Markus Söder bei Dahoam is Dahoam © BR/Marco Orlando Pichler
"Da muss man was tun"

Beim BR dahoam: Söders fragwürdiger PR-Ausflug

 

Am Dienstag hatte der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) einen Gastauftritt in der Daily-Soap "Dahoam is dahoam" im Bayerischen Fernsehen - und durfte ungestört Regierungs-PR in Reinform abliefern. Beim BR sieht man kein Problem.

von Uwe Mantel
22.01.2015 - 12:38 Uhr

"Was machen Sie jetzt zum Beispiel gegen die Abwanderung vom Land?" "Wie genau schaffen wir das, dass unsere Dörfer nicht aussterben?" "Was hilft das, wenn man eine Arbeit hat, aber nicht weiß, wie man seine Kinder unterbringen soll? Habt ihr schon eine Lösung dafür?". Die Autoren der Daily-Soap "Dahoam is dahoam", die werktäglich um 19:45 Uhr im Bayerischen Fernsehen zu sehen ist, haben sich augenscheinlich alle Mühe gegeben, Markus Söder bei seinem Gastauftritt am Dienstag allerhand Vorlagen zu liefern, damit der quasi das Regierungsprogramm der bayerischen Landesregierung den Zuschauern noch einmal in einem Wohlfühl-Umfeld näherbringen konnte, wie Stefan Niggemeier in seinem Blog dokumentiert hat.

Und diese Möglichkeit nutzte er: Bayern sei in Sachen Internet-Ausbau auf dem Land "Vorbild in ganz Deutschland", man habe ein Programm für mehr Kinderbetreuung und den Erhalt kleiner Mittelschulen aufgelegt und kümmere sich auch noch um die medizinische Versorgung älterer Menschen. "Das Förderprogramm zur Niederlassung von Hausärzten im ländlichen Raum", wie in diesem Fall noch nicht mal Markus Söder selbst sagen musste, sondern dankenswerterweise von der Figur Vroni aus der Serie gleich selbst übernommen wurde. Doch Söder durfte nicht nur die Maßnahmen seiner Regierung vorstellen, er konnte sich durch die gesamte Handlung als besonders bürgernah präsentieren - was sicher nicht ungelegen kommt, wenn man sich gerade anschickt, sich als Nachfolger für Ministerpräsident Horst Seehofer in Stellung zu bringen. (Das gesamte Transkript gibt's bei stefan-niggemeier.de)

Doch was klingt, wie direkt in der Bayerischen Staatskanzlei formuliert, ist nach Angaben des Bayerischen Rundfunks von einem sechsköpfigen Autorenteam "ohne jeglichen Einfluss von außen" geschrieben und von der zuständigen Serienredakteurin auch abgenommen worden. Söder habe sich bei seinem Auftritt inhaltlich an das Drehbuch gehalten. Der BR weist zudem darauf hin, dass die Aussagen im Dialog "wiederholt kritisch hinterfragt" worden seien.

Auch sonst weist der BR Einflüsse durch die CSU oder Söder zurück. Der Auftritt sei vielmehr "eine Gemeinschaftsidee der Autoren, der Produktionsfirma und der Redaktion von 'Dahoam is Dahoam'" gewesen - und das sei auch nichts ungewöhnliches, schließlich greife die Serie "als Spiegelbild des täglichen Lebens immer wieder aktuelle Themen, auch aus der Politik" auf. Weiter heißt es vom BR: "In der Serie greifen die parteilose Bürgermeisterin Veronika Brunner und Landrat Lorenz Schattenhofer brisante politische Themen zur Entwicklung des ländlichen Raums auf. Um die Glaubwürdigkeit der fiktiven Charaktere zu unterstreichen, entstand die Idee, auch einen realen Politiker in einer Folge auftreten zu lassen." Bei Söder will man es nicht bewenden lassen: Kurze Gastauftritte von Politikern anderer Parteien seien bereits in Entwicklung.

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann sieht den Auftritt hingegen kritisch und wettert über "dreistestes Politiker-Placement". "Die Aufzählung der vermeintlichen Glanzleistungen der CSU-Staatsregierung hat in dieser Serie nichts verloren - und steht auch in keinerlei Zusammenhang mit Inhalt und Handlung. Ich kann nicht verstehen, wie sich der Bayerische Rundfunk hierzu herablassen konnte!" Abgehakt ist Söders Auftritt für den BR damit vorerst wohl nicht: Die Grünen wollen die Angelegenheit im Rundfunkrat zur Sprche bringen und dringen auf eine Stellungnahme des Intendanten. "Diese billige Werbung für die Seehofer-Administration kann nicht folgenlos bleiben. Der BR ist kein Regierungs-Funk - das muss allen Beteiligten klar sein", so Hartmann, der einst selbst im BR-Rundfunkrat saß. Auch der BJV-Vorsitzende Michael Busch kritisiert: "Einen offensichtlicheren Missbrauch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann es gar nicht geben. Von einer Staatsferne ist der Bayerische Rundfunk in diesem Fall offensichtlich weit entfernt."

Einmal mehr unglücklich wirkt in diesem Zusammenhang auch die Vorgeschichte von BR-Intendant Ulrich Wilhelm - der vor seiner Zeit beim Bayerischen Rundfunk Regierungssprecher der schwarz-gelben bzw. schwarz-roten Bundesregierung war. Markus Söder fungierte damals als Generalsekretär der CSU. Söder wiederum verfügt über Verbindungen zum BR: Er hat dort einst volontiert und danach als Redakteur gearbeitet.

Nicht von allen im BR wird der Söder-Auftritt übrigens als so gelungen angesehen...

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