Aufnahmeleiter © Bundesagentur für Arbeit
Berufsbilder (3)

Aufnahmeleiter: Der universelle Problemlöser

 

Falls man gerne unter Strom steht, haufenweise Leute koordinieren möchte und keinen Grusel vor kleiner Mathematik hat, könnte man ein guter Aufnahmeleiter werden. Was noch dazu gehört, hat uns Johannes Block, der mittlerweile selbstständig in seinem Beruf ist, verraten.

von Kevin Hennings
18.03.2017 - 10:52 Uhr

Er ist der Erste am Set und meistens auch die Person, die abends das Licht ausmacht. Innerhalb dieser Zeit kümmert er sich darum, dass die Schauspieler rechtzeitig bei ihren Drehs erscheinen, sorgt dafür, dass die Requisite alles hat, was sie benötigt, die Toningenieure ihre Überstunden hinnehmen und der Regisseur den Kuchen bekommt, auf den er gerade Heißhunger hat. Zudem hält er nebenbei noch alle wichtigen Gespräche mit den Produzenten. Die Rede ist vom Aufnahmeleiter, der Organisationstalent, Improvisationsgenie und Motivator in einem sein muss. Gibt es Probleme, ist er da, um sie zu lösen. Denn am Ende Tages ist er dafür verantwortlich, dass alle geplanten Sequenzen im Kasten sind und die Produktion nicht ins Stocken gerät.

Um das alles gebacken zu bekommen, sollte man vor allem eines sein: stressresistent. Im Gespräch verriet uns Aufnahmeleiter Johannes Block nämlich, dass eine Skala von 1 bis 10 manchmal gar nicht ausreicht, um auszusagen, was einen in diesem Job erwartet. "Ich hatte zwar schon kleinere Drehs, bei denen ich einfach nur am Set war und alles stressfrei lief. Doch wenn man an großen Sets unterwegs ist, an denen man am Tag gut und gerne 50 Personen koordinieren muss und dann auch noch die Zeit Druck macht, während irgendetwas nicht so funktioniert, wie es soll, kann einem das Ganze extrem an die Substanz gehen."

Ärgerlich seien solche Tage vor allem dann, wenn man für die entstandenen Probleme zwangsläufig nicht einmal etwas kann. "Ab und an kalkulieren Firmen die Zeit und das Personal nicht gut", verrät Block. Dann müsse man auch mal beim Caterer, der Maske, im Kostüm oder bei der Requisite aushelfen. "Wenn man merkt, dass die Disposition schon auf dem Blatt zeitlich nicht funktioniert, kann das schon sehr nerven."

Er selbst hatte außerdem mal einen Assistenten, der es in einer Woche geschafft hat, vier Produktionsautos kaputt zu fahren und ein zusätzliches abschleppen zu lassen, da er es versehentlich in einer Feuerwehreinfahrt geparkt hatte. "Da musste ich ihm doch nahelegen, eher etwas Anderes zu machen". Ein gewisser Grad an Konzentration muss als Aufnahmeleiter also mitgebracht werden, bevor man die ganze Produktion im Chaos versinken lässt. 

Wenn der große Apparat namens Fernsehproduktion aber ins Rollen gebracht wird, kann man sich auch mal zurücklehnen und zuschauen, wie die Dinge sich entwickeln. "Als Aufnahmeleiter habe ich das Glück, dass ab und zu machen zu können. Meinen Kollegen von der Kamera oder dem Ton ist das während des Drehs verwehrt." Ein anderes Privileg findet Block jedoch noch wichtiger: "In welchem Job lernt man sonst so viele außergewöhnliche Menschen und Dinge kennen? Wir treffen Personen und erleben Situationen, die sich andere zur Unterhaltung im Fernsehen anschauen. Das ist oft schon sehr spannend."

Menschen, die einen klassischen Alltag wollen, bei dem immer wieder das Gleiche passiert, ist es also eher nicht geraten, als Aufnahmeleiter in die Medienwelt zu starten. Neben chaotischen Tagen kommt auch die Pflicht dazu, seine Koffer stets bereit zu halten. "Da die meisten Aufnahmeleiter Freiberufler sind, ändert sich unser Arbeitsstandort regelmäßig. Für viele Formate bin ich im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs. Mehrmals im Jahr fahre ich auch für ungefähr einen Monat ins Ausland, um zu drehen. Man kommt schon sehr viel rum", erzählt Block.

Als Aufnahmeleiter sollte man jedoch nicht nur ein Organisationstalent und reisebereit sein, sondern auch empathisch. Da man durchgehend mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun hat, und in stressigen Situationen schnell und einfühlsam handeln muss, ist ein kühler Kopf und Verständnis für seine Mitmenschen unabdingbar, um in diesem Beruf erfolgreich zu sein. Man möchte ja auch weiter empfohlen werden und beim nächsten Job nicht durch jemanden ersetzt werden, der zwar genauso gut wie man selbst ist, dafür aber viel angenehmer im Umgang. 

Wenn man diese Punkte für sich bejahen kann, heißt es vor allem praktische Erfahrung zu sammeln, anstatt einem Abschluss hinterherzujagen. Wie beim Cutter macht "learning by doing" mit der Zeit auch einen Aufnahmeleiter zu einem Guten seines Faches. Weiterbildung? Ebenfalls nicht zwingend von Nöten, um ein Profi zu werden. 

Die Digitalisierung sorgt außerdem dafür, dass der Beruf einer rosigen Zukunft entgegen blickt. "Plattformen wie YouTube sorgen dafür, dass mehr Content gedreht wird. Dadurch entstehen neue Arbeitsplätze. Ich selber habe schon öfters rein für den Online-Markt produziert und glaube darüber hinaus, dass die digitale Revolution für einen neuen Qualitätsschub sorgen wird, da die jüngere Generation endlich wieder von den Medienmachern erfasst und hochwertiger Content im Netz gewünscht wird." Doch wo man als Aufnahmeleiter am Ende auch landet, ob beim Film, im Fernsehen, oder fürs Internet - nachdem man das letzte Licht am Set ausgemacht hat und alles gut lief, kann man sich selbst auf die Schulter klopfen und sagen, dass man einen erheblichen Anteil daran hatte.

In unserem Karriere-Special "Vitamin D" beleuchten wir an dieser Stelle bestimmte Berufsbilder der Branche. Die ausgewählten Berufe sind entweder solche, die in der DWDL.de-Jobbörse besonders häufig gesucht werden oder solche, die wir für ungewöhnlich und deshalb beachtenswert halten.

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