Ulrich Wilhelm © BR/Markus Konvalin
ARD-Vorsitzender übt Selbstkritik

Wilhelm über Serien-Hype: "Sind zu spät aufgewacht"

 

Der aktuelle Serien-Boom hält schon eine ganze Weile an. Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm übt nun Selbstkritik und sagt, man habe diesen Trend zu lange verschlafen. Aber auch jetzt könne man sich noch von Netflix, Amazon & Co. abheben.

von Timo Niemeier
14.03.2018 - 08:26 Uhr

ARD-Vorsitzender Ulrich Wilhelm hat sich am Dienstagabend bei einem "Handelsblatt"-Wirtschaftsclub-Gespräch selbstkritisch zur Lage von Serien innerhalb der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt geäußert. "Wir haben bestimmte Trends zu lange verschlafen", sagte Wilhelm laut einem Bericht der dpa. Serien seien eine wichtige Kunstgattung, das jedoch hätten der ARD andere vorgemacht. "Da sind wir zu spät aufgewacht."

Inzwischen hat aber auch die ARD bekanntlich einige High-End-Serien im Programm oder zumindest bestellt. Noch in diesem Jahr wird "Babylon Berlin" zu sehen sein, im vergangenen Jahr feierte bereits "Charité" einen grandiosen Einstand im Programm. Nachdem man also lange etwas verschlafen war in Deutschland, zeige sich laut Wilhelm nun, dass auch Sender, Produzenten und Schauspieler hierzulande auf Weltniveau Serien anbieten können.

Wichtig sei dabei, dass man sich von den großen US-Anbietern wie Netflix und Amazon unterscheide - und das klappt laut Wilhelm auch schon ganz gut. Bei den globalen Streamingdiensten sei genau das Mangelware, "was sehr stark mit uns zu tun hat: die Verfilmung unserer Literatur, Produktionen mit unseren Schauspielern, von unseren Drehbuchautoren, mit unserer Filmmusik und dergleichen".

Darüber hinaus plädierte Wilhelm auch für eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Verlagen, so sprach er sich unter anderem für eine Vernetzung der Plattformen aus. Der ARD sei es gesetzlich verboten, Werbung im Netz zu betreiben. "Aber wir könnten natürlich mit unserer Reichweite den Verlagen dabei helfen, auch eventuell eine Finanzquelle durch gewachsene Werbeumsätze wieder auf diesen vernetzten Plattformen zu bekommen." Gleichzeitig warnte der ARD-Vorsitzende vor den US-Riesen Facebook und Google. Man könne in den USA heute nur noch Reichweiten erzielen, in dem man diesen Konzernen die eigenen Inhalte gebe. "Ein Gegenrezept kann sein, eigene Plattformen zu stärken. Als die vielen Einzelnen sind wir zu schwach." Aber eine Vernetzung über Deutschland hinaus ermögliche eine "europäische Selbstbehauptung, um auch kulturell tatsächlich überdauern zu können".

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