Wolfgang Link, ProSiebenSat.1 TV Deutschland © ProSiebenSat.1
Bis zu 15 Entwicklungen noch in diesem Jahr

Serien-Offensive: ProSiebenSat.1 startet Aufruf

 

Spät, aber gewaltig: Bis zu 15 neue Serien-Projekte will ProSiebenSat.1 noch in diesem Jahr in die Entwicklung schicken. Bis Anfang August sind TV-Autoren, Produktionsfirmen und Absolventen von Film- und Fernsehhochschulen aufgerufen, Ideen einzusenden.

von Thomas Lückerath
01.06.2015 - 12:30 Uhr

Die Richtung wird schnell klar, denn die Informationen zum Wettbewerb veröffentlicht ProSiebenSat.1 TV Deutschland gleich nur auf englisch: Wolfgang Link, Vorsitzender der Geschäftsführung, ist auf der Suche nach neuen fiktionalen  TV-Ideen - und das weltweit. Gesucht seien Konzepte für frische und mitreißende TV-Serien, die mit filmischem Look und hohem Unterhaltungswert ein großes internationales Publikum ansprechen, teilt der Konzern am Montag mit. "Unsere neue Initiative entspringt der Strategie von ProSiebenSat.1 TV Deutschland, internationale Koproduktionen zu einem wesentlichen Element der Prime-Time-Programmierung unserer Sender auszubauen", sagt dazu Koby Gal Raday, SVP International Co-Production & Documentaries bei ProSiebenSat.1 TV Deutschland. Man könnte auch von einem Strategie-Wechsel sprechen.

Während die P7S1-eigene Produktionstochter Red Arrow Entertainment international eine Vorreiter-Rolle in der Serien-Produktion eingenommen hat und beispielsweise mit „Lillyhammer“ die erste Drama-Serie für Netflix, mit „Bosch“ die erste einstündige Drama-Serie für Amazon und „100 Code“ die erste Co-Produktion für Sky Deutschland verantwortete, taten sich die deutschen Sender der ProSiebenSat.1 TV Deutschland schwerer mit einer Reaktion auf den Trend zur eigenproduzierten Fiction. Bei Sat.1 endeten „Danni Lowinski“, „Der letzte Bulle“, „Ladykracher“ und nach aktuellem Stand auch „Pastewka“. Bei ProSieben liegt die letzte serielle Eigenproduktion gar Jahre zurück. Bislang waren keine neuen Projekte spruchreif.

Im vergangenen Sommer jedoch ließ ProSiebenSat.1 TV Deutschland-Chef Wolfgang Link schon ein steigendes Interesse an neuen seriellen Projekten durchblicken. „Eine eigene Serie stünde ProSieben gut zu Gesicht“, sagte er damals im DWDL.de-Interview. Im vergangenen Herbst dann verpflichtete ProSiebenSat.1 dann Koby Gal-Raday als Senior Vice President International Co-Productions & Documentaries. Dessen Ziele mit der neuen Offensive sind groß: “Unser Ziel ist es, eine kreative Heimat für die besten Showrunner und Produktionsfirmen zu sein und eine führende Rolle bei der Schaffung neuer, eigener Premiumprogramme sowohl für das deutsche als auch das weltweite Publikum einzunehmen“, sagt Gal-Raday (Foto) heute. Es gehe bei dem Wettbewerb um Konzepte im frühen Entwicklungsstadium.

Koby Gal-Raday© ProSiebenSat.1

Die Rechte an den Ideen würden, so beruhigt man in den Teilnahmebedingungen, bis zum Abschluss eines Entwicklungsvertrages vollständig bei den Kreativen bleiben. Mancher Produzent sorgt sich jedoch schon kurz nach der Veröffentlichung der Wettbewerbsbedingungen angesichts des „kostenlosen Abschöpfens von Grundideen neuer serieller Stoffe“. Dass der Wettbewerb gleich international ausgerichtet ist, irritiert manchen deutschen TV-Produzenten ebenso. Gesucht werden von ProSiebenSat.1 TV Deutschland übrigens Ideen für episodisch erzählte Prime-Time-Serien, vor allem in den Genres Crime, Medical und RomCom. Konzepte für außergewöhnliche, seriell erzählte TV-Serien und Miniserien, die sowohl einen Must-See-Charakter als auch einen spezifisch deutschen Aspekt besitzen, seien aber ebenso willkommen.

"ProSiebenSat.1 TV Deutschland denkt kontinuierlich über neue Zugänge zu den besten Quellen für Programminnovationen nach. Dass wir dabei unseren Horizont mit einer globalen Initiative vergrößern, ist ein logischer Schritt“, führt Wolfgang Link, Vorsitzender der Geschäftsführung der ProSiebenSat.1 TV Deutschland, aus und formuliert die neue Strategie: „Internationale Koproduktionen stellen eine entscheidende Säule unserer Content-Strategie für die nächsten Jahre dar.“

Verlangt werden von einer Einreichung beim Wettbewerb laut englischsprachiger Ausschreibung: Detailed first season arcs/plots, Main characters description, 3-4 episodes (short) synopsis, Visual approach, Full pilot synopsis sowie Filmography of submitter/s. Nach einer umfassenden Bewertung unter Leitung der Abteilung International Co-Production bei ProSiebenSat.1 TV Deutschland plant das Unternehmen, bis Ende 2015 in die Entwicklung von bis zu 15 Projekten zu investieren. Eine Rückmeldung auf die eingereichten Konzepte verspricht ProSiebenSat.1 TV Deutschland spätestens drei Monate nach der Einreichung, die bis zum 3. August online möglich ist.

Wird eine Einreichung ausgewählt und ein Entwicklungsvertrag unterschrieben, will ProSiebenSat.1 TV Deutschland den Stoff binnen fünf Monaten entwickeln lassen. Je nach Projekt verspricht ProSiebenSat.1 TV Deutschland bei Unterzeichnung des Entwicklungsvertrags ein Entwicklungsbudget von 30.000 bis 60.000 Euro. Parallel zum kreativen Prozess, bietet ProSiebenSat.1 TV Deutschland seine aktive Unterstützung bei der Gewinnung der geeigneten internationalen Partner für die Realisierung der ausgewählten Projekte an. Letztlich soll die Serie eben nicht nur im deutschen Fernsehen funktionieren - sondern sich auch international vermarkten lassen.

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