Erst in dieser Woche kündigte der MDR kurzfristig an, am Donnerstagabend zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr ein 15-minütiges Interview mit Bundeskanzlerin Merkel ins Programm zu nehmen, in dem sie sich zur Frage "Wie weiter im Osten?" äußern sollte. Eigentlich kein Problem - wenn nicht am kommenden Sonntag in den beiden MDR-Ländern Sachsen und Thüringen Landtagswahlen anstünden.
Die Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei witterten in dem kurzfristig anberaumten Interview jedenfalls den Versuch einer Einflußnahme, zumal SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier erst zwei Wochen später und somit nach der Landtagswahl zum Interview geladen wurde. Unter der Überschrift "Outet sich der MDR als CDU-Sender?" verwies die Linke auf den MDR-Staatsvertrag, in dem festgehalten ist, dass das Gesamtprogramm nicht einseitig einer Partei dienen darf. "Mit dieser EXTRA-Wurst für Angela Merkel drei Tage vor den Landtagswahlen offenbart der MDR, dass er nicht parteipolitisch neutral ist."
Nach dieser scharfen Kritik sah sich der MDR nun tatsächlich zum Handeln gezwungen und gab am Donnerstagnachmittag nun bekannt, dass man das für den Abend geplante Merkel-Interview "zurückziehe". Auch das geplant Steinmeier-Interview wird infolge dessen nicht stattfinden. Intendant Udo Reiter räumte ein, die Terminwahl seines Senders sei "unglücklich" gewesen. Durch die Ausstrahlung des Merkel-Interviews vor und des Steinmeier-Interviews nach der Wahl "wäre eine einseitige Beeinflussung der Wahlkämpfe in den beiden MDR-Ländern nicht auszuschließen gewesen", heißt es weiter in der Mitteilung. Um den Grundsatz der Chancengleichheit nicht zu gefährden, verzichte der MDR auf die Interviews.
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