in Deutschland. Wieviele von den 90.000 Geräten im Rahmen immer inflationärer eingesetzter Gewinnspiele auch noch verschenkt wurden, ist unklar.
 


Klar ist hingegen: Selbst das immer wieder nach unten korrigierte Minimal-Ziel von 100.000 verkauften Geräten im ersten Halbjahr in Deutschland wurde damit nicht erreicht. Wolfram Schmidt, ehemaliger Chef von Betty TV (Deutschland) AG, der das Unternehmen schon vor einigen Wochen verlassen hat, hatte beim Startschuss für den deutschen Markt Anfang Februar noch von 500.000 bis eine Million Geräten innerhalb eines Jahres gesprochen.
 
Betty TV passt nicht mehr in die Swisscom-Strategie

Foto: Betty TVBetty TV passt nicht mehr zur strategischen Ausrichtung des Konzerns, betont ein Swisscom-Sprecher gegenüber DWDL.de. Mit dem Erwerb des italienischen Breitband-Kommunikationsunternehmen Fastweb konzentriere sich Swisscom im Bereich TV auf andere Konzepte. Die Akte "Betty TV" will man dementsprechend "so schnell wie möglich" klären. Auf einen zeitlichen Horizont wollte sich Swisscom aber nicht festlegen.
 
Die interaktive Fernbedienung Betty wurde seit dem 1. Juli 2006 von der Betty TV (Schweiz) AG angeboten, seit Februar diesen Jahres auch von der deutschen Betty TV AG in Deutschland. Sie ermöglicht wie Rückkanal (Telefon) die Teilnahme an Gewinnspielen und liefert Zusatzinformationen zum Fernsehprogramm. Geeignet war Betty TV nur für analoge Telefonanschlüsse. Ein für den Sommer angekündigter Adapter zur Nutzung des Internets als Rückkanal steht immer noch aus. Nach Auskunft von Betty TV (Deutschland) AG soll dieser aber bereits in kleinen Stückzahlen vorliegen. Die Vermarktung soll allerdings bald starten.

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