Die Programmreform Anfang 2006 brachte der ARD einiges an Kritik. Die "Tagesthemen" kommen seitdem montags bis donnerstags bereits 15 Minuten früher, jedoch wurden dafür die Politmagazine von 45 auf 30 Minuten eingekürzt und auf den einheitlichen Sendeplatz um 21:45 Uhr verschoben. Eine Entscheidung die für viel Aufregung gesorgt hat, war es doch eine Kürzung in der Sparte, in der die ARD sich immer ganz weit vorne wähnt: Dem Informationsbereich.
Doch die Kürzung war doch halb so wild, sagt zumindest ARD-Programmdirektor Günter Struve, der noch einmal persönlich nachgerechnet hat und am Montag in Frankfurt vor Journalisten stolz seine Ergebnisse präsentierte. 43 Stunden lang strahlte die ARD im Jahr 2006 Politische Magazine aus, das sei deutlich mehr als in den "Good Old Days", so Struve, also vor 20 oder 30 Jahren. "Da kann ich nicht sehen, dass quantitativ etwas ins Rutschen gekommen wäre", so der ARD-Programmdirektor.
Und auch die direkte Konkurrenz, also das ZDF, habe deutlich weniger Zeit für politische Magazine freigeräumt. Dessen einziges, "Frontal 21", habe lediglich 26,5 Stunden Programm belegt im vergangenen Jahr, die ARD sei mit ihren Politmagazinen also auf rund 50 Prozent mehr Sendezeit gekommen, so Struve. Und auch, dass die Programmreform zu einer negativen Quoten-Entwicklung bei den Politmagazinen der ARD geführt habe, sei nicht richtig.
Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff pflichtete bei, von negativen Auswirkungen durch die Programmreform könne überhaupt keine Rede sein. Zwar hätten die Politmagazine im Schnitt 200.000 Zuschauer verloren, das hänge aber mit der "politischen Großwetterlage" zusammen. Der Marktanteil der Politmagazine sei im Schnitt um 0,4 Prozentpunkte gefallen - das ZDF habe ohne Reform sogar 0,5 Prozentpunkte verloren, rechnete ARD-Programmdirektor Struve vor.
Auch mit der Entwicklung der "Tagesthemen" sei man zufrieden. So hätten an den Tagen Montag bis Donnerstag im Schnitt 170.000 Zuschauer hinzugewonnen werden können. An den Tagen Freitag bis Sonntag, an denen sich nichts an der Sendezeit der "Tagesthemen" änderte, sei die Tendenz hingegen rückläufig. Allerdings habe auch das "heute-journal" verloren. Auch hier sei das sinkende Interesse also der "politischen Großwetterlage" zuzurechnen und nicht den Formaten selbst.
Demzufolge soll am derzeitigen Programmschema auch erst einmal nichts geändert werden. Anfang des Jahres hatte Raff in einem Interview gesagt, der neue Sendeplatz der "Tagesthemen" komme auf den Prüfstand. Am Dienstag sagte der ARD-Vorsitzende nun: "Im Moment gibt es keinen Grund daran zu zweifeln, dass der Schritt richtig und ein Erfolg war." Und: "Es besteht heute kein eindeutiger Korrekturbedarf." Allerdings müsse man jetzt abwarten, wie das Schema nach dem Wechsel von "Hart aber Fair" ins Erste aussehen werde.
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