Der Fall Bruckner - Corinna Harfouch © BR/Conny Klein
Kritik an ARD und ZDF

Harfouch: "Nur wenige Redaktionen noch bei Trost"

 

Die Schauspielerin Corinna Harfouch hält offenbar wenig von ARD und ZDF. Die Redaktionen hätten sich "extrem in ihren gewucherten Strukturen verstrickt", deutsche Serien, die den Begriff "Quality TV" verdienen, gebe es nicht.

von Uwe Mantel
22.09.2014 - 10:48 Uhr

Corinna Harfouch ist am Mittwoch zwar im Ersten im Film "Der Fall Bruckner" zu sehen, hat offenbar aber keine hohe Meinung von ARD und ZDF und dem deutschen Fernsehen im Allgemeinen, wie sie in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zu Protokoll gab. Unter anderem stößt sie sich daran, dass fast nur noch Krimiserien produziert werden. Auch sie habe zuletzt wieder eine Rolle als Privatdetektivin angeboten bekommen. Harfouch: "Es ist doch fürchterlich! Es gibt nichts anderes mehr. Alle anderen Berufe spielen keine Rolle mehr."

Die Redaktionen bei ARD und ZDF seien "ganz einfach extrem in ihren gewucherten Strukturen verstrickt und können sich kaum noch bewegen. Die produzieren zum Teil kaum noch." Sie könne es von außen nur bedingt beurteilen, aber für sie stelle sich die Situation so dar: "Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist ein System entstanden, in dem sich der einzelne Mensch kaum noch gegen den Apparat durchsetzen kann. Es gibt bei den Sendern nur noch ganz wenige Redaktionen, über die ich sage: Die sind noch irgendwie bei Trost, die denken noch nach, die pflegen noch eine Fantasie, die nicht von Tausenden Regeln erstickt ist."

Dass zwar derzeit viel über hochkarätige Serien gesprochen werde, aber kaum jemand deutsche Produktionen nenne, komme daher, dass es "keine gibt, die den Begriff verdient". Nichtsdestotrotz hat Corinna Harfouch aber wieder eine kleine Serienrolle übernommen, die ebenfalls im Polzeimilieu spielt: In "Die Lebenden und die Toten". Harfouch: "Das dreht Matthias Glasner für das ZDF, mein Lieblingsregisseur. Und es ist gut: komplex, verstrickt, ein großes Ensemble mit sehr unterschiedlichen Figuren".

Eine Serie wie "Unser Lehrer Dr. Specht" würde sie hingegen offenbar nie wieder drehen: "Ich habe das gedreht, aber nie gewagt, es mir anzusehen. Keine einzige Folge." Spaß gemacht hat ihr die damalige Arbeit offenbar nicht: "Es hat mich einiges gekostet, damit an einem Ort zu sein, an dem ich nicht sein wollte. Das Gefühl ist bis zum Ende der Drehzeit geblieben. Ich habe dabei immer meine Kollegen bewundert, sie mit großen Augen angeguckt und gestaunt: Die können das einfach so machen; die spielen, und es stört sie nicht, dass wir 13 Folgen gleichzeitig abdrehen und kaum noch wissen, was unsere Figur gerade bewegt."

Teilen

Kommentarbereich anzeigen

Sie haben einen Text aus dem Archiv des Medienmagazins DWDL.de aufgerufen, das bis ins Jahr 2001 zurückreicht und mehrere Zehntausend Artikel umfasst.



Suchtipps

  • Geben Sie mehrere Suchwörter an, um Ihre Suche einzuschränken. Es werden nur Artikel ausgegeben, in denen alle angegebenen Worte vorkommen.
  • Starten Sie ihre Suche mit einem Anführungszeichen ("), werden nur Artikel ausgegeben, in denen die Worte in genau dieser Reihenfolge vorkommen.
Mit den Newslettern der DWDL.de-Redaktion sind Sie werktäglich bestens informiert. Für die Rundum-Versorgung abonnieren Sie einfach alle Angebote oder wählen den für Sie passenden Newsletter...
Name:
E-Mail:
Frage: 5 + 9 =

Ich möchte die folgenden Newsletter erhalten:
Sie können sich jederzeit wieder abmelden. Beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.