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Rätselraten um Absichten des Investors

Verkauft und verraten? Chaos bei Berliner Joiz

 

Neuer Mehrheitsgesellschafter der Joiz Germany GmbH ist - entgegen anderslautenden Berichten - der Berliner Immobilien-Unternehmer Uwe Fabich. Dessen rigoroses Vorgehen sorgt auch den Kölner Joiz-Gesellschafter, die Mediengruppe DuMont.

von Thomas Lückerath
01.09.2016 - 16:10 Uhr

Es sind einmal mehr ungewisse Zeiten bei Joiz. Mit viel schwarzem Humor könnte man sagen: Darin hat die junge Crew in Berlin Übung. Vor zwei Jahren steckte die deutsche Tochter des Schweizer Medienunternehmens schon einmal in der Insolvenz. Unter Führung von Geschäftsführerin Britta Schewe gelang in den vergangenen Jahren eine mühsame Neuausrichtung der Jugend-Marke, doch das ruhigere Fahrwasser war nicht von langer Dauer. Schewe ist von ihren Aufgaben entbunden, die Mitarbeiter verunsichert und der Kölner Partner, die Mediengruppe DuMont, ebenso.

Vergangene Woche wurde zur Überraschung der meisten Beobachter und der deutschen Joiz-Crew bekannt, dass das Schweizer Mutterhaus wegen Überschuldung die Segel streichen muss und den Schweizer Sender einstellt. Dass dies auch Folgen für die deutsche Tochter haben würde, war zu erwarten. Binnen weniger Tage hatte die Joiz Holding auch einen Käufer gefunden für ihre 80-prozentige Beteiligung. Die weiteren 20 Prozent hält unverändert die Kölner Mediengruppe DuMont, die sich von Joiz die technische Plattform für Video-Aktivitäten zuliefern ließ.

Neuer Mehrheitsgesellschafter der Joiz Germany GmbH sei die Small World Investments, eine Venture Capital-Firma aus San Francisco. Das berichteten zumindest zahlreiche Fachdienste und das tagelang unwidersprochen - aber lagen nach Recherchen des Medienmagazins DWDL.de damit falsch. Richtig ist: Die Small World Apartment Services Ltd. hat die Anteile erworben. Die in London ansässige Immobilienfirma wird geführt von Holger Jackisch, Geschäftspartner des Berliner Immobilien-Unternehmers Uwe Fabich. Hin und wieder wird dieser von Berliner Medien auch gerne als „Phantom“ beschrieben - Fotos von ihm gibt es nicht.

Ein Immobilienunternehmer als theoretisch smarter Partner

Fabich ist in der Berliner Immobilien-Welt bekannt für seine Leidenschaft für und Investments in historische Gebäude und deren Umgestaltung für eine neue Nutzung. So gehören ihm der Wasserturm am Berliner Ostkreuz, die Erdmann-Höfe in Kreuzberg und auch der Postbahnhof an der Spree. Einer der Mieter dieses auch als Event-Location genutzten Gebäudes des alten Postbahnhofs: Die Joiz Germany GmbH. Fabich investiert auch in Großbritannien, Spanien, den USA und Brasilien. Im vergangenen Jahr hat er dann wieder in Berlin zugeschlagen und das ehemalige DDR-Funkhaus in Berlin-Oberschöneweide gekauft - ein Areal, das schon mehrfach verkauft wurde, aber bislang nie aus seinem Dämmerschlaf seit der Wiedervereinigung erweckt.

Das solle sich ändern, erklärte Fabich im vergangenen Jahr der „Berliner Zeitung“ bei einem Ortstermin: „Ich will hier eines der größten Musikzentren der Welt aufbauen.“ Und genau hier soll nach Recherchen des Medienmagazins DWDL.de auch der eigentliche Ansatz für die Übernahme von Joiz Germany gelegen haben. Mit der Live-Expertise, Technik und Zielgruppe von Joiz hätten Musik-Events umfassend begleitet und ein Mehrwert für das Musikzentrum geschaffen werden sollen. Doch an der Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens wachsen Zweifel - und die Sorge, dass die Fortführung von Joiz als Medienmarke überhaupt ernsthaft beabsichtigt wird.

Geschäftsführerin gefeuert und Partner DuMont besorgt

In Berlin herrscht gerade jedenfalls Chaos bei Joiz im Postbahnhof. Geschäftsführerin Britta Schewe wurde nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de gekündigt. Für eine Stellungnahme war sie nicht zu erreichen. Weitere Mitarbeiter wurden entlassen und Teile der Einrichtung von Möbelpackern bereits aus den Räumen entfernt. Eine Anfrage bei der Joiz Germany GmbH blieb am Donnerstagnachmittag zunächst unbeantwortet. Das verbliebene Team des Unternehmens hat am Donnerstag zunächst im Rahmen der Möglichkeiten wie gewohnt die Arbeit aufgenommen. Doch die Partner von Joiz sind ebenso irritiert über das rigorose Vorgehen und die unklaren Absichten des neuen Mehrheitsgesellschafters.

Auf Anfrage des Medienmagazins DWDL.de teilt Björn Schmidt, Leiter der Unternehmenskommunikation der Mediengruppe DuMont, am Donnerstagnachmittag mit: „Die Mediengruppe DuMont hält eine Minderheitsbeteiligung von 20 Prozent an der Joiz Germany GmbH. Wir werden natürlich entsprechend den Möglichkeiten unsere Rechte nutzen. In der Zusammenarbeit mit Joiz konnten wir viel für die Mediengruppe DuMont lernen und würden es sehr bedauern, wenn Joiz nicht fortgeführt werden würde.“ Die Zukunft der sich stets wandelnden Medienmarke Joiz scheint damit einmal mehr ungewiss.

Immobilien-Unternehmer Uwe Fabich war am Donnerstagnachmittag für DWDL.de nicht zu erreichen. Das Impressum der Webpräsenz der Small World Apartment Services Ltd. ist offline.

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