Plusminus © ARD
Ein Magazin - sieben Moderatoren

"Plusminus" rüstet auf: Kleinstaaterei in der ARD

 

Der NDR hat eine neue Moderatorin für "Plusminus" vorgestellt. Eine vermeintlich unspektakuläre Personalie - möchte man meinen. Wäre da nicht der Plan gewesen, die Zahl der Moderatoren zu reduzieren. Stattdessen zieht nun auch noch der WDR nach...

von Alexander Krei
07.01.2014 - 15:14 Uhr

Die ARD ist schon ein seltsames Konstrukt. Sie ist ein Verbund verschiedener regionaler Sender. Das bringt ohne Zweifel Vorteile mit sich - der "Tatort" profitiert etwa ganz stark von den verschiedenen regionalen Akzenten. Ansonsten erweist sich die ARD mitunter als fast unbeweglicher Dampfer, weil es stets gilt, die vielen unterschiedlichen Interessen zu vereinen. Der Slogan "Wir sind eins", der so positiv daherkommt, trifft daher längst nicht immer zu. Schon bei einer vermeintlichen Kleinigkeit wie die Besetzung eines Moderatoren-Postens kann sich diese Uneinigkeit zeigen.

Beispiel: "Plusminus". Im November 2011 äußerte die ARD in einer Pressemitteilung die Absicht, sich bei ihrem wöchentlichen Wirtschaftsmagazin fortan lieber auf ein Gesicht konzentrieren zu wollen. "Damit Wiedererkennbarkeit beim Publikum garantiert ist, wird im neuen Jahr das Wirtschaftsmagazin 'Plusminus' von einer Moderatorin/einem Moderator präsentiert", hieß es damals. Passiert ist seitdem: Nichts. Oder besser gesagt: Das genaue Gegenteil des Angekündigten.

Weil der Hessische Rundfunk im vergangenen Jahr lieber sein eigenes Süppchen kochen wollte, kam sogar noch ein Moderator hinzu. Seither führt Markus Gürne für den hr durch die Sendung. Daneben stehen weiterhin Clemens Bratzler für den SWR, Marcus Bornheim für den BR und Karin Lambert-Butenschön für den SR vor der "Plusminus"-Kamera. Einzig Jörg Boecker ging sowohl für MDR, NDR und WDR auf Sendung - und ursprünglich auch für den hr, bis dieser Anfang vergangenen Jahres seinen eigenen Mann installierte. "Plus statt Minus", so lautete schon damals unser Kommentar.

Für das Jahr 2014 gilt dieser Satz mehr denn je: Am Vormittag hat der NDR überraschend einen weiteren Neuzugang präsentiert. Bereits ab dieser Woche wird Pinar Atalay die "Plusminus"-Ausgaben des NDR im Ersten präsentieren. Atalay gehört seit 2009 zum Stammteam der Moderatoren von "NDR aktuell" im NDR Fernsehen. Sie bekommt damit im neuen Jahr viel zu tun: Neben "Plusminus" soll sie künftig nämlich auch die "Tagesthemen" moderieren, wenn Caren Miosga und Thomas Roth verhindert sind. Hierbei löst sie Ingo Zamperoni ab, der ins ARD-Studio Washington wechseln wird (DWDL.de berichtete).

Bei "Plusminus" übernimmt sie nun die bisher von Jörg Boecker übernommenen NDR-Schichten. Doch Boecker bekommt künftig noch weniger Einsätze. Auf Nachfrage des Medienmagazins DWDL.de erklärte der WDR am Dienstag, dass man künftig ebenfalls ein eigenes Gesicht bei "Plusminus" an den Start bringen wird. Ellen Ehni, ihres Zeichens Leiterin der Wirtschaftsredaktion Fernsehen im WDR, moderiert fortan die WDR-Ausgaben von "Plusminus". Boecker, der bis Ende 2012 noch die Ausgaben von vier Anstalten präsentierte, ist damit also nur noch für den MDR im Einsatz.

"Der WDR setzt auf Ellen Ehni, weil damit eine unserer starken Frauen ihre Wirtschafts-Kompetenz noch häufiger auf dem Bildschirm zeigen kann", gibt WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn gegenüber DWDL.de freimütig zu, schränkt gleichzeitig aber ein, dass sich die ARD in der Vergangenheit leider nicht auf ein gemeinsames Gesicht habe verständigen können. Ganz ähnlich äußert sich auch eine NDR-Sprecherin: "Der NDR hat sich immer dafür eingesetzt, dass das Wirtschaftsmagazin 'Plusminus' von nur einer Person präsentiert wird." Weiter heißt es: "Viele halten Pinar Atalay für die geeignetste Kandidatin - sie ist eine der profiliertesten Moderatorinnen der jüngeren Generation und wird nicht nur im NDR, sondern auch in anderen ARD-Sendern sehr geschätzt. Insofern war es für den NDR folgerichtig, sie mit dieser Aufgabe zu betrauen."

Anders ausgedrückt: Der NDR hätte gerne nur ein Gesicht für "Plusminus" - aber wenn, dann bitteschön doch eines aus dem eigenen Haus. Kleinstaaterei in Perfektion. Und eine verpasste Chance. Das eigentlich mal ausgegebene Ziel der Wiedererkennbarkeit dürfte auf diese Weise jedenfalls in absehbarer Zeit kaum zu erreichen sein. Dafür kann sich "Plusminus" nun immerhin mit sieben Moderatoren schmücken. "Wir sind eins" - willkommen in der Wirklichkeit.

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