Matthias Matussek © Screenshot ZDF
"Durchgeknalltes Posting"

"Welt"-Chefredakteur distanziert sich von Matussek

 

Eine differenzierte Äußerung sieht anders aus: Weil er nach den Anschlägen von Paris alle "islamischen Männer" unter Generalverdacht stellte, hat sich "Welt"-Kolumnist Matthias Matussek Ärger mit seinem Chefredakteur eingehandelt.

von Alexander Krei
14.11.2015 - 16:09 Uhr

Mit einem Posting zu den verheerenden Terroranschlägen in Paris hat "Welt"-Kolumnist Matthias Matussek den Zorn seines Chefredakteurs auf sich gezogen. Wenige Stunden nach den Anschlägen stellte Matussek eine Verbindung zu der Flüchtlingswelle her - und versah sein Posting am Ende mit einem Smiley. "Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen", gab der Kolumnist auf Facebook zu Protokoll.

Matthias Matussek auf Facebook
© Screenshot Facebook

Dass Matthias Matussek gerne provoziert, dürfte beim Springer-Verlag bestens bekannt sein - erst im vorigen Jahr hatte der Journalist mit homophoben Äußerungen für fragwürdige Schlagzeilen gesorgt. Sein jüngstes Posting ging "Welt"-Chefredakteur Jan-Eric Peters aber offensichtlich zu weit. "Die zivilisierte Welt hat gerade andere Probleme als ein durchgeknalltes Posting. Aber damit das klar ist: Ich distanziere mich im Namen der 'Welt', die für andere Werte steht, für Freiheit und Menschlichkeit", schrieb Peters am Samstag. "Die Gedanken unserer Redaktion gehören den Opfern von Paris."

Zugleich betonte er, "alles weitere intern" klären zu wollen. Gut möglich also, dass Matussek, einst Kulturchef bei "Spiegel", nach seinen nächtlichen Äußerungen Konsequenzen fürchten muss. Kritik kam unterdessen auch von anderen Journalisten: "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann bezeichnete Matusseks Facebook-Posting in den Kommentaren als "ekelhaft" - und bekam dafür sogar ein Like von Stefan Niggemeier. "Stern.de"-Chefredakteur Philipp Jessen hatte derweil nur zwei Worte für den "Welt"-Kolumnisten übrig: "Gestörter Typ".

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