Markus Schächter auf den Mainzer Tage der Medienkritik"Das Jahr hat Kraft gekostet, aber der Weg war ohne Alternative", sagt ZDF-Intendant Markus Schächter im Gespräch mit "SZ"-Kollegen Christopher Keil über die monatelange Debatte um Chefredakteur Nikolaus Brender und die dann gefundene Lösung in Form des seit 1. April amtierenden von Peter Frey. "Es liegt vor allem an uns, den Heilungsprozess zu beschleunigen", so Schächter. "Wir sind emotional, konzeptionell und strategisch so aufgestellt, dass wir mit aller Kraft nach vorne gehen. Das ZDF ist wieder auf Kurs. Klar, Narben bleiben, als Mahnung, dass wir für unsere Unabhängigkeit kämpfen müssen."
 

 
Das ZDF ist wieder auf Kurs? Schächter meint damit: "Wir arbeiten mit der ganzen Kraft eines zentralen, gut aufgestellten Unternehmens und mit einer Geschäftsleitung, die sich als Team versteht, unsere Prioritätenliste ab." Und auf der stehen auch Änderungen im Programm. Der ZDF-Intendant gegenüber der "Süddeutschen Zeitung: "So wird auch das Programmschema für das nächste Jahr optimiert." Ins Detail geht Schächter allerdings nicht. Welche Züge das neue Schema tragen werde? "Klare Profile und Kanten in Kenntnis des Zuschauerverhaltens in einer veränderten Medienwelt."

Wenig überraschend ist die klare Absage eines Werbeverbotes für ARD und ZDF. Schächter verweist auf das Beispiel Frankreich. Dort steige die Erkenntnis, dass der deutsche Weg vielleicht der bessere sei. "Umfragen dort zeigen, dass von den 600 relevanten Unternehmen 100 angeben, nur beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu werben, weil sie dort ihre Zielgruppen finden." Und dann spricht der ZDF-Intendant noch direkt über die private Konkurrenz: "Wenn ich höre, dass die Rendite von ProSiebenSat.1 bei 26 Prozent liegt, also deutlich höher als bei stolzen Unternehmen wie Eon, Daimler oder der Telekom, dann hält sich mein Mitgefühl doch sehr in Grenzen."