Mit den Worten "Heil Hitler, Herr Friedman" begann das Interview, das Michel Friedman mit dem Neonazi Horst Mahler für "Vanity Fair" geführt hat und das vergangene Woche veröffentlicht worden war. Im Laufe des Gesprächs leugnete Mahler den Holocaust ("Die systematische Vernichtung der Juden in Auschwitz, das ist eine Lüge."), bezeichnete Adolf Hitler als "Erlöser des deutschen Volkes. Nicht nur des deutschen Volkes", und verneinte die Frage, ob er das Grundgesetz anerkenne mit dem Hinweis, er erkenne die "deutschen Reichsgesetze" an.
Nach dem Interview erstattete Michel Friedman Anzeige gegen Mahler, schließlich stehen das Verwenden des Hiltergrußes sowie das Leugnen des Holocausts in Deutschland unter Strafe. Doch nicht nur Mahler sieht sich nun einer Anzeige gegenüber, sondern auch die "Vanity Fair"-Macher.
Der Historiker Anro Lustiger, selbst Überlebender des KZ Auschwitz, bezeichnete es als "Skandal", dass "Vanity Fair" das Interview ins Heft und sogar auf den Titel genommen habe. Dafür solle sie büßen. Lustiger verklagt sowohl Chefredakteur Ulf Poschardt als auch Herausgeber Bernd Runge wegen Volksverhetzung.
Die Veröffentlichung hatte Poschardt bereits vergangene Woche verteidigt: "Horst Mahler ist ein Chefideologe der Rechtsextremen. Seine Ansichten - so absurd und furchtbar sie sind - werden heimlich von zu vielen Deutschen geteilt. Das sieht man an den Erfolgen der NPD und in Umfragen. Michel Friedmans mutiges Gespräch gibt notwendige Einblicke in die Abgründe, mit denen sich diese Gesellschaft auseinandersetzen muss."
In der vergangenen Woche stieß das Interview vor allem in der Politik auf viel Kritik. Bundestagsvizepräsident Thierse bezeichnete es als "absolut überflüssig", CDU-Franktionsvize Bosbach sagte, es gehe "offenbar nicht um Auklärung, sondern um Auflage". Im Editorial der aktuellen "Vanity Fair" verteidigt Ulf Poschardt das Interview noch einmal: "In einer Zeit, in der rechtes Gedankengut auch bürgerliche Schichten erreicht, muss die Auseinandersetzung mit Mitteln der Aufklärung geschehen. Meinungsfreiheit ist dafür unverzichtbar." Und in Richtung Bosbach fügt er hinzu: "Die Verkäufe in der Sächsischen Schweiz sind nicht gestiegen."
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